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noch so complicirte Funktion differentiiren, aber das Integriren gelingt ihr selten,und am wenigsten in solchen Fällen der Physik, bei denen ein verwickeltesDurchein ander wirken von Kräften Statt findet, dessen Gesetz zu bestimmen ist, —Aber die Mathematik versucht doch wenigstens derartige Integrationen undrechnet sie zu ihren höchsten Aufgaben, wogegen die Aesthetik von heute ganzähnliche Aufgaben und Probleme der Kunstphysik (um mich der Analogie wegen,die zwischen dem Wirken der Natur und dem der Kunst Statt findet, dieses ge-wagten Ausdruckes zu bedienen) kurzweg von sich abweist und den Standpunktals glücklich überwunden erklärt, auf welchem noch Aesthetiker wieLessing und Rumohr, die wirklich selbst etwas von der Kunst und ihrer Praxis(jeder von beiden in seiner Sphäre) wussten und verstanden, den Künstler in dieLehre nehmen zu dürfen glaubten. (Zeising, ästh. Forschungen, Einleitung Seite 2.)
Es ist dem Kunstphilosophen nur noch um die Lösung seines Problemeszu thun, das mit dem des Künstlers nichts gemein hat, „dem als Ausgangs- und„Zielpunkt seiner Thätigkeit die Erscheinungswelt gilt, während dem Aesthetiker„das Erste und das Letzte die Idee ist, die ihm als der Keim und Samen alles„Daseienden, als die befruchtende Kraft gilt, welcher alles, auch das Schöne, seine„Existenz verdankt etc.“ 1
Ihm ist der Kunstgenuss Verstandesübung, philosophisches Ergötzen, be-stehend in dem Zurücktragen des Schönen aus der Erscheinungswelt in die Idee,in dem Zergliedern desselben und dem Herauspräpariren des Begriffskerns aus ihm. 2
1 Zeising A. F. Einleitung.
2 „Die spekulative Aesthetik, die vorzugsweise gepflegt wird, ist für die Bildenden„und Bauenden fast eben so unfruchtbar wie für die Beschauenden schädlich. Es fehlt„dieser Aesthetik an konkretem Verständniss des Schönen, sie hat zwar viel Kunst-„rhetorik aber wenig Kunstempfindung verbreitet. Eine Ableitung des Formellschönen„gelingt ihr nicht; sie muss sich in der Regel damit begnügen, aus der vollen Traube„nur den abstrakten Schnaps des Gedankens abzudestilliren.
„Seit die Kunst unter diese spekulative Aufsicht gestellt worden ist, ist weder„der Sinn für schöne Raumerfüllung neubelebt, noch sind die Nerven für die vis superba„formae empfänglicher gestimmt worden. Das unmittelbare anschauende Denken wird„durch diese Aesthetik in keiner Weise gefördert. An der Unfähigkeit so vieler Men-schen, das Schöne als solches rein zu gemessen, findet sie eine grosse Stütze. Sie„hilft dieser Unfähigkeit nach, indem sie das für das Auge bestimmte für das Ohr„übersetzt, die Kunst in Nichtkunst, die Formen in Begriffe, das Vergnügen am„Schönen in Gott weiss welches Vergnügen, und Scherz und Humor der Kunst in„pedantischen Ernst umwandelt. — Wenn aber Form, Farbe, Quantität, um sie recht„zu empfinden, erst in der Kategorieenretorte sublimirt werden müssen, wenn das„Sinnliche als solches keinen Sinn mehr hat, w'enn das Leibliche, wie in dieser„Aesthetik, sich erst entleiben muss, um seinen Reichthum aufzuscliliessen, — geht da„nicht für die Kunst der Grund selbstständiger Existenz zu Grunde?
„Auch über die Kunstjournale, die mehr oder weniger das Echo der spekulativ-„ästhetischen Handbücher sind, wäre Manches zu bemerken. Auch sie leisten dem