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Viertes Hauptstück.
Namens von dem griechischen «gdjnrog, sechsfädig, auf das ich nochzurückkommen werde, nicht zweifelhaft sein kann. 1
Der kurzgeschorene Sammt mag wohl erst recht in Aufnahmegekommen sein, wie gegen das Ende der Kreuzzüge das Ritterthum inseiner vollen Tulpenblüthe stand und nachdem man mit den Schätzendes Orients bekannt geworden war, der Kleiderprunk nebst anderemAufwande seinen höchsten Gipfel erreicht hatte. Die knappen weltlichenKleider gestatteten nicht mehr die Anwendung so schwerer Stoffe, diejenen liturgischen Gewändern der Priesterschaft besondere Würde ver-liehen. Vielleicht kam man auch übergänglich zu der Erfindung desSammtscheerens indem das Mustern der älteren plüschartigen Zeuge, ausderen langhaarigem Fliese man Ornamente ausschnitt, dahin führte, siegänzlich zu scheeren.
Die grüne Farbe scheint dabei die beliebteste gewesen zu sein undwirklich ist sie diejenige, welche die Natur am häufigsten ihren Sammt-gebilden, dem Rasen, den Blättern und Früchten gewisser Pflanzen, frei-lich neben vielen anderen Farben, wie Braunroth, Quittengelb, Purpur,Pflaumenblau zutheilt; man wird an allen diesen Naturvelouren eineeigenthümliche Farbenmischung wahrnehmen, die sorgfältig studirt undvon dem denkenden Manufakturisten nicht minder als von dem Malerbeherzigt werden muss. Vorzüglich wichtig ist die Beobachtung, wie dieNatur mit ihren velutirten Oberflächen andere atlasschillernde, nach ganzentgegengesetztem Prinzipe kolorirte Erscheinungen in Kontrast setzt.Wie auf dem Sammtteppiche des frischen Rasen die Atlasblumen desFrühlings sich abheben, so darf das Grün die Hauptfarbe des meistenszum Grunde einer reichen Stickerei oder eines glänzenderen Seidenstoffsdienenden Sammtes bilden.
Was dem Sammte seine ihm eigenthümliche Pracht verleiht, ist,neben der Fülle und Grösse seines gerundeten Faltenwurfs, die durchletztem hervorgebrachte gleichzeitige Wirkung des atlasartigen Schillersder seitwärts betrachteten Theile, neben der tiefsatten aber glanzlosenFarbengluth derjenigen Parthieen, auf welche der Blick vertikal ge-richtet ist. 2
1 Es haben einige bei diesem Worte an Siam, das indische Reich, gedacht.
2 Eben diese Eigenschaften gestatten bei Sammt die Anwendung dunkelsterFarben, denn es bilden sich immer Parthieen auf der Oberfläche, die das Dunkel derLokalfarbe noch bei weitem übersteigen und sie relativ hell oder farbig erscheinenlassen. Diese Tiefe, die der Sammt gestattet, soll man benützen. Mir hat heller, wohlgar weisser, Sammt immer einen krankhaften Eindruck gemacht, als sähe ich weisse