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MTCMLING’S STIL.
männliche Kraft zu verkörpern, als die weibliche zierlicheAnmufh wiederzugeben. Der sanfte Trübsinn und die stilleErgebenheit des Täufers und des Evangelisten erscheinenuns für Männer fast übertrieben und die Scheu, die knochigenKörper mit Fleisch zu umkleiden, führt unwillkürlich zurHärte und Steifheit der Bewegungen. So sorgfältig er sichauch bemühte männliche Gestalten richtig zu zeichnen, soblieben für ihn dennoch, was allerdings auch die grösste Auf-gabe des Künstlers ist, das feinere Muskelspiel, der Ansatz derGlieder, die Bewegung der Arme und Beine unüberwundeneSchwierigkeiten. Seine Köpfe überragen bei weitem seineTorsos.
Wenn wir seine Bilder aus einiger Entfernung be-trachten, überrascht uns die Abwesenheit breiter Massenvon Licht und Schatten. Dieselben sind farbenreicher, aberin der Lichtwirkung schwerlich viel concentrirter als diebesten Werke seines Meisters. Es scheint beinahe, als hätteer absichtlich vermieden, die Natur in vollstrahlendemSonnenlichte zu verkörpern. Mit Jan van Eyck verglichensind seine Schatten nicht so tief, seine Lichter nicht soscharf einfallend. Schmelz und Rundung erreicht er ohneContraste und Uebergänge zu Hilfe zu rufen, durch über-aus fieissiges Glätten der Farbe. Seine Kunst, auch diegeringste Einzelheit naturwahr vorzuführen, erregt immerneue Bewunderung. Die Runzeln und Falten des Fleisches,die einzelnen Haare auf dem Kopfe im Barte wiederzu-geben, erlahmt niemals seine Geduld. Welche Wirkunghätte er erreicht, wenn er mit dieser Naturtreue die Kunstdes Helldunkels, wodurch erst die Detailwahrheit verklärtwird, verbunden hätte. So, wie er malt, kann nur die ge-naueste Betrachtung ihm vollkommen gerecht werden.
Besser als auf allen anderen Bildern gelang ihm aufder Tafel der Vermählung der li. Katharina das Christkind.Der Typus, von welchem er gewöhnlich ausgeht, ist an sichschon zarter und anziehender als jener, welchen Roger van