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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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LEBEN IN BRÜSSEL ODER BRÜGGE ?

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Zeit ihren ständigen Aufenthalt in Brüssel genommen habenmuss. 1 So sicher dieses durch alle historischen Nachrichtenbeglaubigt erscheint, so mühsam erwehrt man sich der Yer-muthung, dass Roger van der Wey den in der Zeit zwischen1440 und 1450 auch in Brügge sich aufgehalten habe.Cyriacus nennt ihn Roger von Brügge. Der „Rogier vanBrugghe “, von dessen zahlreichen Leinwandbildern in Kirchenund Privathäusern van Mander und Vaemewyck erzählen,kann doch nur unser Meister sein. 2 Dürer erwähnt inseinen niederländischen Reisebriefen „Rüdigers gemaltCapellen“ 3 in Brügge und in St. Jacob daselbst „köstlicheGemälde von Rüdiger“, die Agenten des Herzogs von Ferraraendlich, welche ihm die Zahlung für gelieferte Bilder leisten,nennen ihn „Mo. Ruziero depintore in Bruza“. 4 Das allesspricht für ein längeres Leben in Brügge .

Es lässt sich aber auch anders deuten. Die Leinwand-bilder und die „Capelle“, unter welcher nur ein Oratorium,ein Altar zu verstehen ist, konnten als tragbar von Brüssel nach Brügge gesendet sein. Da Brügge bekannter war als

1 Zwanzig Jahre vor seinem Todebesass Roger das Haus und dieLiegenschaft an der Ecke der Mon-tagne de la Cour. Das letztereEigenthum war zu Gunsten derArmen von S. Gudule mit einer

Summe von 48 Livr. belastet, wovon„Meester Rogier, scildere“ in denJahren 1444—1465 die Hälfte ab-zahlte. In dem Reclinungsbuche,welchem diese Details entlehnt sind,wird Roger bald „aldair“ bezeichnet,d. h. anwesend, bald fehlt das Wort

hinter dem Namen, d. li. der Malerist von Brüssel abwesend. ImJahre 1443 zahlt den Zins die Frau

des Wilhelm von Heersele, nachdem Tode Roger’s 1466—1491 unddann wieder 1494—1498 werden dieZahlungen von den Sühnen derFrau dieses Wilhelm von Heerselegeleistet; 1492 —1493 wird ein Petervan der Weyden, 1499—1539 ein

Meister Peter van der Weyden ge-nannt. Der Erstere ist offenbar einSohn Roger’s und kann als Ver-heiratlieterbisl484urkundlich zurück-verfolgt werden. Der zweite scheintein Enkel Roger’s, Sohn des älterenPeter zu sein. Dass Peter II. einMaler war, beweist seine Anführungin dem Rechnungsbuche als Besitzerdes Roger’schen Hauses und „por-trateur“, so wie die Erwähnung imAnniversar von S. Gudule: „MagisterPetras van der Weyden pictor.“Von seiner Wirksamkeit hat sichkeine Spur erhalten. Vgl. Wauters,Revue universelle vol. II.

2 Van Mander p. 203. Vaernetvyck ,hüt. v. Belg. p. 133.

3 Campe , Dürer’s Reliquien p. 121;Thausing , Dürer’s Briefe v. s. w.S. 115.

4 Mittheilungen des MarcheseCampori.