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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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ST. LUGAS IN MÜNCHEN .

München h. Lncas.

Plane vertreten die auferstandene Menschheit. Drei, dichtaneinander gereiht, werden vom Engel in das Paradies ein-geführt, drei andere auf der Gegenseite wandern wehklagendund händeringend, aber von keinem Teufel getrieben, sondernwillig in die Hölle, in der-Mitie erheben sich zwei Gestaltenaus den Gräbern, Staunen und Schrecken in ihren Geberdenausdrückend. Auf der Aussenseite der Flügel ist grau ingrau lebensgross Christus gemalt, und die Pharisäer mitdem Zinsgroschen, Gestalten von untergeordnetem Werthe.Waagen hebt an dem Triptychon die „Güte der Composi-tion, die Lebendigkeit der Motive, Wahrheit der Köpfe, einewarme und harmonische Färbung“ hervor. 1

Da van der Weyden seine Bilder niemals signirte oderdatirte, so leitet uns nur das Stilgefühl, wenn wir zwei inder Münchner Pinakothek bewahrte Werke: den h. Lucasund die Anbetung der Könige, in dieselben Jahre setzen,in welchen er den Middelburger Altar, unstreitig seine besteSchöpfung, gemalt hat.

Das Lucasbild ist 1814 von den Brüdern Boissereein Brüssel erworben worden, und stammt angeblich auseiner Capelle, in welcher die St. Lucasgilde alljährlich einerMesse beiwohnte. 2 Es wurde in hohen Ehren gehalten, oft

1 Madrider Museum. Nr. 901. AufHolz, (von den Verfassern nichtgesehen.) Höhe 1.96 — Breite allerdrei Tafeln 2.43, wovon auf dieMitteltafel 1.73 kommen. Der Abthat bei seiner Beschreibung also dasgeschlossene Triptychon vor Augen.Kinkel hat in seinem Programm aberdie Brüsseler Batlihausbilder 1867.S. XV. zuerst die Identität mit demAltäre von St. Aubert vermuthet,Waagen, der zuerst auf das Triptychonaufmerksam wurde, in Zahn’s Jahr-büchern f. Kunstwissenschaft I. S. 40die Sache weiter geführt und eineausführliche, leider wenig graphischeSchilderung des Werkes gegeben.Die Aussenbilder setzt Waagen ineine etwas spätere Zeit. Die beidenFlügel hat Laurent photographirt.

2 Mit dieser Tradition stimmt nichtdie einzige Fundnotiz, die sich er-halten hat. Bei Siilpiz Boisseree(Leben und Briefe) I. S. 229 heisstes von diesem Bilde: „Wir verdankendiesen neuen Schatz den guten Ein-leitungen, die Melchior im vorigenJahre in Brabant getroffen hat; erhatte nie von dem Bilde gehört, aberein Maler, dem er Aufträge gegeben,wusste davon; es war bei einer altenadelichen Dame, die es bei den vor-theilhaftesten Anerbietungen nie hatteverkaufen wollen; sie that uns denGefallen ins Himmelreich zu wandernund nun wurde das Bild mit ihremHausgeräthe versteigert. “

Wo sich die Zunftcapelle der Malerin Brüssel befunden habe, darüberhaben wir keine sicheren Nachrichten;