Einleitung.
Erde, sowie der Verhältnisse und Umstände, unter welchen die Mineraliendieser und jener Gegenden und Oerter gefunden werden.
Es ist augenfällig, dafs die Oryktognosie die Grundlage aller -übrigenTheilo der Mineralogie ist. *
Mit der Oryktognosie verbindet sich die chemische — und mit derGeosnosie die topographische und geographische Mineralogie.
Die topographische und geographische Mineralogie mufä der Geo-gnosie den Weg bahnen. Jene sammelt die Beobachtungen über dieBeschaffenheit der festen Kinde unseres Planeten an den verschieden-sten Punkten der Erde; diese zieht, von einem höheren Standpunktedas. grofse Ganze . übersehend, allgemeine Piesultate aus den einzelnenWahrnehmungen und sucht auf diese Weise zur Ei-kcnntnifs umfas-sender Gesezze zu gelangen,, w-elche in der Konstruktion der festenErdrinde herrschen, gleichviel ob sie am Ural oder auf dem Tafel-berge, ob an den Fiällen Lapplands oder in den Amerikanischen Kor-dillereu beobachtet worden. Diese Doktrin verhält sich sonach zurGeognoeie, wie Mittel zum Zwecke.
Die applikaliue Mineralogie, in welcher dieses Fach der Naturge-schichte zur Anwendung auf Ökonomie ( ökonomische Mineralogie ), auf Tech-nologie (Lithurgik), auf Bergbau {Bergbaukunde) etc. benuzt wird, ist kein,eigenthümliclier Theil der Naturgeschichte.
Hülfs Wissenschaften. — Hülfsmittel.
Die Doktrinen, welche im Allgemeinen auf das Studium der Mineralogieden meisten Einfluß haben, sind: Mathematik, Physik, Chemie und Geo-graphie.
Als nothwendige Hülfsmittel für mineralogische
Studien sind ferner
anzusehen :
1. Mineralien-Sammlungen. —~ Kennzeichen-Sammlungen (Krystall-Modelje). •— Oryktognostische Sammlungen. ■—■ Geognostische .Samm-‘ lungen. — Geographische (Suiten-) Sammlungen.
' 2. Mineralogische Exkursionen und Reisen.
Präparativer Theil der Mineralogie.
Der Naturgeschichte der Mineralien mufs ein vorbereitender Theil vor-ausgehen. Er erklärt alle Kennzeichen der einfachem und die Verhältnisseder zusammengesezten Fossilien und bestimmt die Ausdrücke dafür ( orykto-gnostische und geognostische Terminologie), — entwickelt die Grundsäzze,welche bei der Anordnung und Zusammenstellung der ; Mineralien zu beach-ten sind ( Klassifikation ), 1 — liefert eine Übersicht der vorzüglichsten Sy-steme,, nach welchen die Fossilien klassifizirt werden (Systemkunde), —•stellt die Regeln für eine richtige Naturbeschreibung der Mineralien auf, 1 —erörtert die Prinzipien ' für die Namenbildung, der Fossilien (Nomenklatur) ,— gewahrt ferner eine Darstellung der für die Oryktognosie und Geognosiewichtigen und zu beiden gehörigen Versteinerungen (Betrefaktenkurtäe ), —bestimmt die bedeutenderen .Epochen, vom Beginnen dieses Tlieils der Na-turgeschichte bis zu seinem . gegenwärtigen Stande, ( Geschichte der Minera-{; logie) und schliefst endlich mit' den. Materialien zur Biicherkeniitnifs ( Lite-ratur der Mineralogie). .. . ,, ' ’
Aggregatzustand. Mischung. — Einfache,gemengte Mineralien. — Bestandtheile,.-*-Individualität.
Das Wesen der Fossilien ist ein gemeinsames Gebilde- aus Aggregat-Zustand und Mischung und larum sind sie einer . gedoppelten 1 Betrachtungfähig, nach ihrer Konstruktion in mechanischer und nach ihrem Gehalte inchemischer Hinsicht. S .
Untor dem ersten Gesichtspunkte stellen sje sich dar als Zusammenhäü-fungen aus lauter gleichartigen Theilchen. D e mechanische Zerlegung führtdaher stets auf Parzellen, .welche, den Umfang’ abgerechnet, alle Eigen-schaften des Ganzeii besizzen.
Häufig sind, durch die Wirkung der Kohäsionskraft, mehrere verschie-denartige.Mineralien mechanisch zu einem Ganzen verbunden (Granit, ausFeldspath , Quarz und Glimmer). Jedes der so zusammengefügten Fossilienwird indessen, bei modifizivten Umständen, auch einzeln: aimetroffen, darummacht das Verbundenseyn nicht das Wesen der Einzelnen aus, wie mandieses bei organischen Erzeugnissen findet. Sehr oft zeigen solche mecha-nische Zusammenhäufungen heterogener Fossilien eine gewisse Bestimmtheitund Stetigkeit des Charakters. Ihr Vorkommen ist so häufig, ihre Verbrei-tung so allgemein, dafs das Zufällige der Verbindung verschwinden zu
wollen 'scheint. Aus diesem Grunde müssen sie, des Mechanischen ihrer
Zusammensezzung ungeachtet, als selbstständige Ganze gelten. Dies führt zueiner Trennung der Mineralkörper in einfache, aus lauter gleichartige 11
Partikeln zusammengesezte, und in gemengte, mechanische Verbindungen ausmehreren einfachen Fossilien. Die einzelnen Partikeln solcher gemengten.Fossilien nennt man Gemengtheile. Sie sind ihrem Umfange nach sehr ver-schieden und wechseln, vom sichtlich Wahrnehmbaren, bis zu dem Grade,wo dem Auge keine Unterscheidung mehr .möglich ist.. Jene, die sichtlich. gemengten Fossilien, gehören nur rücksichtlich der einzelnen einfachen Mi-neralien, welche durch ihre Zusammensezzung das Gemenge bilden, in dasGebiet der Oryktognosie. Diese, die innigen Gemenge, zu deren mecha-nischen Trennung uns kein Mittel zu Gebpt stehet, gelten, insofern ihnen
eine gewisse Stetigkeit des Charakters eigen ist und sie nicht für zufällige
Erscheinungen zu achten . sind, als einfache Fossilien.
Solche innige Gemenge .sind: der Heliotrop, der aus Kalzedon undGrünerde zusammengesezt ist, der Pr isem, "welcher aus Quarz und Strahl-stein besteht.
Der Aggregat-Zustand der Mineralkörper ist einer Aufhebung durchmechanische Theilung fähig, deren Resultat zu d.en kleinsten gleichartigenTheilchen (Massen - Theilchen) führt, welche, durch die Kohäsionskraft gegen-*reitig verbunden, die Fossilien bilden. .
Was die chemische Verbindung der Mineralkörper angeht, so finden wirdie kleinsten, durch mechanische Trennung- erhaltenen, gleichartigen Tlieil-chen selten einfach, fast stets zusammengesezt, aus verschiedenartigen Stoffenchemisch gemischt und durch die Kraft der Verwandtschaft innig zu einemGanzen verschmolzen. Durch diese Verbindung haben die Stoffe ihren ur-sprünglichen Charakter mehr oder weniger eingebüfst. Aus ihrem Zusammen-treten ist ein neues- Gebilde hervorgegangen, in dem die konstituirendenTheile gar nicht oder wenig zu unterscheiden sind. Diese Gemische ändernauf die vielfachste Weise ab, was das Qualitative und das Quantitative ihrerBestandtheile betrifft. 'Zur Trennung derselben bietet die Chemie die Mitteldar und führt uns in ihren Resultaten zu gewissen Substanzen, die keine wei-tere Zerlegung zulassen und die wrr darum, hei dem jezzigen Umfange unseresWissens , für einfache Stoffe anzunehmen gehalten sind.
Die chemischen Bestandtheile der Mineralien zerfallen in wesentliche undin zufällige.
FT/esentliche Bestandtheile sind diejenigen, durch deren Mischung das* 1Fossil seine Eigenthiimlichkeit gewinnt (Kalkerde und Schwefelsäure imAnhydrite). Keiner derselben darf fehlen , sonst finden Abnormitäten statt.Man theilt die wesentlichen Bestandtheile in vorwaltende und in charakttri-sirende. Vom cliarakterisirenden Bestandtheile nimmt man an, dafs er demFossile das Charakteristisch - Aufsere am Meisten giebt. Abgeschieden von denübrigen Bestandteilen läfst er sich nicht wohl als charakterisirender Bestand-teil denken , denn er wird es gerade in einer solchen Verbindung und mitHülfe der andern Bestandtheile. ; Daher ist es nicht notwendig, dafs dercharakterisirende Bestandteil .zugleich auch der vorwaltende ist, er ist imGegenteile oft nur in relativ geringer Menge in der Mischung (Kieselerde imKorund und Diamantspate, — Thonerde im Töpferthone, Trippei, Thon-schiefer , Zeiclienschiefer). — Indessen giebt es „Fälle, wo die vorwaltendenMischungstlieile auch zugleich die cliarakterisirenden sind (Kieselerde im■Schmaragde, Kalkerde in der Kreide).
Die zufälligen Bestandtheile können in der Mischling fehlen, ohne dafs dasFossil darum seine Eigenthiimlichkeit einbiifst (Kieselerde im dichten Anhydrite).
Eine bedeutende Zahl der chemisch gemischten Mineralien zeigt ein fixirtesVerliältnifs der Bestandtheile und unterliegt keinen Abänderungen. Zwei odermehrere Theile der Mischung stehen bei manchen, in einer bestimmten Propor-tion. Bei andern findet man Verbindungen solcher bestimmten Mischungenund noch eine driue Art läfst eine Mischung im fixirten Verhältnisse, be-merken , wozu einer oder mehrere Bestandtheile sich in nicht bestimmterMenge gesellt haben. Bei einem grofsen Theile der Mineralkörper aber ist esder Scheidekunst noch nicht gelungen, jenes fixirte Verliältnifs zu ergründen.
Die Frage : ob den Gliedern des unorganischen Reiches Individualität zu-komme ? ist häufig bestritten worden und dennoch leidet sie keinen Zweifel.Wäre es möglich, dafs die Fossilien aus mehreren Erdarten , Erzen undSäuren in durchaus willkulirlichen Verhältnissen gemischt seyn könnten, danndürfte nicht die Rede von Individualität seyn; denn eine bestimmte Stufe i:ider Natur-Entwicklung ist nur durch ein bestimmtes Mischungs- und For-men - Verliältnifs darstellbar. Dieses bestimmte Gesez der Mischung und Formkommt aber nicht blofs den belebten Körpern zu, sondern auch den unbeleb-ten. Was sich dort in ^inem bestimmten Raume in Lebens - Äufseruugeu er-giefst, zieht sich hier blofs auf chemische,^physische und mathematischeVerhältnisse zurück, die aber nicht. minder zugemessen sind, als die orga-nischen.