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Viertes Hauptstück.
zu sich selbst und dem in ihm enthaltenen, durch ihn formell individuali-sirten Gedanken steht. Sein Massstab ist nicht der Fuss, sondern derModulus oder sonst irgend eine ihm selbst angehörige Einheit. Es bedarfalso zwischen dem Monumente antiker Art und dem Menschen, der seinenFuss hier nicht unmittelbar anzulegen vermag, einer dritten massgebendenbekannten Einheit, um das Harmonische, Absolute, das an sich wedergross noch klein ist, als relativ gross oder klein zu kennzeichnen . 1
Aus diesen Gründen erklärt es sich, dass die Kirchenfeste und derdabei übliche Apparatus in gothischen Kirchen stets künstlerisch unge-nügend, oft entschieden störend, nicht selten sogar lächerlich wirken. Ichhabe deren im Mailänder Dome, in Notredame de Paris , auch in derFrauenkirche zu München beigewohnt und von allen nur ein zerfetztesund wüstes Bild in der Erinnerung behalten, tuchbeschlagene Bündel-pfeiler, herabhängende lange Draperieen zwischen den letzteren, als wäredas Gotteshaus ein Blaufärbertrockenboden, Balkons, Baldachine, Scher-wände im Spitzbogenstil und dergleichen Absurditäten. Nach den Ab-bildungen zu schliessen, mussten die Sacres in der Kathedrale zu Rheimsin dieser Beziehung alle Grenzen des Geschmacklosen überschreiten. —Das beste Auskunftsmittel bleibt meines Erachtens, wenn man in dieLage kommt, ähnliche Einrichtungen zu treffen, deren häufiges Misslingenvon der Schwierigkeit der Aufgabe den Beweis gibt, sich gar nicht spitz-bögig zu geriren, sondern den antiken Gebrauch des Bekleidens derMonumente auch auf antike und zugleich naturgemässe Weise durchzu-führen; das Temporäre, dem Zeitmoment Angehörige, nicht dem Stiledes Monuments, sondern dem Stile der Zeit gemäss einzurichten, wobeiallerdings das spezifisch Heterogene möglichst wegzulassen, das allgemeinPrinzipielle allein beizubehalten ist. Mich dünkt, die alten Bilder ausder gothischen Zeit, Miniatüren sowie Oelbilder und Fresken, die garhäufig Darstellungen drapirter Räume enthalten, müssen beweisen, dassdamals gerade auf die von mir vorgeschlagene Weise verfahren wurde,wo es sich um derartige Festapparate handelte. Bei Wohnräumen undüberhaupt in dem Civilbaue verliert der gothische Stil seine Sprödigkeit,ja er existirt eigentlich gar nicht prinzipiell, sondern nur in dekorativemSinne in allem Ausserkirchlichen; daher schliesst sich die Draperie an diedem Prinzipe nach noch vollständig romanischen Wände und Glieder desgothischen Wohnhauses bei weitem besser und leichter an, als diess bei