135 — Die optischen Studien Keplers n. seine Erfindung des Fernrohrs. — ,323
erreichen war, das brachte er auch wirklich zu stunde, und nament-lich gelang es ihm, wie uns seine Schrift „Dioptrice. Aug. Yind.1611 in 4.“ zeigt, sich von der Wirkung der verschiedenen Linsenund ihrer Kombinationen ein hinreichendes Bild zu verschaffen r ,um zeigen zu können, dass ein Fernrohr nicht nur entsprechenddem holländischen, sondern noch auf' verschiedene andere Arten,namentlich viel naturgemässer durch Kombination zweier Sammel-linsen erhalten werden könne. Hiedurch war also die Möglichkeitdes sog. astronomischen Fernrohrs, hei welchem ein reelles Bilderzeugt und mit einer Loupe betrachtet wird, erwiesen, und wenndasselbe auch durch Kepler seihst noch nicht, sondern erst einigeJahre später durch Scheiner, und wohl bald darauf durch Fontana,ausgeführt wurde* 1 , so gebührt immerhin ersterem der Ruhm, denFund der Holländer erklärt und ihm die Erfindung unsers jetzigenFernrohrs beigefügt zu haben.
/ii 135 : a. Vgl. seine Schrift „Ad Vittellionem Paralipomeim. Franco-fnrti 1G04 in 4.“, auf welche wir noch später (454) zurückkommen werden. —•b. Schon Kleomedes hatte in seiner bereits (4 : n) erwähnten Schrift ausge-sprochen, dass ein Lichtstrahl, wenn er schief aus einem Mittel in ein dichteresübergehe, dem Einfallslote zngelenkt werde, und ein Jahrhundert später hattesogar Ptolemäus (wie das 5. Buch seiner früher vielfach citierten, dann wieverschwundenen oder wenigstens nur in Bruchstücken bekannten, und erst„Torino 1885 in 8.“ durch Govi nach einem Mailänder Manuskripte publizierten„Optica “ zeigt), wenigstens bis zu einem gewissen Grade, die Aufgabe gelöst,das betreffende Gesetz für Luft und Wasser empirisch festzustellen: Seine
bezügliche, schon als eine der ältesten, ehr-würdige Versuchsreihe bestand darin, dass ereinen geteilten, mit zwei beweglichen Indicesa und b versehenen Kreis, vertikal und bis zumMittelpunkte in Wasser tauchte, — a nach undnach ’ verschiedene, durch « bestimmte Lagengab, — dann jeweilen b verschob, bis es mit aund c in einer Geraden zu liegen schien, — undendlich je das der Endlage entsprechende ß ablas; er erhielt so für « und ßdie korrespondierenden Werte
a
10“
20
30
40
50
(SO
70
80°
ß
8
15'/,
22 %
28
35
40 y 2
45
50
u:ß
1,25
1,29
1,33
1,43
1,43
1,48
1,56
1,G0
ß‘
7‘A°
14 %
22
28‘A
35
40 1 .,
44 ‘A
47‘A°
welchen ich noch ihr Verhältnis u-.ß, sowie zur Vergleichung als ß‘ die mitdem Brechungsexponent 1,34 des Wassers nach unsern jetzigen Begeln aus uberechneten Werte von ß beigefügt habe. La der Wert von u:ß zwischenrelativ engen Grenzen schwankt, so lag es für Ptolemäus nahe, ans seinenVersuchen zu schliessen, dass, wenigstens bei denselben Mitteln, Einfalls- und* Brechungswinkel in einem konstanten Verhältnisse stehen, und dass letzteres