XI. Wenceslaus Hollar der Kupferstecher. 439
runder Summe wird man getrost 3000 Blätter annehmen dürfen.Hollar hat von 1625—77 gearbeitet. Das giebt 52 Jahre, undaus's Jahr kommen fast 60 Stiche. In jeder Woche hat er durch-schnittlich mehr als Eine Platte fertig gemacht!
Bei den spätern sehr handwerklichen Arbeiten für Illustrationhaben ihm allerdings mehrere Schüler geholfen, die er währendseines zweiten Aufenthalts in London (1652—77) heranbildete.Vor dieser Zeit ist uns aber nicht bekannt, daß er in Deutschland ,London oder Antwerpen Schüler gehabt hätte; und so sind gewißalle seine Hauptwerke/ die grade in jene frühere Zeit fallen, ganzvon seiner eigenen Hand vollendet.
. Hinzunehmen muß man, daß Hollar niemals Mühe scheute.-Er wählte sehr oft Gegenstände, welche das Aeußerste von Detailverlangten. Seine Kathedrale von Antwerpen und der Abend-mahlskelch nach Mantegna , aber auch manche der großen Panoramen,mit genauer Angabe aller einzelnen Gebäude, können hiefür alsBeweise dienen. In solchem Fleiß und solcher Treue des Detailskann man unter den großen Meistern nur noch Callot und dellaBella mit chm vergleichen.
Leichtsinnig und flüchtig hat überhaupt Hollar niemals gear-beitet. Natürlich sind die Brotarbeiten der letzten Jahre wenigergut. Sehr schwach sind zum Theil auch die fliegenden Blätter,welche Zeitbegebenheiten illnstrirten. und rasch nach den Ereignissenauf den Markt kommen mußten, wenn sie rentiren sollten. Nimmtman z. B. die beiden Platten von dem Staatsproceß gegen Straffordund von dessen Hinrichtung aus Tower Hill, so wird man in denkleinen Figuren sehr den Geist vermissen, womit Callot und dellaBella sogar solche Gelegenheitsblätter noch auszustatten verstanden.Auch die Ansichten von Tanger , die ihm notorisch so schlecht be-
(101 mm. br., 74 nun. h.), welches rechts oben bezeichnet ist W. Hollarfec. 1639: eine vornehme Gesellschaft von vier Herren und drei Damen beiTafel im Freien; rechts ein einschenkender Page am Eingang eines Hauses.,Das Blatt wurde für 50 Thaler ersteigert und kam in das Kupferstichcabinetzu Berlin (Wessely, Kupferstichsammlung der Kön. Museen zu B., Nr. 1026),ivelches außerdem noch zwei unbeschriebene Blätter von Hollar enthält (WesselyNr. 1024. 1025).