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Propaedeutik der Mineralogie
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Petrefaktenkunde,

Vidi ego quod fuerat quondam solidissima tellus 9Esse fretum; vuli factas nx aequo.re terras 9

-procul a pelago conchao jacuere marinae,*

Ovid . Metamorph. L. XV. v. 262 sq.

Bestimmung.

-Fossilien, welche in ihrer Form organischen Körpern oder Gebilden glei-chen und diesen die Entstehung ihrer Umrisse verdanken, sind Ver-steinerungen oder Petrefakten (P e tre fa c ta, P e t r ific a t a ,Papi des. figurati , Pap. i di o m o rp h i.) Die Untersuchung der-selben in vielfacher Hinsicht ist der Gegenstand der P etrefaktenkunde.

In der Oryktognosie kommt blos die Form der Versteinerungenin Betracht und sie werden dort als fremdartige iiufscreGestalten aufgeführt. (Vergl. S. 48.)

Z w e c k. W ichtijkei t.

Die Petrefaktenkunde gehört weder allein der Oryktognosie , nochallein der Geognosie an, sondern sie bildet einen eigenthümlichen Zweigder Mineralogie. Die wichtigste und anziehendste Tendenz dieser Doktrinist indefs bei weitem die geologische. Die Versteinerungen sind die spre-chendsten, glaubwürdigsten, untrüglichsten Urkunden und .Zeugen für jenegrofsen Erd-Umwälzungen sowie für die frühesten Thier- und Pflanzenwel-ten. Der Einflufs der Petrefaktenkunde auf die Geschichte der Erdbildungist in der That höchst wichtig und die wissenschaftliche Untersuchung derVersteinerungen gewährt in dieser Hinsicht eben soviel Vergnügen als? siefoigeilreich ist. Die Versteinerungen verbreiten- als eigenthümliche Arten,durch ihre Beschaffenheit und Vorkommen Aufklärung .über die zu einerFormation gehörigen Gcbirgslager, über die Perioden ihrer Bildung, 'mithinUber das relative Alter der Gebirgsscliichten und über ihre Entstehungsart.Diese Feeste organischer. Geschöpfe, die Epochen der Bildungs - Geschichte un-seres Planeten erläuternd, begründen Schlüsse auf, das Klima 'der Vorwelt,auf die Bevölkerungszeit der Erdoberfläche mit organischen Wesen, und aufdie eigenthümliche Natur derselben. Eindringendes, anhaltendes Forschen .inder .Versteinerungskunde wird um so bedeutender und versprechender, daviele Petrefakten ausscliliefsliches Eigenthum bestimmter Gebirgsarten zu seynscheinen , mithin für sie charakteristisch sind.

H ü 1 f s m i t t e 1,

Gründliches Studium der Petrefakten verlangt Kenntnisse in den übrigenTbeilen der Naturgeschichte besonders in der Konchyliologie undBotanik sowie in der vergleichenden Anatomie. Hierher gehö-rige Sammlungen von Konchylien , Pflanzen , Thierskeletten u. s. w. sind ebenfalls sehr wichtig und nothwendig bei der Vergleichung undBestimmung.

Perioden Inder Geschichte der Pe-trefaktenkunde.

Obgleich in früheren Zeiten der Abschnitt von den Versteinerungen denvorzüglichsten der damaligen Mineralogie ausmachte, so entartete doch wäh-rend dieser Periode die Naturgeschichte der Petrefakten häufig nur in ein un-fruchtbares Spie]werk, in ein Saronilen und Anstaunen auffallender Formen,erzeugt durch den Hang am Wunderbaren und zum grofsen Theile auch amreligiösen Fanatismus. Der Erweis der Mosaischen Sündfluth war oft dereinzige Zweck und in den Versteinerungen sähe man nur .Denkmale vondieser. Auch jezt noch ist die Liebhaberei au Petrefakten bei vielen einewahre Kuriositäten - Krämerei. Einen höheren Standpunkt erhielt die Petre-faktenkunde in neueren Zeiten, zumal durch Pallas, Camper, Merck,Blümesbach, Cuvier , Fortis, Rosenmuller , Fischer, Schlotheim ,Sömmerring, Faujas- St.-Fond , Lamarck , Parkinson , Bropchi u. s. w.Blumenbach war der erste, welcher den ungemein fruchtbaren Gedankenhatte, die Petrefaktenkunde mit der Geologie in engere Verbindung zu brin-gen und durch diese Gemeinschaft eine genauere Bestimmung des relativenAlters der verschiedenen Schichten der Erde zu gewinnen, eben dadurch

aber den Untersuchungen über die Versteinerungen ein erhabeneres Interesse«nd ihren vorzüglichsten Werth zu verschaffen.

(In Hinsicht der hierher gehörigen Schriften vergleiche die Li-teratur).

Vers t eine run

V e r steine-

r u n g s m i t t e 1. 1

Nachdem die ältesten (Ur -) Gebirge entstanden wären, und sich schonThiere und Pflanzen gebildet hatten, erlitten diese bei den folgenden Katastro-phen der Erde und bei der Formation der jungem Gebirgsarteu verschiedeneVeränderungen. Sie wurden ganz zerstört oder man trifft noch Resteund Spuren von ihnen an. Diese erscheinen i

1. Fast unverändert in ihrem Acufsern. Dies konnte indefsnur bei den ohnediels schon im Leben der Thiere steinartigen Ge-häusen statt linden. Solche fossile Konchylien zeigen noch ihre n a-türliche -Schaala, Perlmutterglanz, zuweilen noch alle Far-ben , Wie die noch in den Meeren befindlichen Originale. (Soder Nautilus^ Pompilius , der zu Courtagnon, Grignon, Chaumont fos-sil vorkommt. Er hat alle die schönen irisirenden Farben seinervollkommenen Schaale erhalten). Zuweilen finden sich Knochengrofser Landtliiere beinahe unverändert unter der Dammerde. Dieweichern Theile wurden durch die I'äulnifs zerstört. Höchst seltenwerden auch noch von ihnen Spuren bemerkt , wie z. B. an dem imJ. 1771 am Willhui im kältesten Theile von Siberien, am Fufse ei-nes Hügels, in dem dort in der Tiefe stets gefrornen Boden entdeck-ten Rliiuözeros. Es hatte noch riechende Ueberreste von Fleisch,Haut, Haaren , Fett u. s. w.

2. ICalzinirt. Viele fossile Knochen und Konchylien werden zwarverändert, aber nicht teigent.lich versteinert gefunden. Die Kalzinationbetrifft nur die festen Theile der Thiere, das Venyesliche ging zuGrund. Knochen und Konchylien büfsten ihren tliierischen Leim einstatt dessen wurden sie von Kalksinter oder Mergel durchzogen.Meist sind solche Knochen und Muschelsehaalen porös, mürb undleicht, oft übersintert, inkrustirt. Sie finden sich am häufigsten inganz jungem Flözkalke, im aufgeschwemmten Lande, im Sinter derBerghöhlen, Klüften u. s. w.

3. Als wahre Petrefakten. Sie sind ganz in Stein übergegan-gen und besizzen blofs noch die Form von dem, was sie ehemalswaren.

' Das Versteinerungsmittel selbst ist entweder eine Stein-

art und dann bald Kalkstein (am häufigsten), bäld Sandstein >bald Scliieferthon , bald ' bituminöser Mergelschiefer , bald Hornstein ,Opal, Feuerstein (Echiniten, Milleporiton) , Jaspis u. s. w. SelteneVersteinerungsmittel sind hier schwefelsaurer Strontian ( wie die Ko-ralliolithen am Monte-Viale im Vizentinisclicn und die Ammonitenin Mergellagern der Baierisclien Herrschaft Banz), Flufs (die wenigbekannten, durch violblauen späthigen'-Flufs versteinerten, Entroclii-ten aus. Deroyfhire) und Meerschaum (die schönen ganz versteinertenHeüziten im Meerschäume von Valecas bei Madrit, wie uns eineebe,iyjtngelangte Suite dortiger Fossilien zeigt). Oder das Versteine-rungsmittel ist ein verbreuniich.es Mineral, die Petrefakten sinddavon durchdrungen oder umgeben, von Bitumen, Bernstein oderdas Mittel zur Versteinerung ist ein Metall, Schwefelkies, Fahl-erz u. s. w. Das Petrefakt lieifst dann m e t a 11 i * i r t, ver-kiest. So viele Ammoniten , Echiniten, Orthozeratiten u. s. w,

Stein kerne. Spuren steine.

Viele Thiergehäuse wurden von der noch weichen Versteinerungsmasseangefüllt, welche nach dem Verhärten die völlige Gestalt des Innern der

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