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Erster Halbband.
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320
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320 — Einige Vorkenntnisse ans der Physik. — 133

Worten „sie wirkt so trefflich, dass sie es einem Greise möglich macht, diefeinsten Buchstaben ohne Brille zu lesen“ Reklame, — so erwähnte um 1305Jordan di Rivalto in einer zu Pisa gehaltenen Predigt die „kaum 20 Jahrealte“ Erfindung der Brillen, — etc. — e. Eine von 1317 datierende Grabschriftin der Kirche Maria Magdalena zu Florenz besagt: „Qui giace Salvino degliArmati di Firence, inventore degli occhiali. Dio gli perdoni le peceate.“ —/’. Die ersten Brillengläser wurden aus Krystallen geschliffen, womit ihr (späterauch auf Glas-Linsen, die schon etwa 1300 von Venedig aus auf den Marktgelangten, übergetragener) Name zusammenzuhängen scheint, da man damalsjeden durchsichtigen Krystall als „Beryll“ zu bezeichnen gewohnt war; siewurden paarweise an Lederstücken an einer Mütze aufgehangen und erst etwaim 15. Jahrhundert in einer Fassung auf die Nase gelegt; ferner bestandensie fast ausschliesslich aus Sammelgläsern, — ja es bezieht, sich, wie Kästner(Gesell. II 244) nachgewiesen hat, die erste etwas sichere Notiz über denGebrauch von Zerstreuungsgläsern auf den kurzsichtigen Papst Leo X . (1475bis 1521).

134 . Die holländischen Kykers und das PerspicilluniGalileis. — Die ältesten sich auf Erstellung von Fernrohren be-ziehenden und sicher konstatierten Thatsachen sind, dass 1608 X 2der Brillenmacher Johannes Lippershey aus Middelburg den nieder-ländischen Generalstaaten einen von ihm aus zwei Linsen von Berg-krystall (einer konvexen und einer konkaven) zusammengesetztenKijker (Kijkglas, Yerrekijker) vorlegte und sich dafür entweder einPatent auf 30 Jahre oder einen Jahresgehalt ausbat, — dass dieBehörde ihm X 6 ihren Beifall, aber zugleich den Wunsch aus-sprach, er möchte das Instrument in der Art vervollkommnen, dassman mit beiden Augen hindurchsehen könne, — dass ein von ihminfolge davon konstruiertes Doppelfernrohr (binocle) XII 13 eben-falls gutgeheissen, aber dennoch nicht patentiert wurde, „da schonviele andere Kenntnis von der Erfindung erhalten hätten“, — unddass sich die Behörde darauf beschränkte, ihm um 900 fl. drei solcherDoppelfernröhren abzukaufen ". Sodann ist sicher, dass diese neuenInstrumente rasch in den Handel übergingen, so z. B. schon imApril 1609 zu Paris durch einen Brillenhändler öffentlich ausgebotenwurden, — und dass sie, wenigstens die damals in Paris käuflichenExemplare, aus etwa ein Fuss langen Böhren bestanden, die anbeiden Enden „verschieden geformte“ Gläser trugen, durch welche„ferne und nur dunkel sichtbare Gegenstände“ sehr gut wahr-genommen wurden h . Ferner weiss man von Galilei selbst, dass eretwa im Mai 1609 von Paris aus eine ähnliche Beschreibung wiedie eben gegebene erhielt, und dass es ihm nun sofort gelang,solche und noch grössere Perspicillen (perspicere = durchsehen) zuerstellen; ja es wird noch jetzt in Florenz eines dieser letztemaufbewahrt, nämlich ein vierfiissiges Kartonrohr von zwei Zoll