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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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DIE MEMLINGLEGENDE.

Agnes Casembrood und Clara van Hülsen von ihren Namens-lieiligen begleitet.

Als Schöpfer dieses wunderbaren Werkes wird HansMemling genannt, dessen Leben allmählich in eine Legendesich verwandelte und an das Johanneshospital in Brügge ausschliesslich angeknüpft wurde. 1 Nach einem fröhlichenWanderleben versuchte Memling sein Glück auch als Soldat.Er schloss sich dem Heere Herzog Karl des Kühnen an,focht bei Nancy 1477 und empfing hier eine schwere Wunde.Mühsam schleppte er sich bis in seine Heimatstadt zurück,besinnungslos sank er an der Pforte des Johanneshospitalsnieder. Er wurde hier aufgehoben, liebevoll gepflegt undglücklich geheilt. Aus Dankbarkeit für die von den Hospital-mönchen und Nonnen genossenen Wohlthaten malte Mem-ling nicht allein für die Kirche des Hospitals den kleinenFlügelaltar mit der Vermählung der h. Katharina, sondernschmückte auch mit köstlichen Gemälden den Schrein, inwelchem Reliquien der heiligen Ursula und ihrer Jungfrauenbewahrt werden, und stiftete überhaupt noch viele andereWerke, ohne jemals eine Bezahlung dafür anzunehmen. 2

t Es erscheint kaum mehr nöthig,7 ii erinnern, (lass Hans Memling längere Zeit unter dem NamenHemling ging und geradezu über-flüssig, die Richtigkeit der Schreib-weise Memling noch ausführlichzu beweisen, nachdem sie in denUrkunden als die allein und aus-schliesslich gebrauchte erscheint. Die(nicht gleichzeitige) Aufschrift aufdem Ealimen der Vermählung derli. Katharina: „OPVS IOHANISHEMLING. ANNOMCCCCDXXIX“gab Anlass zu dem lrrthume. Manlas (Descamps Vie des peintresVlamands, Paris 1753, fing damit an)den ersten Ruchstaben in seinemNamen nicht M sondern H. Dassfür den Laut m sowohl der Ruch-stabe M wie H in Inschriften desXV. Jahrli. eintrete, hat u. a. auchLödel (Kleine Beiträge zur Kunst-geschichte, Köln 1857) bewiesen.

Doch darauf kommt es nun nichtmehr an, nachdem die Urkunden denEntscheid gegeben haben.

Ist nun endgültig der Name Ilem-ling gefallen, so hat es aufgehörtGegenstand des Streites zu sein, obunser Meister den Hemlings vonConstanz , welche die Lassberg’seheChronik erwähnt (Kunstblatt 1831.Nr. 31), entstamme, oder den Hem-lings von Bremen , welche happen-berg in der Chronik des GerhardRynesbereli und Ilerbord Scliene(Lappenberg , die Geschichtsquellend. E. u. d. S. Bremen 1841) ent-entdeckt hat.

2 Die, Legende hat Descamps zu-erst 1753 in Umlauf gebracht. Sieist seitdem nicht nur wiederholt,sondern auch erweitert worden. Noch1850 las man sie in dem Katalogeder im Johannes-Hospital bewahrtenGemäldesammlung.