Band 
Zweyter Theil [3].
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40
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Paul seyen zu roth, gab er ihnen schnell zum Be-scheid:Wundert Euch nicht, meine Herren! Dasthat ich mit Ueberlegung, da man vermuthen darf,daß diese beyden Heiligen im Himmel eben so sehrals hier auf dem Bilde erröchen, daß ihreKirche von solchen Leuthen, wie Ihr scyt, gelei-tet wird".

Wir haben in der bisherigen Geschichte des Le-bens und der Werke Raphaels hauptsächlich vasiarizu unserm Leiter genommen; nicht daß uns dasdurchweg Lückenhafte, und, in der Zeitfolge zumal,so ganz Unzuverlaßige seiner Erzählung nicht beß-tens bekannt wäre. Aber immerhin bleibt derselbedoch die erste Quelle, aus welcher auch alle nach-folgenden Biographen unsers Künstlers geschöpft,und solche nicht selten, bald durch vermeinte Ver-schönerung entstellt, bald durch Uebersehen man-chen charakteristischen Zuges nicht hinlänglich benutzthaben. Wir selbst bedienten uns bey unsrer Arbeitder vorzüglichsten Siencnser-Ausgabe dieses Kunst-geschichtschreibers, mit den Zusätzen und Erläute-rungen des P. della valle, welche zugleich allediejenigen der Römischen Ausgabe von Borrariin sich fassen, und thaten dabey das unftige, mitmöglichst geflissencr Nachlese dessen hinzu, was wirvon andern mehr und minder bewährten Schrift-stellern Entdecktes, noch auffinden konnten.

Eine Hauptiücke bey vasiu, auszufüllen, habenwir indessen geflissentlich bis hieher verspätt; jenenämlich, die sich in seiner Herzählung, selbst ei-niger der vorzüglichsten Raphaelischeii Staffelei-Bilder, um so viel ungegreislichcr findet, da biszu seiner Zeit (Frankreich ausgenommen) noch keinederselben ins Ausland gegangen, und er hingegen,von dem, was zu Rom , Florenz u. s. s. aufge-funden, bisweilen auch des Unbedeutender», mithochgetriebenen Lobpreisungen Erwähnung thut.

Unsre Nachlese ist folgende: 2or)

Dördcrst in Italien selber, nennt AichardsdnIII. 40. zu

I. Mailand .

ln der Ambrostanischen Bibliotheck, doch bloß alszweifelhaft, eine Fußwaschung von halb lebensgroßenFiguren, von welcher indessen bloß behauptet wird,daß pierin del vaga solche angefangen, und^aphael sie beendigt habe 202). Volkmanndann I. 2747Z. gedenkt dieses Bildes nicht mehr;dafür aber zweyer Raphaelischer Kartone , derSchule von Athen (dessen wir schon oben S. iv.Nvt.44. Erwähnung gethan und der jetzt in Paus seynsoll), und der Schlacht des Maxentius, von wel-cher sichOriginal-Zeichnungen auch anderwärts finden(s. oben S. 33. Not. 175.). Dann in der Sakristcyder Kirche Madonna dj St. Celso eine H. Fami-lie: Maria, das Kind, St. Johann und St.Joseph, die er aber bloß für Kopie oder ein Werkaus R Schule, ßsochin hingegen (den wir soeben nicht bey Handen haben), wo wir nicht irren,für acht hält, und zuverlaßig (wir sahen sie in1763.) ein sehr schönes Bild vielleicht dasjenigeist, welches unten in der-Gallerte zu Wien , als

von der KK. Maria Theresia angekauft, erscheint.Ferner nennt Volkmann noch ( I. c. 299.) ausdem Kabinette eines Mailändischen BuchhändlersBorella (wir besorgen nur, apvkrypisch) Mars undVenus, in R. erster Manier, welche derselbe fürsooo. Dukati zu Kauf ausbok. In F. Larroli'sblotirirria ckckls etc. ä'Italia I. 165. Wird

noch 1776. in der Gallcrie des ErzbischöslichenPallastes eine aus Gold und Seide gewirkte H.Familie mit anbetenden Hirten, Vieh, nlcmismnc-clüette (?) und einer Landschaft,nach Raphaels Zeich-nung (?) angezeigt. Endlich aber, was nuii juverlaßi-ger als alles Obige seyn mag, sah noch 1313- einreisender Künstler, dessen sicherm Urtheil wir trauendürfen, in der Gemäldesammlung zu Mailand (agli Studi genannt), ein Sposaüzium der H.Jungfrau, wie es scheint in Manchem verschiedenvon demjenigen, welches Vajari beschreibt, undLanzi noch an seiner alten Stelle zu Cikta diCastello fand, aber an Werth wohl nicht geringer:Eines der köstlichsten Bilder" ( sagt er uns^)die noch aus R. erster Zeit vorhanden seyn mö-gen, und so frisch erhalten, wie möglich." Inder Mitte die beyden Verlobten, und der sie ei-nigende Priester; nebe» Maria eine Gruppe zarterJungfrauen; hinter Joseph junge Männer, dievoll Zorns ihre Sräbe brechen, mittlerweile der-jenige des glücklichen Siegers blüht. Die Sceneein Heller Marmvrplatz; in der Mitte des Hinter-grunds ein großer Tempel.Die Vollendung inder Ausführung, und die Süßigkeit der seelenvol-len jungfräulichen Gesichter ist nicht zu beschreiben.Ueberhaupt, dem Style nach, sollte man schwören,es sey ein Werk des Perugino, aber sein köst-lichstes r°3)."

II. Brescia .

In den: ?itture öi (8°. 760.) S.

158. wird, als damals dort im Pallaste der HH.lägen noch befindlich, eine Auferstehung, ausHolz, von Raphael angezeigt.

III. padua.

In Rosfetti's: QesciUone ricklc I'itturc etc.61 ?aäovn (i2". 776.) S. 326. wird bemerkt,daß sich damals noch im dortigen Pallaste Lrigoein kleines Bild.- Venus mit Amor befand, das,der vortrefflichen Zeichnung wegen, einem Raphaelglich.

IV. Mamua.

Nach Ead-olr's : OcscnXlone tlells pitture etc.äi vl/Mitor/ar (8°. 763.) S- 17. werden (neue)Tapeten nach Raphaels Apostelgeschichten genannt,die sich in der dortigen Sakristei der Kirche St.Barbara in Corle befinden solle»; bann aus dessenSchule (S. 78. ) eine, besonders für schöneKöpfe vortreffliche Predigt St. Johanns des Täu-fers.

V. Parma .

Hier sah Richardson noch, in der Herzoglichen

201) Es versteht sich aber von selbst: Daß, so vieler ruhmredigen falschen Taufen der Merkurs», Rersebeschrciberund Cicerone nicht zu gedenken ( welche so manches schöne oder doch schwarze Bild aus RaphnclsSchule, kühnli'ch dem Meister zueignen), eine bedeutende Anzahl der nunmehr anzuführenden Bilder stchnicht mehr an der angezeigten Stelle befinden; daß es aber dessen ungeachtet nicht minder von mannigfalli-gcm Nutzen seyn kann, die (so viel man erfahren konnte) jüngsten Besitzer derselbe» zu kennen, als Leit-faden, um den Stellen nachzuspüren, wo sie sich gegenwärtig befinden mögen; um hiernach-von einer MengeStichen nach Raphael zu urtheilen, wo die Urbilder herrühren, u. s. f.

-or) Dergleichen kennt man gestochen von Marc Anton oder dessen Schülern, dann von Jacob Florentinus(i 55 ->.), von Wilhelm Splvius Busca, in Helldunkel von A. Andrea»! (1609.) u. s. f. In wie weitsolche aber mit dem angezeigten Bilde übereistimmen, ist uns unbekannt.

20z) Noch fügt unter Künstler bey : »Eine Kopie des nämlichen Bildes sah' ich in der Kapelle del Velo dellaMadonna, im Dome zu Perugia ." Wir hinwieder würden keine» Anstand nehmen, zu denken, baß unserBild kein anderes, als das vormals in Cirka di Castello befindliche sey. Nur findet sich in den Beschrei-bungen von Vasari und Lanzi jener in unserer Vorstellung angebrachten sinnigen Sitte des Stabbrechenskeine Erwähnung gethan; und znverläßig ist das Blatt des alten Meisters, das sich auch beo Landon nach-gebildet findet (s. oben S. 4. Not. 8 ) nicht »ach dem unsrigen. Dort geht die Handlung mitten im Tewvelzwischen zwey gewundene» prächtige» Säulen vor; und von dem Stabebrechen findet sich darum ebenfalls nichrdie geringste Spur.