Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
345
JPEG-Download
 

MADONNA IN EOUEN.

345

äussere Geschichte dieses Bildes beweist mit aller nurwünschenswerthen Deutlichkeit die Urheberschaft GerardDavid’s .

Nach Bouen kam das Bild aus der Louvresammlung,welche sich 1803 aller überschüssigen und scheinbar wenigerbedeutenden Werke dadurch entledigte, dass sie dieselbenan die Provinzialmuseen vertheilte. Die Louvresammlunghatte das Bild unter Memling’s Namen von einem zurück-gekehrten Emigranten, Miliotti, dieser von einem gewissenBerthels erworben, welcher es 1785 auf einer Versteigerungvon Kunstschätzen aufgehobener Klöster für 50 Gulden ge-kauft hatte. Der Auctionskatalog hat sich erhalten und indiesem die genaue Beschreibung des Roueuer Bildes. 1 Esgehörte bis dahin den beschuhten Oarmeliteriunen in Brügge .Dort entdecken wir das Bild wieder in einem 1537 ver-fassten Inventare. Die Angaben über seinen Inhalt stimmenso vollständig mit der Darstellung auf der Tafel in Rouen überein, dass über die Identität nicht der geringste Zweifelherrschen kann. Das Inventar belehrt uns aber auch inuntrüglicher Weise über den Maler des Werkes. Es nenntals den Meister desselben „Gerard David “, welcher es 1509zur Zeit, als Bruder Isenbart de Bri Beichtvater, dieSchwester Elisabeth van der Ranneele Priorin des Kl osterswaren, gemalt hatte. Eine Wohlthäterin der Genossen-schaft, unter dem Namen Pacquette am Hofe bekannt, be-zahlte die Holztafel, auf welcher Gerard das Bild entwarf'. 2 * * * * * 8

1 Die Stelle lautet: „Nr. 3,991.

J. Hemling. La vierge et l’enfant

Jesus entoures d’ang'es et de Saintes,

tableau avec volets, dont l’un re-

presente l’aecouehement de la Vierge

et l’autre sa mort. Le tableau dumilieu est d’un tini precieux: les-totes sont de la plus grande deli-

catesse et dessinees avec la plusgrande verite. Bois. Hauteur 3 piids

8 pouces; largeur 6 pieds 7 pouces.

Provient des Carmelites cliaussees deBruges.“ Vgl. Beffroi I. p. 234 und289.

2 Beffroi II. p. 289. Aus dem invlämisc.her Sprache verfassten Inven-tare wird auch die nachträglicheAnfügung von Flügeln ersichtlich;dieselben wurden erst 1536 gemalt,haben also mit Gerard David nichtsgemein.