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ergriff, bahnte der Glasmalerei den Weg zu neuen überraschendenWirkungen. Der Kirchenhau strebte mächtig in's Hohe, Lichte, Freie;er streckte seine Glieder, schwang seine Gcwölblinien kühner, beseitigte diestrenge Geschlossenheit der ruhigen romanischen Mauerflüchen und durchbrachdie Wände mit seinen weiten, hohen Fenstern, um eine Fülle vonLicht in das Innere einströmen zu lassen. Anfangs w,arW,d>iese Fensternoch einfach, im Anschluß a n d,iL,Weise der frühern Epoche; bald aberwurden sie weiter und höher, so daß sie der Theilung durch steinernesPfostenwerk bedurften, welches sich oben in geometrischen Vcrschlingungenzum reizenden Spiel der Maaßwerke zusammenfügte. Aber je größerdie Fülle des einströmenden Lichtes wurde, desto nothwendiger wardesj" dasselbe durch bunte Farbenpracht zn dämpfen. Die Kirche, inwelcher sich jeden Tag das Wunder des Altarsakramentes erneuernsollte, konnte das kalte, kritische Sonnenlicht nicht gebrauchen; siemußte es durch Glasgemälde brechen, um dem Innern jene mystischeWeihe zu geben, welche dem Cultus und dem künstlerischen Gefühljener Zeit gleich entsprechend war.
Durch die Fenster mit ihren ausgedehnten Glasgemäldcn wurdenunmehr die Wandmalerei verdrängt oder doch auf untergeordneteTheile eingeschränkt. Die Glasmalerei erbte also die Mission undmit ihr die Themata ster ehemaligen Wandmalerei; aber da sie nurmühsam und überwiegend handwerklich verfahren konnte, so vermochtesie in freier künstlerischer Entfaltung mit der Wandmalerei nicht zuwetteifern. Die christliche Malerei machte also in gewissem Sinneeinen Rückschritt, indem sie sich in eine noch größere Gebundenheitbes technischen Verfahrens verstrickte, als selbst die der altchristlichenMosaiken gewesen war. Aber freilich für glanzvolle dekorative Wirkung,für die Entfaltung alles Zaubers eines glühenden Colorits hatte siein ihren Glasgemäldcn einen unbeschränkten Spielraum; mit diesenEffekten, bei welchen die Sonne selbst in unmittelbarer Weise bcthei-ligt war, mit diesen aus irdischer Farbenpracht und himmlischem Licht