405
Gebiet der Darstellung hinüberschweifen, was sie nur auf Mauerflächenund den Säulenpansen des xnittelpharaonischen Stiles überschreiten. Weitnäher liegt die Vergleichung des besprochenen mit Caelaturen geschmücktendorischen Architraves mit den Gebälken an den Königsgräbern zu Per-sepolis und Naktschi-Rustan, um welche gleichfalls Skulpturen herum-laufen, die sogar in den Motiven der Darstellung zum Theil mit dem-jenigen übereinstimmen, was der Architrav von Assos enthält, nämlichThierkämpfe und überhaupt Thiersymbole. In gleicher Weise warenauch wahrscheinlich die architravirten 1 Gebälke der assyrischen Monu-mente geschmückt, eine Vermuthung, die sich gleichmässig auf die Nach-richten der Alten und auf dasjenige stützt, was namentlich an Restenvon Stuckmalereien und an den gestickten Gewändern der Relieffigurenvon derartigen balkenähnlichen Abschlüssen und Bekrönungsrändern wahr-genommen wird.
Es drängen sich ferner in die Reihe der hier zu betrachtendenGegenstände zunächst das berühmte hochalterthümliche sogenannte Har-pyengrab, welches auf der Akropolis von Xanthos neben dem Theaterstand. Der friesartige Aufsatz, der hier freilich zugleich als Sarkophagdient, trägt unmittelbar die hängende Platte des Simses. Sodann dasnicht minder merkwürdige sogenannte Harpagusmonument, das reichlichstmit Friesen ausgestattet war, während sich Spuren eines Architravesmeines Wissens nicht vorgefunden haben, so dass hier wieder der Friesund der Architrav sowohl äusserlich, wie innerlich um die Cella herumEins gewesen sein mochten; letztens eine Reihe von friesähnlichen, jedochzum Theil mit einem Epikranon (mit einem fortlaufenden Stirnband)versehenen Reliefplatten, die Sir C. Fellows aus den Mauern von Xanthos gebrochen und mit allen vorhergenannten Gegenständen nach London gebracht hat. Auch diese halte ich wenigstens tlieilweise für Epistylienund erkenne besonders an den darauf enthaltenen Bildwerken einerseitsdie grösste Aehnlichkeit mit den bereits hinreichend und des öfterenbesprochenen Thierfriesen der Innerasiaten, andererseits mit den Reliefsvon Assos, nur dass letztere in schwarzer Lava bedeutend roher und im
1 Diess ist der technisch-architektonische Ausdruck für Gebälke, denen derFries fehlt und deren Sims unmittelbar vom Architrav (Epistyl) getragen oder aufge-nommen wird. Beispiele: Das Gebälk der Jungfrauenhalle des Tempels der AthenePolias zu Athen ; die Mehrzahl der älteren kleinasiatischen Gräberfaqaden im ionischenSäulenstile; alle ägyptischen Monumente, dessgleichen die persischen u. s, w, DasGebälk mit Fries entsteht eigentlich erst mit der, für die ionische Säule wenigstens,nicht ursprünglichen peripteren Anwendung der Ordnung. (Siehe Band II.)