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Viertes Hauptstück.
2) Einfache Naturerzeugnisse, die ganz naturwüchsig oder nur nach vorher-gegangener technischer Bearbeitung , durch welche die struktiven und formellenEigenschaften der Stoffe keine wesentlichen Aenderungen erleiden, angewendet
werden.
§• 26 .
Die eigene Haut, die naturwüchsigste Decke.
Das erste Naturprodukt, das hier in Frage kommt, ist ohne Zweifeldas eigene Fell oder die Haut des Menschen; die so merkwürdige kultur-historische Erscheinung des Bemalens und Tettowirens der Haut ist auchin stilgeschichtlicher Beziehung von grossem Interesse. Wir wissen nichtrecht, ob die gemalten oder eingeäzten Striche und Schnörkel, womit dieganz oder zum Theil nackt gehenden Völker fast durchgängig ihre Hautzu verzieren pflegen (eine Sitte, die sich selbst bei sehr kultivirten Völ-kern und zwar bei solchen, die gemässigte und selbst kalte Länderbewohnten, lange Zeit erhalten hatte), das Ursprünglichste in der Ver-zierungskunst sei, oder ob auch hier, wie so oft in dem, was für ursprüng-lich gehalten wird, eine Reminiscenz vorhergegangener höherer Kulturvorliegt.
Mit Hinblick auf diesen Zweifel sollte der Tettowirung ein Para-graph in der kulturgeschichtlichen Rubrik dieses Hauptstückes und zwarunter dem Kleiderwesen gewidmet sein, wesshalb hier nur darauf hinzu-weisen ist, dass die meisten, sogenannt wilden Völker diejenigen Farbenfür ihre Hautbemalungen aufzufinden wissen, die der Farbe ihrer Hautam besten entsprechen. Bei manchen Völkern gibt sich sogar eine rich-tige Kenntniss der Lage und der Funktionen der durch die Haut bedecktenMuskeln in der Weise kund, wie sie diese und ihre Thätigkeiten auf derOberfläche der Haut gleichsam bildlich wiedergeben, oder vielmehr durchLineamente graphisch darstellen, eine sehr merkwürdige Erscheinung, dieden Beweis gibt, dass das Ornament bei diesen Völkern schon in seinemstruktiv-symbolischen Sinne aufgefasst und sehr richtig verstanden wurde.Sollte man berechtigt sein, daraus zu schliessen, dass diese Auffassungdes Ornamentes die ursprünglichste sei oder ist sie vielmehr als einZeichen eines sekundären Kulturzustandes derjenigen Völker anzusehen,bei welchen sie hervortritt? (S. Klemm’s Kulturgeschichte der Mensch-heit — Sudseeinsulaner und passim.)
Die Ornamente auf der Haut dieser Völker sind gebildet
aus