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Endlich verschiedene Bildnisse.
Vörderst des Künstlers eigenes, das schönstennd beßt erhaltene von ihm, das er aus dem Spie-gel malte, um es seinem Freunde Bindo Altoviti zu schenken. Lange stand es im Pallaste dieser Fa-milie zu Rom , die solches für das Bild ihres ge-dachten Ahnherrn, und deswegen (percio sagtBortari) in höchsten Ehren hielte 86). Eben die-ser war es zuerst, der diesen Herren, vielleichtnicht zu ihrem Dank', aus dem Traum half:„Es ist" (sagt er) „das schönst colorirte Bild,das ich je von Raphael gesehen, nnd darf indieser Rücksicht keinem Titian weichen". Später-hin kam es in den Pallast eben dieses Geschlechts,in Borgs d'Albizzi zu Florenz ; und endlich wardvor ein Paar Jahren, durch Kauf, des H. Kron-prinzen von Bayern KHnigl. Hoheit der glücklicheund würdige Besitzer desselben 87). Noch ein an-deres ähnliches Bild, welches Lottarr ebenfalls,wo nicht für original, doch aus Sanzio's Schulegefertigt hielt, belaß vor 50. Jahren der großeFlorentinische Kunstkenner, Leonard del Riccio.
Noch berühmter indessen (doch schwerlich vor-trefflicher) war das Gesellschastsbild Leo X. undder Kardinale Jul. von Medicis und dc Roßi 88),das sich einst in der Gallerie Pitti zu Floren; be-fand, und jetzt das Museum Napoleon zieret 89),so wie eine Kopie davon von A. del Sarto, dieman lange für das Urbild selber hielt, einst in derGallerie von Parma, späterhin auf Capo di Montezu Neapel stand 90). Für jenes wurde Raphael vondem Papste reichlich belohnt, vasan giebt, nachseiner Weise, besonders von den Staffirungen des-selben eine Beschreibung, die bis ins kleinste De-tail geht; so z. B. von dem güldenen so schön po-lirtcn Stuhl, daß sich darin die Fenster spiegeln,n. dgl. Das Urbild von Raphael ist 4/ z" hoch,und 3/ 8" 4>" breit, auf Hol; gemalt. „Es istunmöglich (heißt es im: lUsnu^l clu lVimee Irsn-9-Ü-; IV. Xro. 14.) „das Bildniß eines Papstesbesser darzustellen. Hier sieht man das Haupt derChristenheit zwar nicht in Pontifiealibus auf demStuhle St. Petri, sondern aus seinem Zimmer,in seinem Lehnsessel, wie er das Brevier liest (dassich, nach Einigen, ebenfalls mit Raphaeks Mig-naturen geziert, im National-Museum zu Paris befinden soll; nach Dallarvay hingegen, einst we-nigstens, im Besitze des H. Walpole zu Strawberry-Hill war). Der Kopf scheint von der Zeit, odervon irgend einer versuchten Reinigung etwas Scha-
den genommen zu haben; aber mit alle dem zeigtsich darinn Raphaels wunderbare Kunst in allen Stü-cken. In diesem ruhigen, etwas blassen und gall-reichen Farbenton; in der vollkommnen Ueberein-stimmung der Tinten, die zwar überall das Lichtdarauf schimmern, aber nirgends Funken schlagenläßt, und bestimmte, aber doch überall durchschei-nende Schatten giebt; in diesen durch Alter undArbeit ermüdeten Augen eines Gelehrten; in diesenfetten nnd rundlichten Formen, die sich nur beymKabinetsmanne finden; und hinwieder in jenen ein-gefallenen Theilen, die den Gesetzen der Schwerenachgeben müssen; kurz in diesem vollkommenenGanzen, wo die Correktheit der Zeichnung allenConturen so viel Wahrheit verlieht. Das Costumhienachst ist mit der gewissenhaftesten Genauheitausgeführt; alle Stoffen, Sammt, Damast, Tuch,Pclzwerk ». s. f. haben ihren Charakter; Stuhl,Lisch, das Glvckgen, das Buch, das Vergröße-rungsglas sind diejenigen der Zeit. Die Händesind wunderschön erhalten, als die eines vornehmenMannes von sitzender Lebensart; einige Finger je-doch scheinen dem Marmor zu ähneln, aber ihreLage dafür könnte nicht einfacher und natürlicher, seyn.Kurz die ganze Stellung der Hauptfigur in die-sem Bilde drückt stille Würde, zwanglose Hoheit,und angewöhnte Ruhe aus. Auch die beyden Kar-dinäle zur Seite sind sehr schön, aber so gestellt,daß sie nur eine zweyte Rolle zu spielen brauchen,und mit ihrem Oberhaupt in keinerlcp Wettstreitgerathen; ihre Köpfe haben vielleicht mehr An-muth, aber nicht das edle Aussehn des letzter«.Beyde sind, der ganz natürlichen Stellung nach,die sie einnehmen, bloß mit Ihm, Er aber nur mitsich selbst beschäftigt". Auch Lands» Annal . XIV.Nrv. 19. setzt dieses Gesellschastsbild den beßtenvon Titian gleich. — Noch spricht vafari hierauf vonein Paar andern Bildnissen unsers Künstlers, eben-falls von großem Werthe, nämlich die HerzogeLoren; und Julian von Medici,' die sich zu sei-ne» Zeiten noch im Besitze der Erben Octaviansaus diesem Hause fanden (Und jetzt?) 91).
Durch so viele herrliche Arbeiten wuchs Ra-phael von Tag zu Tag an Ehre, und selbst anirdischen Gütern. Durch Bramante ließ er sich,ungefähr zu der Zeit, von welcher wir sprechen,in Bvrgo nuovo einen kleinen Pallast, doch nurbescheiden von Mauerwerk bauen, der leider nichtmehr vorhanden ist 92).
KLpfe der jünger» Heiligen zwar schön, aber nicht beseelt genug, und den von St. Elisabeth zu gemein für —die Mutter eines Propheten. Dagegen ist auch nach ihrem Urtheil der junge Johannes ganz Kaphael".Prophetisches Feuer glänzt schon aus seinen hohlen und glühenden Augen; es ist eine starke Natur, undhat (setzt das Manuel hinzu) eine elektrische (?) Färbung; dafür aber scheint ihm das Christuskind einegekünstelte Stellung zu haben. Gestochen wurde solches in ältern Tagen (nach Bottari) von C. Cort; dannvon Fr. Villamena 1602. und >61-. (schön); von R. Guidi 16,4.; ferner (sehr gut) von einem Ungenannten,bloß mit: 6!o. tzlni-co kalurri kormis bezeichnet; in Frankreich jwepmal von Ungenannten, in le Blond's undP. Mariette's Verlage (letztres schön); ebenfalls von einem Anonvmus in C. de Pas Verlag; und endlichvon Mogalli für die bekannter kaccolia äel grsn One». Im Grund aber noch von Niemand, des Ur-bildes würdig.
86) vasari's und Bocghini's Weise, dieses Bildnisses zu erwähnen, veranlaßten diesen Mißverstand. Bepdedrücken sich so aus: e ä Lr,.äo kece il ritratto ,xo, gusnäo era giovane.
87) Gestochen ist dasselbe von zwey vorzüglichen Künstlern, R. Strange und N. Morghen; doch selbst von diesemletzter« , in seiner hohen Schönheit, dem sanften und doch tief liegenden Aug' zumal, uud
- Dem Mund, zum Kuö gemache,
noch bey Weitem nicht erreicht., Morghen hatte für das seinige (uns Unwissenden neu zu hören!) dreverkevPreise: 11/2. Aech. für ein gewöhnliches ^r., z. Zech. »vantla lettr«, und 4. Aech. avsnt— lex iettres?Morgenstern I 2. zgo. Awev Kopien in Oel , nach dem Urbilde, zwischen 1764. und 7». von einer ge»iwlckten Florentinischen Künstlerin gefertigt, befinden sich in der Schweitz , das eine in der Hand der Erbendes sei. Herrn Amtmanns P. listen'zu Stein am Rhein , das andre bey dem Verfasser der gegenwärtigen Ausätze.
88) Bottavi hält dafür, daß solches erst zwischen 1517. und 19. gemalt sey.
89) Gestochen ist solches von Picchianti; dann in neuern Tagen, für die französische Valerie cls klorsnc«, vonMorel, und im bloßen Umrisse bey llandon (-(»nsl. XIV. Xro. -y.) und im Manuel Nro. »4-
S») Nach dieser oder einer ähnlichen Kopie findet sich das Bildniß des H. Vaters gestochen, an der Spitze vonRoscoe's Leben desselben, im Englischen sowohl, als in der deutschen Uebersekung.
91) Stiche davon kennen wir keine. Wohl aber befand sich schon von Alters her, im Königl. Französischen Kabmet dasjenige des Kardinals Julius, welches man für eine vollendete Scizze zu dem oben erwähntenGesellschastsbild hält. Dieses hat N. Edelink für Crozar gestochen.
92 S. eine Anmerk. Bottari's zum Leben des Bramante . Gestoben findet man ihn (etwa aus dem Kopf?)
M I. I> Roffi's-k-tocotta >1i t-slarri <1i Koma., ...