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Ueber die alten Glasgemälde der Schweiz : ein Versuch / von Wilhelm Lübke
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Von ausgezeichneter Schönheit sind aber vornehmlich die Füllungenaus den Fenstermaaßwerken. Sie enthalten Blumen und Arabesken,bei denen die Schönheit der Zeichnung mit der Pracht der Farbenwetteifert; ferner mythologische Fabelwesen, Genrebilder, Jagdscencnund mehrere meisterhaft ausgeführte biblische Darstellungen: DieGeburt Christi , die Flucht nach Aegyptcn, den Kindermord, die An-betung der Könige. In einem Felde sieht König David, init Scepter,Krone und goldener Kette geschmückt, aus dem mit einem Teppichbedeckten Altan seines Palastes, dessen offene Säulenloggia man seit-wärts erblickt, lüstern heraus. Vor ihm auf den Marmorslicsen desHofes liegt sein Windspiel. Auf einem andern, entsprechenden Feldeerkennt man das Ziel der königlichen Blicke in der rcichgeschmücktenBethseba, die in breitem Mieder dasitzt und das blaue Kleid bis überdie Kniee aufhebt, um in einen: Marmorbassin ein dezentes Fußbadzu nehmen. Eine Dienerin bringt Obst, eine andere in PrächtigemPokale einen Trnnk. Ein Nosengehege umfaßt den Platz, auf welchemsich ein Springbrunnen mit Satyrn und Sirenen erhebt. Das Ganzegiebt das zierlichste Bild einer lebenslustigen Nenaissanccscenc.

Ueber die Künstler dieser meisterhaften Glasgcmülde gewähren ver-schiedene Monogramme eine Andeutung, deren Enträtselung indeßweiteren Studien vorbehalten bleiben muß.").

Wieder andere Eigenschaften sind es, welche dem dritten Cyklus,den Glasgemälden aus dem Krenzgange des Klosters Rathhausen,ihre besondere Bedeutung geben. Dieselben befinden sich wohl auf-bewahrt und durch Holzrahmen geschützt, im Privatbesitz ") zu St. Gallen ,sechzig an der Zahl, sämmtlich aus den Jahren 1592 bis 1621stammend, also die Schlußepoche der schweizer Glasmalerei bezeichnend.Hier tritt die biblische Historie noch einmal in den Mittelpunkt derDarstellung, denn sämmtliche Glasgemälde enthalten eine Scene ausder Jugendgcschichte oder der Passion Christi. Das Wappen ist sammtder Jnschrifttafel an den Fuß der Darstellung gewiesen, wo es von