ROGER’S STIL.
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zelnen opfert er die meisten künstlerischen Eigenschaften.Wohl gibt er ein und das andere Mal einem ausnahms-weise edlen und gutmüthigen Kopfe Leben und Ausdruck, zu-fällig erfasst er eine anmuthige Bewegung, eine gefälligeStellung. Gewöhnlich begeht er den Fehler, dass er starre,herbe und grämliche Gestalten vorführt. Ob er wohl dieSüssigkeit des lächelnden Frauenmundes kannte? SeinenMadonnen verlieh er im besten Fälle feierlichen, mildenErnst. Ueberhaupt hat er sich eine Formensprache an-geeignet, welche, wenn sie auch deutlich sein mag, nichtimmer auf Schönheit den Anspruch erheben kann. GrosseAugen deuten das tiefe Nachdenken an, in der ausserordent-lichen Entwickelung des Kopfes, in Auswüchsen der Stirnerkennt man den Verstand und die übermenschliche Kraft;aus verzerrten Gesichtszügen liest man den Schmerz, ausdem abgemagerten Körper das lange Leiden heraus. Diestattlich runde Figur verkörpert den behaglichen Genussder guten Dinge hier auf Erden.
Ab und zu gelingt es Roger einen Faltenwurf zu zeichnenfrei von allzu scharfen Ecken und Brüchen, gemeinhin ver-fällt er aber auch in den weit verbreiteten Fehler derflandrischen Maler und lässt Massen eckig gebrochener Faltenauf dem Boden sich ausbreiten, was nicht wenig zur Steigerungdes steifen Wesens seiner Figuren beiträgt. Er entwirftdas Nackte mit sorgfältigem Fleisse, aber nicht immerrichtig, so dass es sich wohl treffen kann, dass an ein undderselben Gestalt einzelne Theile correct, andere falsch ge-zeichnet erscheinen, oder ein gut gegebener Torso durchplumpe Hände und Füsse verdorben wird. Die Kenntnissder Anatomie, das Verständniss der Formen kann manRoger nicht absprechen, wohl aber die Fähigkeit dieselbenzu idealisiren. AVer die holden Kinder, wahre Engel, deritalienischen Maler in der Erinnerung festhält,' kann diehässlichen, steifen Puppen ihrer flandrischen Zeitgenossenkaum ertragen.
Crowo, Niederländ. Maleroi.
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