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GEDAED VAN DER MEIDE.
Dieselbe näher zu schildern, ist kaum möglich, da von denihm von Alters her zugeschriebenen Bildern, einer Madonnain St. Bavon zu Gent , einer Lucretia, einem Nonnenbildnissjede Spur sich verwischt zeigt. 1 Doch deuten die ihm über-tragenen Ehrenämter in der Lucasgilde von Gent seineWahl zum Unterdechant 1474 auf eine rege Thätigkeitund eine angesehene Stellung. 2 Nehmen wir ein grossesAltargemälde in St. Bavon , wie gewöhnlich geschieht, zumAusgangspunkt der Schilderung, so empfangen wir keines-wegs den Eindruck der van Eyck’schen Lehre,stmsavon Das Mittelbild des Altarschreines stellt die Kreuzi-Kre " zl8ur ' 8 gung, die Flügel Moses , der das Wasser aus dem Felsenschlägt und die Errichtung der ehernen Schlange dar. Mandarf wohl sagen, dass in diesem Werke nichts vom Tadelfrei bleibt, nicht der Ausdruck und die Empfindung, nichtdie Farbe und der Luftton, dass alles auf eine ganz mittel-mässige Kraft als den Urheber hinweist. Die hellen Fleisch-tinten ohne Transparenz, von aschgrauen Tönen leicht um-flossen geben einen sehr mangelhaften Eindruck der Run-dung oder des Reliefs. Die Gewänder, nach der Mode desfünfzehnten Jahrhunderts geschnitten, sind eckig gebrochenund mit peinlicher Sorgfalt auch für das Kleinste ausgeführt.Lang und hager, steif und starkknochig erscheinen die Figuren.Dürfen wir annehmen, dass dieses Altarbild von „Ger. vander Meeren“ gemalt sei, wie die Inschrift aussagt, oder istdie Signatur eine Fälschung, oder hat endlich eine neuereRestauration den ursprünglichen Charakter des Werkes ver-dorben ? Für eine der beiden letzteren Alternativen müssenwir uns entscheiden, wenn wir Gerard van der Meire nichtfür einen blossen Anstreicher halten sollen. 3
1 Die Lucretia gibt van Manderan; das Marienbild und das Nonnen-portrait werden in der Delbecq’sclienHandschrift angeführt.
2 Bit$scher,Recherchesu.s.'W. p>.200.
3 St. Bavon früher St. Johann.