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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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TRIPTYCHON YON MIRAFLORES

bürgerlichen Leben verwirklicht wünschte, in Bildern einensymbolischen Ausdruck zu geben. So erklärt man ambesten die Entstehung der Brüsseler Rathhausbilder.

Dass van der Weyden, wie er vor seiner Uebersiedlungnach Brüssel ohne Zweifel Altars ehr eine und Tafeln malte,auch später ähnliche Bestellungen nicht zurückwies, kannwohl als selbstverständlich gelten. Schwieriger erscheint es,dieselben zu ordnen, da der Meister kein einziges seinerWerke signirte.

Das erste Werk, dessen Alter sich beiläufig bestimmenlässt, sind die drei Tafeln im Berliner Museum, 1 welchezusammen ein Triptychon bilden und die Geburt Christi,die Klage um den Leichnam Christi und Christi Erscheinungnach der Auferstehung schildern. Sie wurde von KönigJuan II. 1445 der Carthause von Miraflores geschenkt undin den Klosterannalen als von dem grossen und berühmtenflandrischen Meister „Rogei“ gemalt angeführt.

Die Mitteltafel enthüllt vor unseren Augen eine jenertrüben Scenen, zu welchen den Meister natürliche Neigunggeführt haben mag. „Ung Dieu de pitie“ nannten RogersZeitgenossen eine solche melancholische Schilderung destodten Christus. Sein abgemagerter erstarrter Leichnamliegt in voller Länge in den Armen der Mutter, die sich,in Thränen gebadet, vom Schmerz übermannt über ihn

1 Berliner Museum Nr. 534 a . Aul'Holz. Jede Tafel 2' 3 V 2 " h. — 1' 2 1 / 2 "br. Auf welche Autorität sich dieBehauptung stützt, Papst Martin Y.(f 1431) habe den Altar dem K.Juan II. geschenkt, ist unbekannt.Bei Pom, Viage d’Kspana. 8< >. Ma-drid 1783. vol. XII. p. 58 liest manfolgendes aus den Klosterbüchernder Carthause Miraflores (bei Burgos )geschöpftesCitat: „AnnoMCCCCXLVdonavit prsedietus rex (D. Juan II.)pretiosissimum et devotum Oratoriumtres historias habens: nativitatemscilicet Jesu Christi , descensionemipsius de cruce quse alias quinta

angustia nuncupatur et apparitionemejusdem ad matrem post resurrectio-nem. Hoc Oratorium a magistroRogei magno et famoso flandrescofuit depictum. [Ile libro del Becerrodel monasterio].“ Das Triptychonhat General d’Armagnac aus demKirchenschatze von Miraflores ge-holt. Nach Berlin kam es aus derSammlung K. Wilhelm II. vonHolland für 6000 Gulden. Es istleider durch Restauration verdorben.Alle drei Tafeln sind von der Berliner Photogr. Gesellschaft photographirtworden.