Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
132
JPEG-Download
 

132

DER BURGUND ISCHE ORNAT.

That lassen mannigfache Züge der Auffassung und Dar-stellung, das Portraitmässige, die Vorliebe für die Wieder-gabe des äusseren Lebens, der Reichthum an landschaft-lichen Einzelnheiten auf die Mitwirkung der Eycks ebenSchule schliessen. Selbst die Theilnahme Jan van Eyck’s an den Vorzeichnungen für Tapeten und Stickereien, welcheder Herzog selbst bestellt hatte, ist nicht unwahrscheinlich.So mag man denn immerhin muthmassen, der Eigurenschmuckan den Messgewändern, welche bei der Stiftung des Ordensdes goldenen Vliesses vom Herzoge geschenkt worden, rührevon Jan van Eyck her. 1 Genaueres natürlich lässt sich nichtermitteln, der persönliche Antheil der einzelnen Künstleran Werken, welche durch die handwerksmässige Herstellung

1 Die Behauptung', dass der„burgundische Messornat“ in derkaiserlichen Schatzkammer in "Wien speciell für den Orden des goldenenVliesses und zwar gleich bei derStiftung desselben 1429 gearbeitetworden sei, entbehrt der strengenhistorischen Begründung. Richtigist nur, dass er bei den Ordensfestengebraucht wurde und das Geprägedes 15. Jahrh. an sich trägt. Allebei dem katholischen Cultus üblichenGewänder sind vorhanden, eine voll-ständige „capella“ hat sich erhalten,bestehend aus der casula, drei Chor-kappen, zwei Dalmatiken und zweiAltarverkleidungen. Die Technikist (nach Sacken) überall die gleiche..Es sind der Quere nach Goldfädengezogen, welche paarweise mitFlockseide überstickt sind. „Die Gold-fäden bilden den Grund, die farbigeSeide gibt die Zeichnung. * DieSchatten sind dichter überstickt, dieDichter nur sparsam, empfangendurch das Gold einen eigenthüm-thümlichen Glanz. Die Fleischtheilesind ausgespart und mit offenerSeide in Plattstich gestickt.“ AlleGewänder sind mit Figuren bedeckt;man zählt im Ganzen 278 Figuren.Auf der casula, dem Messkleide, istdie Taufe Christi und die Verklärung,

und dann mehrere Reihen von an-betenden Engeln, concentrisch ge-ordnet gestickt, auf den Chorkappensind Maria, Christus, Joli. d. Täufer und darunter stets Reihen vonEngeln und Heiligen abgebildet; dieDalmatiken oder Bevitenkleider ent-halten die Hinimelssehaaren. inEinzelgestalten oder kleineren Grup-pen, die beiden Altarbekleiduugenendlich haben als Hauptbild dieDreieinigkeit und die Vermählungder li. Catharina. Dass die Zeich-nungen, nach welchen die Stickerarbeiteten, nicht von einer Handherrühren, erscheint ziemlich gewiss;imtlmnlich ist est dagegen, Zeich-nungen an bestimmte Meister zuvertheilen. Am wenigsten ist Grundvorhanden, die Cartons zur Casulaauf Jan van Eyck , jene zu denOhopkappen auf Roger van derWeyden , wie von Waagen (Kunst-denkm, in Wien II. S. 408) ge-schieht, zurückzuführen. Diese An-sicht ist unter dem Einflüsse desVorurtheiles, dass Roger ein SchülerJan’s sei, entstanden. Der burgun-disclie Omatist vom OesterreiohischenMuseum in 12 Bl. Photographienherausgegeben worden. (Vgl. Sackenin Mittheiluugen der Centralcom-mission in Wien . 1858. p. 113.)