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Viertes Hauptstöck.
Deckfarben, sondern überall die Farbe als unzertrennlich von der Form,diese durchdringend: das Färben ist natürlicher und leichter,daher auch ursprünglicher als das Anstreichen und Malen.Diese Thesis enthält ein sehr wichtiges Moment der Stiltheorie, woraufich bei der Entwicklung meiner Auffassung der Polychromie in den bil-denden Künsten der Alten öfter zurückkommen werde.
Zu dem Färben gesellte sich zeitig die Praxis des Beitzens, denndas Streben nach dauerndem Genuss ist so alt wie der Genuss.
Unsere Chemiker wissen trefflich zu erklären, wenigstens experi-mentalisch nachzuweisen, wie gewisse Salze und Laugen auf die färbendenStoffe reagiren, indem sie ihre Farben verändern, zugleich das Einsaugenderselben in die zu färbenden Stoffe und ihre Echtheit fördern; grosseVortheile zog die neueste Schönfärberei aus diesen Fortschritten derWissenschaft, aber es bleibt ungewiss, ob nicht selbst hierin, ich meinein dem Reintechnischen der Färberei, von allen Geheimnissen der Nüan-cirung und der Befestigung der färbenden Stoffe das früheste Alterthum,der Schönfärber des alten Reiches von Aegypten und des uralten Chaldäa,weit mehr wusste als unser renommirtester Manufakturist und Dampf-kesselfarber, ob ihm nicht alle die Geheimnisse der Natur, die wir ent-hüllten und für den genannten Zweck an wandten, schon bekannt warenund er sie wohl zu benützen verstand, obschon er sich von den Wir-kungen, die er beherrschte, die (für uns) lächerlichsten Erklärungenmachte. Plinius erzählt uns mit deutlichen Worten, dass die Aegypterdie Kunst verstanden, durch verschiedene Beitzen, die man auf die gewebtenStoffe auftrug, so dass sie unsichtbare Muster bildeten, diese Stoffe sozu präpariren, dass sie bunt- und mehrfarbig gemustert aus dem Färbe-kessel, in den man sie nur momentan eintauchte, herausgehoben wurden:„mirumque cum sit unus in cortina colos, ex illo alius atque alius fit investe, accipientis medicamenti qualitate mutatus, nec postea ablui potest:Ita cortina non dubie confusura colores si pictos acciperet. 1
Etwas Aehnliches, ein kombinirtes Drucken und Färben mit denverschiedensten und zugleich naturgemäss innigst verwandten Farben,haben unsere Farbenkünstler doch noch nicht zu Stande gebracht.
Doch nicht in den Raffinerieen der Praxis bestand diejenige Meister-schaft der Alten in der Ausschmückung ihrer Gewänder und sonstigenStoffe durch Farben, für welche sie meiner Ansicht nach unsere Bewun-derung am meisten verdienen; sie zeigte sich vielmehr in der klaren
1 Plin. H. M. XXXV. 2.