240
Viertes Hauptstück.
Abbildungen von Drachen, Vögeln, Pferden und anderen Kreaturen; dieDecke selbst zeigt nichts als Gold und Malerei etc. etc.
Ueber die Dekoration der Decken berichtet noch Chambers, dassdie Chinesen gleich den gothischen Baumeistern öfter ihr Zimmerwerkdes Daches innerlich unbekleidet lassen und dieses, sowie die Stützen,die es tragen, aus kostbaren Hölzern ausführen, indem sie dieselben mit-unter mit Ornamenten von eingelegtem Elfenbein, Bronze und Perlemutterverzieren. —
Die lehrreichen Mittheilungen dieses Architekten über die Anlagechinesischer Häuser und ihren allgemeinen Charakter werden uns nochin dem letzten Abschnitte dieses Buchs beschäftigen.
Würden wir phantasmagorisch nach Pompeji zurückversetzt, wie eswar vor 1800 Jahren, manches würde uns dort chinesisch Vorkommen.
§• 66 .
Die Ansicht derer, welche in Indien die Wiege der Menschheitund den frühesten Sitz aller Kultur erkennen, die alle Erfindungen vondort ausgehen lassen, streitet nur scheinbar gegen die Thatsache, dassdie Architektur dieses Landes den unverkennbaren Charakter eines äusserstzusammengesetzten Mischstiles trägt, der aus den heterogensten Bestand-theilen hervorgegangen ist. Als Mischstil offenbart sich indische Baukunstschon in den ältesten Nachrichten über sie, die im Ramajana und Mahab-harata enthalten sind, deren wirkliches Alter zwar, wie es scheint, ebenso unbestimmt ist, wie alles was sich auf die Archäologie dieses geheimniss-vollen Bodens bezieht, die man aber doch unbedenklich 1 den ältestenUrkunden der menschlichen Gesellschaft zurechnen darf. Schon damalswar die indische Kunst durch alle stofflichen Metamorphosen hindurch-gegangen und die deutlichsten Erinnerungen an diese Durchgänge hattensich ihr aufgeprägt, denn weibliche Empfänglichkeit für Aneignung neuerMotive mochte schon damals wie heute hervorragender Charakterzug beiihr sein. Seitdem Hessen vielleicht vier oder fünf Jahrtausende ihre Ein-drücke auf demselben weichen Bildstoffe zurück und so entwickelte sichder Stil, der uns an den Hindumonumenten gegenwärtig vor Augen tritt,
1 Die Sc h 1 u s sredaktion des Mahabharata wird freilich von Weber erst einigeJahrhunderte nach Chr. gesetzt.