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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

gebranntem und grün glasirtem Thone, die sich zu Tausenden und aberTausenden in, neben und auf den Ruinenbergen von Wurka vorfinden,und womit der Boden des ganzen Bezirkes bis auf zwanzig Fuss Tiefeausgefüllt ist. Man hat aus dem Umstand, dass sie auch oberhalb derRuinen in dem Schutte, der sie bedeckt, in Menge vorgefunden werden,wohl zu voreilig geschlossen, sie seien sämmtlich einer spätem Kultur-periode angehörig. Sicher waren die Orte, wo sie in solchen Massengefunden werden, seit ältester Zeit geheiligte Gräberstätten, deren Ansehennoch über die Zeit ihres Verfalles hinausreichte und denen fortwährendaus allen benachbarten und entfernten Gegenden ganze Karavanenladungenvon Särgen zugeführt wurden, wie die hohen Terrassen und Pyramidenschon darniederlagen, sei es in Folge natürlichen Verfalls, oder durchden Zerstörungseifer der Anhänger eines zeitweilig siegreichen andernCivilisationsprinzipes. So erklärt es sich, dass dieselben Särge in demobern Schutte der Monumente gefunden werden, welche das Innere derletztem und den sie umgebenden Boden ausfüllen. Die altchaldäischenNekropolen, wahrscheinlich die Gräberstätten der ältesten Könige, behieltenihre Weihe vielleicht bis zur Einführung des Islam, der übrigens an derSitte nichts änderte, sondern den Anhängern des neuen Glaubens nurneue Begräbnissorte anwies.

So wallfahrten heutzutage die persischen Pilgerkaravanen fortwäh-rend durch die babylonischen Steppen und die Wüste westwärts des Eu-phrat nach Meschid Hussein und Meschid Ali, um dort in heiliger Erdedie Bürde ihrer zahlreichen Kameele, die nur aus Särgen frommer Perserbesteht, niederzulegen.

Nächst kleinem Gegenständen aus gebranntem Thone, Metall, Glasund Perlmutter wurde unter den Gräbern und dem Schutte Wurka’snoch eine Anzahl von Statuetten und Votivtafeln aus Terrakotta mit auf-gepressten Basreliefs sehr eigenthümlichen Stiles aufgefunden. Sie gehören,scheint es, weder dem neubabylonischen noch dem assyrischen und ebenso wenig dem persischen Skulpturstile an und stehen dem ägyptischenfast eben so nahe. Man möchte den naiven Charakter, der ihnen inne-wohnt, für ursprünglich halten, als läge er jenseits der Entwicklung selbstder ältesten der genannten Stile, wo nicht in chronologischem, doch sicherin kulturhistorischem Sinne. Es konnte das Primitive hier durch Jahr-tausende hindurch fortvegetiren und alles Abgeleitete überleben . 1

1 Die Stillosigkeit dieser Darstellungen auf Thontafeln, Seemuscheln und Gylin-dern aus Südbabylonien, d. h. der Mangel eines Einflusses der Baukunst auf die Skulptur