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ausgemeißelten Kapitalen, dann die gemalten Fenster und die eben-falls mit Gemälden versehene Decke des Mittelschiffes Preisend hervor-hebt"). Kurze Zeit darauf, um 917—926, werden Glasfenstcrauch in der Kirche von Zurzach erwähnfi^döchNKM Angabe, ob die-selben ebenfalls Gemälde gehabt haben"). Also in der Schweiz , inZürich , die erste unzweifelhafte Erwähnung gemalter Fenster, worauswir freilich nicht den voreiligen Schluß ziehen wollen, daß die ersteErfindung hier gemacht fein müsse.
Allerdings haben wir uns die Technik der Glasmalerei bis in's12. Jahrhundert hinein als eine noch befangene und ärmliche vorzu-stellen. Kleine Scheiben in starker Blcifassung gaben eine unbehülf-liche Zeichnung, und die einzige damals bekannte Schmelzfarbe, dasSchwarzloth, mußte zur Contourirnng und zur dürftigen Schatten-angabe der Figuren hinreichen. Allmählich lernte man aber das Ucber-fangglas bereiten, d. h. einen farblosen Glasfluß mit einer farbigenLage, namentlich Rubinroth überziehen, um dadurch den Scheiben,ohne ihre Stärke zu verringern, größere Transparenz und Leuchtkraftzu verleihen. Verzierungen und Inschriften brachte man in der Weisean, daß man aus den mit Schwarzloth aufgetragenen Stellen die be-absichtigte Zeichnung des Ornamentes oder der Buchstaben hcraus-schabte. Dies führte im weiteren Verlauf der Entwicklung, etwa seitder Mitte des 14. Jahrhunderts, zu einer umfassenderen Anwendungdes Ausschlcifens und znr Erfindung verschiedener Schmelzfarbcn, dieMan dann auf die anSgcschliffcncn Flächen auftragen konnte. ErstMit diesem Schritt gewann die Glasmalerei ihre volle Freiheit, diesie zum Wetteifern mit der Tafelmalerei befähigte und ihre größtencoloristischen Wunder ermöglichte. Denn nun konnte an die Stelledes musivischcn Zusammensctzcns farbiger Glasstücke ein Malen aufGlas eintreten, bei welchem dasselbe Stück verschiedene Farben nebeneinander enthielt, die dann eingebrannt wurden und jede malerischeSchattirung gestatteten. Damit ging die Herstellung und Verwendunggrößerer Glasscheiben Hand in Hand.