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LEBENSVEEHALTNISSE.
der alle niederländischen Künstler in lateinischen Versenpreist, hält nicht ein Wort für Memling bereit, dessen ehr-lichen Namen Hans Vasari in Ausse verwandelt , 1 wieDescamps den Memling in Hemling . 2 Wo Memling geborenwurde, ist Niemand im Stande anzugeben. Manche nehmenBrügge , als seine Geburtsstatt an, und führen van Manderals Gewährsmann an ; 3 andere halten sich an den TaufnamenHans, welcher einen deutschen Ursprung verrathe . 4
Eine Stimme endlich macht ihn zum Sohne einesLütticher Architekten, und lässt ihn im fünfzehnten Jahr-hundert in den Diensten des Herzogs von Savoyen stehen . 5Eine unanfechtbare Entscheidung zu treffen, ist nach demStande unserer Kenntniss nicht möglich. Eür die nieder-ländische Herkunft fällt jedenfalls stark in die Waagschaleseine Erziehung. Diese ist ausschliesslich niederländischerArt, wie ja auch die ganze Kunstweise, welcher er huldigt,den Niederlanden angehört.
Der schon öfter erwähnte anonyme Kunstfreund, welcherim sechszehnten Jahrhunderte oberitalienische Sammlungenbesuchte und beschrieb, sah in der Sammlung des Cardinal
1 Vasari I. 163, IV. 76. XIII.148.
2 Descamps, Voyage pittoresque.Paris 1753.
3 Auch Lemmre in seiner „Oou-ronne margueritique“ (S. Anhang)sagt: „II y survint de Bruges maistreHans.“
4 Die Hauptautorität für dendeutschen Ursprung Memling’s istfolgende Stelle in Vaernmcyck, derin seiner Historie van Belgie ch. 60,p. 133 sagt: „Item die Stadt Rruggheis vertiert in des Deutschen HansSchildereien.“ Dass unter demdeutschen Hans eben Memling ge-meint sei, ■wird von den Vertheidigerndes deutschen Ursprungs behauptet.Vgl. Johanna Schopenhauer , Reiseam Niederrhein I. 227. Auch Weale
im Beffroi II. 213 hält die deutscheHerkunft wahrscheinlich, jedenfalls
ist auf diese Art der in Eiandernungewöhnliche Namen Hans amleichtesten zu erklären.
6 Hr. Theodor Eivel, Architekt inChambery , hat mehrere Urkundengefunden, welche die Existenz einesMalers Johannes beweisen, einesSohnes des Jehan von Lüttich, welcherletztere 1383 von Bonne de Bour-bon zum Baumeister der Grafschaft(conte) Savoyen ernannt wurde.Dieser Johannes wird „pictor domini“in den Urkunden genannt und zeigtsieh 1429—1431 am Hofe der Grafenvon Savoyen thätig. Fivel (in privaterMitth.) hält diesen Johannes füridentisch mit Memling, wogegenaber die Chronologie spricht, ganzabgesehen davon, dass der savoyischeJohannes möglicher “Weise nur Fahnenund Wappen gemalt hat, wie so vieleseiner Collegen an den kleinen Höfen,