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Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
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X. Bemalte Tischplatten.

Tisch ist der Besteller zwar ein Norddeutscher gewesen, da seinVorname Asmus, welcher eine lateinische Uebersetzung von Gerhardist, und die Endung seines Familiennamens Stedelin nach Süd-deutschland nicht passen. Aber der Maler dieses Tisches wirddurch die Orthographie der Beischriften ebenfalls als ein Süd-deutscher erwiesen.

Das Wichtigste bleibt immer die Wahl der Gegenstände.

Ein Nonnenkloster, ein geistlicher Fürst mochten sich diePassion und die Geschichte David's auswählen; doch sind ja auchdiese beiden Darstellungen mit weltlicher Lust gewürzt. Wo aberHolbein und Beham selbst ihre Stoffe wühlen dürfen, da greifensie, wie sie auch sonst thun, in's volle wirkliche Leben hinein undschildern Genrescenen mit Lustbarkeiten der höhern Stände, derBürger und Bauern. In Italien malt man auf die Ziermöbelmythologische Scenen und manchmal ein romantisches Novellen-bild aus einem italienischen Poeten, im Norden das wirkliche Lebenund dessen sinnliche Lustigkeit.

Das erinnert uns sogleich daran, wie in Italien auch derKupferstich ein Jahrhundert lang fast ganz an religiöse oder dochideale Gegenstände sich hält, während in Deutschland schon derMeister E. S. neben den Helgen das Gelage von Männern undWeibern mit dem Narren und der ihn anlockenden Frau, MartinSchougauer die sich prügelnden Goldschmiedslehrjungen und denRitt auf den Markt, Israel von Meckenen den Priester in Kupfer-stich ausführt, der ein Weib anpackt, daß das Spinnrad dabei zuSchaden kommt.

Neben den Geurestücken des Quinten Matsys , welche abersatyrischen und socialistischen Inhalt haben, sind die bemaltenTischplatten gradezu die frühsten in Oel ausgeführtenGenrestücke aus dem wirklichen Volksleben und brechen damiteine neue Bahn in der Kunst. Verwandt damit sind die Zeich-nungen und Holzschnitte der Schweizer Urs Graf und NikolausManuel aus dem Leben der Lanzknechte und ihrer üppigen Dirnen.In Deutschland und der Schweiz, und nicht zuerst in den Nieder-landen , ist diejenige Gattung von Gegenständen aufgekommen, dieman jetzt die niederländische zu nennen pflegt.