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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Alt-Hellenisches.

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§. 79 .

Alt-Hellenisches.

Obschon die angedeutete neue Kunstweise nicht als eine Weiter-bildung bereits früher bestandener Zustände betrachtet werden darf, son-dern vielmehr als das Resultat eines neuen Geistes, der sich aus vor-liegendem früheren Materiale seinen ihm eigenen formalen Ausdruckschuf, so konnte dieses Werk doch nicht anders als durch IJebergangs-stufen und mit der Zeit sich vollenden; auch behielten manche Reminis-cenzen aus vorhellenischer Zeit noch in späterer und selbst in der vollstenEntwicklung des neuen Stiles ihre nicht bloss symbolische, sondern selbstreale Geltung, wo nämlich immer sie mit der neuen Idee verträglichwaren und deren Ausdruck nicht störten. So erhält sich zum Beispieldurch alle Stilperioden das alte Bauprinzip, welches auf der Bekleidungund Täfelung der Strukturen beruhte, in den Friesen, in den Relieftafelnder Metopen, in der Konstruktion des Tympanon des Giebels, das ausPlatten besteht, besonders aber in der fast treu-assyrischen Umtäfelungder unteren, inneren und äusseren Wände der Cella. Diese in das isodomeGemäuer eingefügten Tafeln entsprechen eigentlich nicht dem allgemeinenPrinzipe der Konstruktion, das sich im Isodom als echt hellenisch aus-spricht. Aber sie füllen nur Räume, welche Ruhepunkte der Konstruktionbilden, sind der Struktur, der Idee nach, durchaus fremd, und dürfendaher hier als Repräsentanten der alten Traditionen ihren Platz behaupten,ohne zu stören. Noch andere derartige Reminiscenzen und Ueberlieferungs-formen erhielten sich, die wohl an gelegentlicherer Stelle zu besprechensind, da es hier nur darauf ankam, durch ein Paar Beispiele das Voran-geschickte zu erläutern.

Die eigentlichen Vermittler zwischen Altem und Neuem sind diebeiden uralt traditionellen Bekleidungsstoffe, der Mörtel und die Terra-kotta. Beide kamen an den archaischen Tempeln in Verbindung mitIIolz- und Ziegelkonstruktion in Anwendung, und zwar der Mörtel öftersals Bekleidung des Gemauerten, die Terrakotta zumeist als Bekleidungdes Holzwerkes. Sowohl das äussere hölzerne Gebälk wie das innereDeckenwerk war mit reich ornamentirten Terrakottatafeln vollständigüberdeckt. Wir können diess aus der Beschreibung entnehmen, die Vitruv von dem toskanischen Tempel gibt, der in Beziehung auf Ausführunggewiss nicht sehr von den alten griechischen Werken verschieden war.

Semper, Stil. I. 27