Textile Kunst. Prozesse. Färben.
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die einfachsten, obschon, wie oben durch ein Beispiel gezeigt wurde, diechemischen Einflüsse der Säuren und Salze und Kalien nicht unbekanntund ungenützt blieben.
Zwei grosse Schattirungen oder Farbentonarten beherrschten diegesammte antike Chromatik und zwar seit den frühesten vorgeschichtlichenZeiten. Die eine von diesen grossen Hauptgattungen der Färberei hattewahrscheinlich zur Basis das Jodmetall, wie dieser prachtvolle Färbestoffdurch die verschiedenen Organismen des Meers auf mannichfaltigste abernatürlichste Weise nüancirt und zum Theil in die entgegengesetztestenFarben, in Roth, Gelb und Blau, umgearbeitet wird, die aber alle durcheinen und denselben wunderbar milden aber zugleich tiefen und austerenFamilienzug verbunden sind. Man gehe durch ein Conchylienkabinetund vergleiche alle die hundertfältigen Töne vom Hochroth durch dasViolet zum Blau, vom Blau durch das Meergrün zum Seegrasgelb, vomGelb durch alle Nüancen zum Weiss, das auch vom Blau und vom Rothaus erreicht wird, immer seine „hue“ als Seeweiss behält und in der Perleseine Glorie feiert, die alle drei Grundfarben und alles Dazwischenliegendein sich fasst und abspiegelt: — hat man sich von der wunderbaren Har-monie zwischen den Farben aller dieser Seeprodukte überzeugt, oder sienoch grossartiger in der ewig wechselnden Farbenpracht des Meergrundeserkannt, der alle diese Produkte schuf, dann weiss man auf einmal klar,was die Alten unter Purpurfarben verstanden und wie Schwarz , Violet,Roth, Blaugrün und Gelb, selbst Weiss unter Umständen und beibestimmter Abtönung dazu zu rechnen war. Drei Stoffe dienten denAlten hauptsächlich zu der Bereitung dieser Farben, 1 Seegewächseverschiedener Art und zwei Gattungen von Meermuscheln; die eine, buc-cinum, Gr. keryx, fand man an Klippen und Felsen; die andere, purpuraoder pelagia, wurde durch Köder in dem Meere gefangen. Sie fandensich beide in grosser Menge in dem ganzen Mittelmeere und selbst indem atlantischen Ocean, sowie in dem persischen Meerbusen. In derGüte der Farbe und in den Farben selbst waren sie nach den Fundortenverschieden. Die Muscheln des atlantischen Oceans gaben den schwärze-sten, die an den italischen und sicilischen Küsten einen violetten, diephönikischen und die der südlichen Meere einen hochrothen Purpur.
1 Plin. H. N. IX. 36. Sed unde conchyliis pretia? quis virus gravis in fuco,color austerus in glauco, et irascenti simiiis mari? — A. Schmidt nimmt an, Plinius habe hier auf den Gestank dieser Farben hingedeutet: mit welchem Rechte, bleibedem Leser zur Entscheidung überlassen.
Semper, Stil. I.
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