398 IX. Anfänge weltlicher Malerei in Italien auf Möbeln.
Gegenstücke, sie haben einige Figuren gemeinsam. Hier ist schonwirkliche Schönheit und Poesie. Die bisherigen Deutungen scheinenmir mangelhaft. Venus aus ihrer Muschel, von den Winden anden Blumenstrand der Erde getragen, wird unter grünen Bäumenvon einer schwebenden bekleideten Blondine empfangen, welche vorder Brust Rosen, am Kleid Kornblumen, auf dem Mantel Mar-geriten trägt, während vom Himmel über das Meer Rosen Hinab-fallen. Die Blumen dreier Jahreszeiten charakterisiren diese Ge-stalt als Flora; die Liebe bringt Blumen und Lenz. Dagegenwird auf dem zweiten Bild dieselbe Blumemnaid in einem reichenGarten durch die dießmal bekleidete Venus empfangen, welchedurch den über ihr fliegenden Amor genügend charakterisirt ist.Die Flora ist genau dieselbe Figur wie auf dem Gegenstück; ihrGewand ist wieder mit Blumen besetzt, sie hat einen Kranz umden Hals und trägt Rosen im Schooß. Eine nur in Schleier ge-kleidete Nymphe führt sie; eine blaue Gestalt, hinter ihr schwebend,treibt sie mit ihrem Hauch vorwärts: das ist die laue blaue Lenz-luft. Links tanzen leichtbekleidete Frauen, die sich sicher als diedrei Jahreszeiten der Alten, die Hören, erklären, und ein Mannschlägt Frucht von einem Baum/ Auch hier eine. verwandte Idee:Lenz und Liebe begrüßen sich.
In der Sammlung Campana möchte auch eine lebensgroßeVenus (Nr. 169) dem Botticelli gehören. Sie ruht, das feineHemd hochgegürtet, um die Hüften einen rothen Mantel, in einemGarten von künstlichen Rosenspalieren auf blumigem Rasenteppich.Der Hintergrund ist Landschaft. Trotz der drei Amorinen, welchebei ihr Rosen in ein Körbchen pflücken, sieht sie gelangweilt aus.Dieß und die überschlanken wenig idealen Formen lassen michvermuthen, daß sie das Portrait der Geliebten eines der Mediciist. Ein Zeitalter, welches den Plinius wieder las, mochte leichtan die Modelle des Praxiteles denken und Maitressen zu Venus-bildern idealisiren,*) denn Botticelli , der viel las und studirte,hat ganz bestimmt antike Stoffe hervorgesucht und den Versuch