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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Mauer, die er durchsetzt. In dieser Verbindung hat er, wo immer erarchitektonisch, nicht als blosse Konstruktion und technisches Mittel,auftritt, nichts zu schaffen mit dem Dachwerke oder dem Etagengehälke,sondern ist nichts als Durchbrechung eines Raumesabschlusses, einerWand, die, wie wir wissen, in allen alten Baustilen der Idee nach unab-hängig von der Bedachung blieb, die nichts zu tragen sondern nur zuumschliessen hat, die nur in diesem Sinne architektonisch wirkt, derenganze ornamentale Symbolik auch nur auf diese Bestimmung anspielt.

Ferner hatte nach denselben alten gemeinsamen Bauüberlieferungeneben so wohl bei den Italern wie bei den Griechen von jeher dasstützende Element, die Säule mit ihrem Epistyl, die Funktion des Dach-aufnehmens zu vollfüllen; war ihnen zufolge ein mit einem Dache ver-sehenes oder Stockwerke bildendes Haus mit Bogen Öffnungen, dem jenetragenden und stützenden Glieder fehlen, ein architektonisches Unding.

Hieraus folgt, dass die Verbindung der beiden Bestandtheile desArkadenbaues eben so alt sein muss wie die Einführung des Bogens indie italische Architektur, nämlich in den eigentlichen monumentalenHausbau. Das Gegentheil annehmen und in dieser Kombination einespäte, willkürliche, rein dekorative Erfindung sehen, heisst den Geist deralten indogermanischen Bauprinzipien verkennen. Auch für den, derdiese alten Baugrundsätze oder Herkommen nicht kennt oder unberück-sichtigt lässt, aber architektonischen Sinn hat und nur diesem folgt, machteine Bogenfayade ohne Säulen oder Pilaster, wie z. B. der Palast Pitti,immer nur den Eindruck einer durchbrochenen Mauer, einer Art vonBrücke, wie der Pont du Gard , hinter der meinetwegen ein Riese sicheinnistete.

Diese Kombination ist nicht nur traditionell, sie ist zugleich durch-aus rationell und gleichsam naturnothwendig. Es ist für unsere Aesthetikund unsere Kunstgeschichte, die besonders für römische Kunst der Re-vision bedarf , 1 bezeichnend genug, dass sie in dieser italischen Verbindung

1 In allen neuen deutschen Handbüchern der Kunstgeschichte und der Geschichteder Baukunst schliesst sich die cloaca rnaxima unmittelbar an die Baukunst unterAugustus, als wenn nichts dazwischen läge! Das republikanische Rom , dessen edleBauüberreste, wenn auch noch so selten, dennoch genügen, um aus ihnen einen Stilzu erkennen, der seine eigene hohe Berechtigung hat, der von Griechenland weit unab-hängiger ist als angenommen wird, und in vielem, besonders in der Profileinlieit undEinzelndurchführung weit über dem Stile des Augustus steht, wird beinahe gänzlichunberücksichtigt gelassen. Von dem ältesten erhaltenen Beispiele einer Arkaden-architektur mit Halbsäulen, dem für die Entwicklungsgeschichte dieser architektonischen