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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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351
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WERKE IN BRÜSSEL, MADRID . 351

die Hand zum Kusse reicht. Hinter der Madonna voreinem Bogen hat sich Josephus niedergelassen, Garben sindin seiner Nähe aufgestapelt, Ochs und Esel angebunden.Die rechte Bildseite nimmt das Gefolge der drei Könige,Beiter und Fussgänger ein; die übliche Staffage belebtden landschaftlichen Hintergrund. Dass dieser dem Ber-liner Kreuzbilde entlehnt sei, sieht man eben so deutlich,wie dass die Gruppe der Maria und des einen knieendenKönigs aus der Münchner Epiphanie wiederholt wurde. Soerscheint die Brüsseler Tafel gleichsam aus Fragmentenanderer, jetzt weit zerstreuter Werke zusammengesetzt; esübertrifft sie aber alle in technischer Beziehung, und musswohl als die Originalarbeit angesehen werden. Die Figurensind zwar etwas steif und gerade, aber nicht unnatürlich,die Farbe, im kräftigen Impasto bald in das Graue, baldin das Bötliliclie spielend, fordert jene Memling’s und vanEyck’s zur Vergleichung heraus; die Falten der Gewänderzeigen nicht allzu scharfe Brüche . 1

Das Madrider Museum bewahrt ausser der GeburtChristi noch ein Madonnenbild, welches nach mannigfachemNamenswechsel in der letzten Zeit mit entschieden grösseremBechte auf Gerard David’s Weise zurückgeführt wird.

Aus einem gothischen Bahmen blickt die Madonna(Halbfigur) heraus, mit dem in ein weisses Tuch halb ge-hüllten Christkind auf dem Arme. Dasselbe spielt mit einemBosenkranze, welcher ihm um den Hals hängt. Die Hal-tung des Kindes ist steifer als auf dem Aussenfliigel derTaufe Christi in Brügge , aber der Kopf und Körper inähnlichen Verhältnissen gezeichnet. Es blickt gerade aus,während die Madonna in tief dunklem Gewände, im Aus-druck lieblich schüchtern, die Augen senkt. Auf derBrüstung des Bahmens sehen wir eine Blumenvase und einaufgesclilagenes Buch, den hellen Hintergrund schmückt

MadridMuseumdel PradoMadonna.

1 Brüssel , Museum Nr. 634. Holz. 0.84 li, — 0.68 br.