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Ueber die alten Glasgemälde der Schweiz : ein Versuch / von Wilhelm Lübke
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Ich beschränke mich auf diese allgemeinen Andeutungen in Hinsichtdes technischen Verfahrens und seiner Entwickelung, um nun den Cha-rakter der Glasmalerei nach ihren verschiedenen Epochen in's AugeZU fassen.

In den kleinen Rundbogenfenstcrn des romanischen Styles fanddie Glasmalerei nur beschränkten Spielraum. Nach Art der Teppiche,""an deren Stelle sie trat, bestand sie aus kleinen, derb umrisscnen figür-lichen Darstellungen, eingefaßt in Medaillons, und umrahmt mitornamentalen Bändern, in welchen die strenge aber edle Stylistik derromanischen Kunst sich ausprägt. Die mit Tcppichmustcrn bedecktenGründe, von welchen die Figuren sich kräftig abheben, sind überwiegendblau oder roth, manchmal beide Farben in rhythmischem Wechsel einanderablösend. Eine tiefe Sattheit. der Töne, verbunden mit leuchtenderFarbenglut, zeichnet diese Werke aus. Doch find die Reste, welcheman mit Wahrscheinlichkeit dem 12. Jahrhundert zuweisen kann,überall selten. In Deutschland dürften vielleicht die Oberfenster imSchiff des Doms zu Augsburg und diejenigen in der Maricnberg-kirche zu Helmstädt noch jener Zeit angehören. Der Schwerpunkt dermalerischen Ausstattung ruhte bei romanischen Kirchen auf den ausge-dehnten Gemälden mit welchen die Wände, sowie die flachen Deckenoder die Gewölbe geschmückt waren. Beispiele solcher Ausstattung sind inDeutschland noch mehrfach erhalten. Auch diese Darstellungen habendie Anordnung und das Farbenprinzip großer Teppiche, die in kräf-tigen Tönen und einfach colorirten Umrißzeichnungen ihre Bilder vorAugen bringen. So war schon in den romanischen Kirchen des 11.und 12. Jahrhunderts die farbige Gesammtwirkung eine ungemeinreiche und kraftvolle.

Mit dem 13. Jahrhundert nimmt jene polychrome Ausstattungeinen neuen Charakter an. Die gothische Architektur, die damals inFrankreich aufkam und bald von dort aus die angrenzenden Länder,namentlich Deutschland , England, die Schweiz und die Niederlande