Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
255
JPEG-Download
 

AUFENTHALT IN BOM.

255

Zeit Roger den Rückweg nacli Belgien antrat. Seine Werkewanderten bis an das äusserste Ende der Halbinsel. Alplionsvon Arragonien besass von ihm ein Marienbild — die Be-gegnung Christi mit seiner Mutter auf dem Wege nachGolgatha; in Genua befand sich das einzige „Genrebild“,das er unseres Wissens gemalt hat: Frauen im Bade. Erselbst kehrte heim unberührt und unbewegt von all denHerrlichkeiten, die er erblickt, und hielt fest an seinerEigenthümliclikeit, die seine Werke so leicht erkennbar macht.

Auch nach seiner Rückkehr aus Italien fehlte es Rogeran Gönnern nicht, -welche grössere Werke bei ihm be-stellten. Obenan stehen unter diesen der Schatzmeister desOrdens des goldenen Yliesses Pierre Bladelin und der Abtvon St. Aubert in Cambrai Jean Robert. Beide waren,jeder in seiner Art, mit dem burgundischen Hofe verknüpft.Von Bladelin erzählt man, dass er durch Beharrlichkeit undehrliche Tüchtigkeit vom einfachen Bürger eines kleinenStädtchens, Furnes, zum angesehenen Beamten im herzog-lichen Haushalte emporstieg. Seine Heirath mit einer reichenErbin aus Brügge, Margaretha van de Vageviere, bahnte ihmden Weg am Hofe. Bald verliess er seine untergeordneteStellung und wurde Schatzmeister und Finanzdirector desHerzogs. 1 Wegen seines sparsamen Wesens bei den Hof-leuten wenig beliebt, bewahrte er einen fleckenlosen Rufseiner Rechtlichkeit und gewann dadurch dauernd dieGunst Philipps des Guten und dessen Nachfolgers Karl desKühnen. Sein jährliches Einkommen von 6000 Goldguldenwurden von Philipp zum Hanke für seine Dienste verdoppelt.Er gründete die kleine Stadt Middelburg in Flandern , woer später die durch Plünderung und Brand aus ihrer Heimathvertriebenen Kupferschmiede von Dinant ansiedelte. 2 DasSchloss und die Kirche, unter den Bauten am meisten lier -

1 Messager des Sciences et des - Chroniqtie de Chastelain beiarts de Belgique 1835. pp. 333 — 348. Buchon Coli, de Doc. vol, XLVII,

chapt. 164. p. 47,