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des Glases Farbe, so verfärbet sich der Schein darnach, weiß, roth,gelb, blau, grün, und welche Farbe das Glas hat, die nimmtdie Sonne an sich. Also that unser Herr Jesus Christus . Er schienin das lautere Glas, in der süßen Jungfrau Leib, und nahm vonihr die Menschheit an, daß ihr reines Magdthum nie verletzet ward."
Welche Bedeutung man aber den Glasgemälden schon im 13.Jahrhundert zugestand, und welche Rolle sie in der Ausstattung derKirchen spielten, dafür giebt der jüngere Titurcl in der berühmtenBeschreibung des phantastischen heiligen Graltempcls das vollgültigsteZeugniß"). Da ist nicht gemeines Glas, nicht Aschcnglas zusam-mengesetzt, sondern Beryllen und Krystalle und die Bilder bestehenaus farbigen Edelsteinen, aus dem Blau der Saphyre, dem Gründer Smaragde, dem Roth der Rubinen, der Veilchen-, Rosen- oderPurpurfarbe der Amethyste; zu dem Schwarz aber, das die Bilderumreißt und schattirt, Farben und Gestalten von einander abzuheben, istder Jaspis gebraucht:
„Je nach den Steinen färbte sich die Sonne,
Wann sie durch die Fenster schien;
Das war eine sondre Angenwonne."
Diese Schilderung schwebte Karl IV. vor, als er sich eine Nach-bildung von Montsalvatsch mit dem Graltempel in feinem SchloßKarlstein in Böhmen erbaute, dessen Kreuzkapelle er Fenster gab, dieaus farbigen Steinen in vergoldeter Bleifassung zusammengesetzt waren.Auch über die Wände breitete er reichen Schmuck an Gemälden, dienoch jetzt erhalten sind, während den Fenstern ihre Kostbarkeit denUntergang bereitet hat. ,
Suchen wir vom Charakter der Glasgcmälde jener Zeit, die mitso glänzenden Reflexen aus den schriftlichen Quellen, namentlich denVersen der Dichter sich wiederspiegcln, eine Anschauung zu gewinnen.
Die Glasgemälde des 13. Jahrhunderts, selbst wo sie schon in