Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
116
JPEG-Download
 

116

MADONNENBILDEB,.

Zu Füssen der Jungfrau aber auf dem Sockel stellt derSpruch:

„Ipsam est quam praeparavit domus filio divi mei.“

Die Composition des Bildes, die Haltung der Madonnastimmt vollständig mit der Madonna in der AntwerpenerGalerie überein, nur dass dcf Brunnen und die beidenEngel, welche die Draperie des Thronhimmels halten, fehlenund ein architektonischer Hintergrund die Scene abschliesst.Weder die Aehnlichkeiten noch die Contraste sprechenan sich gegen den Eycksclien Ursprung. Desto grössereBedenken erregt die technische Behandlung, die dünne undkalte Farbe, die grauen glanzlosen Schatten, der Mangelan Luftperspective, die dürftige Zeichnung der Madonnaund des Kindes, die hier nicht wie auf anderen Bilderndurch irgend welche Schönheit des Colorits ersetzt wird.Sollte dieses Werk in der That Jan van Eyck angehören,so müsste es wenigstens auf die unterste Stufe gestelltwerden. 1

Von zweifelhaftem Ursprünge erscheint uns ebenfallsBerlin Mad.dj e Madonna, welche aus der Suermondtschen Sammlunein die Berliner Galerie überging. Die Hauptgruppe gleichtjener auf den beiden eben erwähnten Bildern, nur dieStaffage wechselt. Inmitten eines Rosenhages neben einemSpringbrunnen steht die Madonna in weitem braunrothenMantel, das nackte Christkind auf dem Arm. Den Hinter-grund füllen mit grosser Sorgfalt, aber nicht ganz natur-getreu gemalte Cypressen, Orangen und Palmen. DieHässlichkeit des Madonnenkopfes und Kindesleibes, der

i London , Mr. Beresford Hope.Holz. 1' 10" h. — 11V 2 " br. Ausder Sammlung des Königs v. Holland für 600 Gulden angekauft. Waagen(Iriitzow, Zeitschrift f. h. K. 1S67.ft. 127) geht zwar gleichfalls vonder genauen Verwandtschaft der

Antwerpener und Hopeschen Madonnaaus, hat aber keinen Zweifel anihrer Aeclitheit. „Nur beweist dieminder gute Zeichnung des Kopfesder Maria, dass das Hopesche Bildnoch um etwas früher gemalt seinmöchte.“