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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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FRÜHESTE BILDER.

lischen Privatbesitze. 1 Es soll nicht allein von Memliug’sIiand gemalt sein, sondern ihn selbst vorstellen und zwarverwundet und in der Tracht eines Spitalers. Ha dieJahreszahl 1462 dem Gemälde beigefügt ist, so besässenwir einen Schlüssel, den Eintritt Memling’s in das Johannes-hospital festzustellen. Das besonnene Urtheil findet aberin allen diesen Schlüssen nichts als Luft. Grundlos ist dieBehauptung, dass das Bildniss des jungen Mannes in braun-violettem Gewände und gleichfarbiger schirmloser Mütze dieZüge Memling’s trage oder in dem Costume der dargestelltenPersönlichkeit die Tracht eines Brügger Spittels vorliege.Auf die Legende von der Einkehr des verwundeten Malersin das Hospital stützt sich die ganze Deutung desBildes, mit der Legende steht sie aber, was freilich diemythenbildende Phantasie niemals gekümmert hat, zugleichin unlöslichem Widerspruche. Wie kann Memling bereits1462 verwundet sein und die Spitteltracht angezogen haben,da er doch erst nach der Schlacht bei Nancy 1477 nachBrügge flüchtete ?

Vor dem Jahre 1470 ist keine sichere Spur unseresKünstlers nachweisbar. Sie führt uns nach Italien , wo sichMemling’s Bilder einer besonderen Beliebtheit erfreuten.Besass doch der Cardinal Grimani in Venedig im Jahre

1 Es befand sich früher im BesitzeRoger’s und Ailer’s. Wo es sichgegenwärtig befindet, ist unbekannt.Vielleicht ist es dasselbe, welchesder Anonymus in der Casa ZuanneRam in Venedig erwähnt. Das dortbefindliche kleine Bildniss (das eng-lische Portrait misst 12" — 8") .aufRoger geschrieben, trug auch dieJahreszahl 1462 (Anon. Mor. p. 78).Passavant (Kunstreise S. 94) hataus den geschlitzten Aermeln dieVerwundnng herausgesehen. Sie sind,wie der ganze Anzug des Mannesdie einfache Tracht der Zeitgenossenund haben mit dem Hospital nichtsgemein. Aber natürlich, nachdemdie Phantasie einmal das Hospital

S. Johann mit Memling verknüpfthatte, witterte sie überall Spitalluft.So wird z. B. auf der Anbetung derKönige von Memling der eine Zu-schauer in längerem Barte, mit orange-gelber Mütze gleichfalls für einenSpitalbewohner ausgegeben. Passa-vant, der eine Abbildung des Lon-doner Portraits giebt, behauptet, dasses ganz in der Art Memling’s seiund seiner würdig, so dass er ander Hand nicht zweifelt. SpätereForscher haben gefunden, dass esweder von Mlemling noch von Rogerherrühren könne. Wir werden esunter den Werken des Dierick Bouts einordncn.