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gewobenen Teppichen konnte an Glanz sich Nichts messen. Und dazukam all' der übrige Farbenzauber der Ausstattung: die mit vergoldetenMetallplattcn bekleideten Altäre, die in Gold und Farben gefaßtenTheile der Architektur bis zu dem hohen Gcwölb hinauf, die kräftigbemalten Statuen und Reliefs an Pfeilern, Lettnern und Portalen,und endlich die Pricsterschaft in ihren von Gold und bunten Stickereienstrahlender Gewändern: eine Farbensymphonie von überwältigender, dasGemüth bestrickender Wirkung. Und über alles dieses goß die Glas-malerei ihren Wiederschein, indem sie das Innere der Kirchen demkalten Tageslicht entzog und ihm eine ideale künstlerische Stimmungverlieh.
Man kann allerdings aus dieser mittelalterlichen Dämmerung,
„Wo selbst das liebe HimmelslichtTrüb durch gemalte Scheiben bricht,"
sich hinaussehncn an's Licht des Tages, aus dem Kerzendampf undWeihrauchqualm in die frische Himmelsluft da draußen. Aber dasMittclaltcr empfand anders. Der Provcuzalischc Dichter Peire Vidal um den Beginn des 13. Jahrhunderts singt:^)
„Wie Einer, der in ein gemaltes Fenster starrt,
Entzückt vom Glänze, der daraus cntgegenstrahlt,
So ist voll Süßigkeit mein sclbstvergess'nes Herz,
Wenn ich geblendet dich in deiner Schönheit schau'!"
Die Prediger des 14. Jahrhunderts gebrauchten als Lieblingsbildder Menschwerdung Christi durch die jungfräuliche Maria das Fenster,das nicht zerbricht, während die Sonne hindurchscheint und die Farbenmit sich nimmt. „Die himmlische Sonne die schien herab durch dasFenster und erleuchtete den Tempel. Das Fenster war seine süße Mutter,durch die schien er in diese arme Welt und erleuchtete den Tempel,der war die Christenheit; die ward erleuchtet von seiner Menschheit.Nun merket wohl diese Worte: wenn die Sonne nimmt von dem Glas