157
Zwei Tafeln der Berliner Galerie werden unseremMeister zugeschrieben, tlieils weil sein Name durch Ueber-lieferung an denselben haftet, tlieils weil sie eine allgemeineAehnlichkeit mit dem Genter Altarbilde besitzen. Auf dereinen Tafel ist die Heimsuchung inmitten einer mit Häusern, nSmsüch-Bäumen und Hügeln gefüllten Landschaft und mit dem Donator U 8in Abtstracht geschildert. Die Proportionen der Figurensind etwas zu kurz gerathen, was vielleicht der Zustandder beiden Hauptpersonen verschuldet hat, die Gesichterdagegen erscheinen zu sehr in die Länge gezogen. DasHaar der Madonna, mitten auf der Stirn getheilt, fällt inLocken auf den blauen Mantel herab. Weitere Merkmalederselben sind eine lange Nase, ein dünner Hals, ein kleinerMund. Erscheint die Zeichnung weniger gefällig, so wirktdagegen der sanfte Ausdruck gewinnend. Die Hände sindfein und im Einzelnen sorgfältig wiedergegeben, dagegendie Falten der Gewänder allerdings etwas scharfbrüchig.
Ein blasses rosiges Licht herrscht vor, nur wenig durchleichte Schatten gehoben. Auch den Vordergrund mitBlumen, die entfernten Häuser, die ganze Landschaft über-zieht ein allgemeiner Farbenton, der aber keinen Ersatzbietet für den hier fehlenden Beiz der Luftperspective inden Eyckschen Bildern. Die Fleischtöne sind mit grosserSorgfalt in einander verschmolzen, die Gewänder mit einemstarken Farbenkürper gemalt. Goldene Strahlen vertretenan beiden heiligen Frauen den Nimbus . 1
Die Anbetung der Könige ist auf der anderen Tafel ge- A SäJ, B
der Könige.
eine neuere, bei der Restauration imJ. 1824 darauf gesetzte Inschrift be-sagt, für die Arbeit des Gerhard vander Meir, eines Schülers des Hubertsv. Eyck hält.“ Darnach wäre alsodie Signatur modernen Ursprunges,wahrscheinlich unter dem Einflussder aus Delbecq’s Manuscript ge-