Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
257
JPEG-Download
 

MIDDELBUBGEE ALTAB.

257

gründe links von der strohbedeckten Ruine, vor welcher dieHauptgruppe knieet, verkündigt ein Engel den Hirten aufder vom frühesten Morgenlicht beleuchteten Wiese die froheBotschaft, links haben wir einen Ausblick auf eine Strassemit bewehrten Thürmen und stattlichen Giebelhäusern.

Die Flügel schildern die heiligen drei Könige, deneninmitten dieser weiten Landschaft der Stern und im Sterndas Christkind erscheint, vor welchem sie anbetend nieder-sinken, und (rechter Flügel) die tiburtinische Sibylle, welchein einem Gemache dem Kaiser Augustus durch das Fensterdie thronende Madonna in den Lüften zeigt.

Es lässt sich kaum ein Werk des Jahrhundertsnennen, in welchem der Portraitcharakter so unumwundenund erfolgreich ausgesprochen ist. Bladelin tritt unsganz lebendig vor die Augen in seinem schwarzen,pelzverbrämten Lendner, schwarzen engen Unterkleidern,nicht minder lebendig und nach der Mode geziert er-scheint Augustus in der Tracht und mit den Zügen Philipp’sdes Guten. In den verschiedenen Theilen der Compositionherrscht ein wunderbares Missverhältnis. Die Köpfe springenvor und sind zu gross im Vergleich zu Rumpf und Gliedern.Die drei Engel, welche zur Seite der Madonna das Kindverehren, schrumpfen neben Bladelin zu Zwergkindern zu-sammen. Die Vollendung des Details, der zarte Auftrag,der Leuchtglanz der Farben bewahren aber ihren Reiz und diestille sanfte Heiterkeit, die über den Hauptpersonen aus-gegossen ist, wirkt überaus anziehend . 1

Das Altarbild in St. Aubert in Cambrai war persön-lich von dem Abte bei dem Künstler bestellt worden, unter

1 Berliner Museum Nr. 535. Mittel-tafel 2' lli/ 2 " li. — 2' 11" br.Flügel 2' 111 / 2 " b. — 1'3%. DasBild trägt noch immer die falscheBezeichnung: JOII. MEMLYNCKfec. Es wurde von dem BrüsselerKunsthändler Nieuwenhuys nachCrowe, Niederländ . Malerei.

Berlin verkauft. Wie Nieuwenhuyses erworben hatte, erzählt ausführlich,aber im widerlichsten FeuilletonstilMicliiels in der Gazette d. b. a. XXI.p. 220. In der Kirche von Middelburgexistirt eine Copie auf Leinwand1.02 h. — 1.85 br.

17