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Jakob Bluntschli in Zürich , in seinen mucrbanten Saal gemalte Scheibenbewilligt, „dieweil er gar ein guter Ehrenmann ist, der männiglichemdessen er eine kleine Kundschaft hat viel Ehr und Guts erzeigt, undihm der Kosten zu groß würde, wenn er von Ort zu Ort reitenmüßte" b5) (E sein Begehren bei den einzelnen Regierungen anzu-bringen). So sind die zahlreichen Glasgcmälde dieser Zeit ein schö-nes Zeugniß des gemeinnützigen Geistes und der bundesfrcundlichenGesimlung, welche in der Eidgenossenschaft lebendig waren.
Unter solchen Auspizien mußte wohl die Glasmalerei in derSchweiz als allbcliebte und gepflegte Kunst sich zu höchstem Glänzeentfalten; aber ihrer neuen Stellung zum Leben und ihrer verändertenBestimmung entsprechend erfuhr sie eine völlige Umwandlung nach In-halt und Form, nach Composition und Technik. Da ihre Aufgabe inder Schweiz nicht mehr dahin geht, große Kirchenfenstcr zu füllen,sondern die kleineren Fenster in Kreuzgängen oder Profangcbäuden zuschmücken, so kann sie den großen Teppichstyl, welchen die malerischenTendenzen des 15. Jahrhunderts schon bedeutend modifizirt hatten,jetzt noch viel weniger gebrauchen. Sie wird deßhalb, um es miteinem Wort zu sagen, Kabinetsmalcrei, und ihre Werke verhaltensich zu den kirchlichen Glasgemälden des 14. Jahrhunderts etwa wieininiaturartig ausgeführte Genrebilder zu breit behandelten Fresko-gemälden. Deßhalb begnügte man sich sogar die Fenster der Privat-häuser nicht einmal gänzlich mit Glasgemälden zu füllen, sondern inden mit kleinen runden Scheiben versehenen Fenstern jedesmal nur einegemalte Scheibe und zwar oben in der Mitte anzubringen. So ver-band man die praktische Forderung an möglichst helle Räume mit derFreude an buntfarbigem Schmuck. Wollte man aber doch in größereKirchenfenstcr dergleichen Scheiben stiften, so erhielt jedes Fenster eineentsprechende Anzahl solcher Einzelbilder.
Der Inhalt dieser Glasgcmälde ist nun nicht minder bezeichnendfür den veränderten Geist der Zeit und das Uebergewicht, welches das