Band 
Propaedeutik der Mineralogie
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Vorbereitender Theil der Oryktognosie.

A. Kennzeichen der Mineralien.

D

iese Abtlieilung befafst sich mit der genauen Bestimmung der Merkmale,

durch welche eine Unterscheidung der Mineralien in ihrem gegenwärtigen

Zustande möglich wird. Diese Merkmale werden hier in eine systematischeo

Folge gebracht, das Verschiedenartige ihrer Verhältnisse entwickelt und be-stimmte Ausdrücke dafür fixirt.

Kennzeichen der Minoi\al t e n sind alle Eigenschaften undVerhältnisse derselben, die sie von Natur schon an und für sich, oder untergewissen Umständen besizzen und welche zu ihrer Unterscheidung dienen.

Sie sind:

I. Äulsere Kennzeichen. Die sich unmittelbar der Beobach-tung darbieten (Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit).

II. Innere Kennzeichen.' Die sich erst mittelbar offenbaren.Sie zerfallen in zwei Theile.

1. Die sich nach einem vorhergegangenen Versuche unter Ein-wirkung anderer Körper äufsern , ohne cla-Js dabei die JBestand-theile der Fossilien eine merkbare Veränderung erleiden. (DerMagnetismus, die Elektrizität etc. der Mineralien).

2. Chemische Kennzeichen. Die sich unter Einwirkung chemischerReagentien darthfm , mit einer Veränderung in den Bestandtlieilender Fossilien verbunden und aus ihrer Mischung geschöpft sind.(Verhalten mit Säuern, vor dem Löthrohre etc.)

III. Kennzeichen aus dem Vorkommen. Die aus der Art,wie sich die Mineralien finden, aus den begleitenden Fossilien ( geo-gnostische Kennzeichen ), aus Gegend und Ort, wo sie zu Hause sind(geographische Kennzeichen) entspringen.

Äufsere und innere Kennzeichen sind absolute, die Mineralienhaben sie an und in sich; Kennzeichen aus dem Vorkommeni sind relat ve , denn sie sind aus den Umgebungen des Fossilsentnommen.

Die madismatische Methode nimmt drei Arten von Kennzei-chen an, nämlich physische, geometrische und chemische. Zuden geometrischen Merkmalen rechnet sie nicht blofs diejenigen,welche aus der Bestimmung der Kemgestalren und der. Gröfse derWinkel, unter welchen die Flächen der Krystalle und die Seitendieser -Flächen Zusammenstößen, sich herleiten lassen, sondern alles, 'was auf Gestaltung Bezug hat, z. B. das Bruch - Ansehen u. 1 s. w.

I. Aeufsere Kennzeichen.

Äufsere Kennzeichen sind alle,Eigenschaften der unverändertten Fossilien, welche durch blofse . Walirnebhiung erkannt werden. Es ge-bührt ihnen der erste Rang unter den verschiedenen Merkmalen, denn, ,vomAggregations - Zustande entlehnt, findet man sie nicht nur bei allen Gattun-gen und bei einem . jeden einzelnen Gliede derselben, sondern sie zeugenauch mit hoher Zuverlässigkeit von der wesentlichen Verschiedenartigkeitder Mineralien, denn mit der Änderung dei Zusammensezzung, der Mi-schung , ist notliwendig zugleich eine Änderung der Attraktion der Theile,mithin de 3 Aggregat- Zustandes verbunden. Die aufsern Kennzeichen sindferner der grolsten Bestimmtheit fällig und endlich lassen sicli dieselbenschnell und leicht auffinden, ohne dafs das Fossil eine Zerstörung erlei-det. Bei der Anwendung mufs man die äufsern Merkmale, scharf und genaufixirt und gesichtet von aller Willkühr und jedem Schwankenden, nichteinzeln, sondern so viel als möglich in ihrer Gesammtheit gebrauchen.

Man hat die äufsern Kennzeichen in allgemeine und besondereahgetheilt und zu jenen alle Merkmale gezählt, die sämmtliclieiiGattungen der Mineralien eigen sind. Der Begriff 'der besonderen, Kennzeichen hingegen wurde dahin beschränkt, daß man ihnen nur

diejenigen uuterordnete, welche von dem Grade der-Konsistenzoder des Zusammenhanges der Tlieile herrühren..

Einige dieser Merkmale, aber bei weitem nicht alle, trifft man bei je-dem Mineral zugleich an. Ans dem allgemeinen Vorhandenseyn derselbengeht indessen keineswegs ein vorzüglicherer Werth für sie hervor , denn imetl geren Sinne stehen sich alle Kennzeichen gleich, für einzelne Gattungensind jedoch einige mehr, andere weniger charakteristisch.

Merkmale, welche nicht hei einer jeden Fossilien-Gattung sich findhaben die Eigenschaft, dafs durch die Aufhebung, öder durch die Vernich-tung des einen, ein anderes zum Vorschein , kommt, ohne dafs das Mineraldadurch im Mindesten eine Änderung leidet.

Diejenigen

Die grölsere Hälfte der äußern Kennzeichen stallt, durch ein allmählichesVerlaufen , Reihen dar, welche sd beschaffen sind, dafs man aus zwei gege-benen Gliedern die dazwischen liegenden finden und über die vorausgehendenund nachfolgenden mindestens muthmafsen kann. Diese Reihen oder Suitensind entweder allgemeine, welche durch das ganze Kennzeichen durchlaufen;oder es sind besondere, die innerhalb jener sich bilden. Man nennt . sieKennzeichen- Suiten and die Merkmale, aus denen sie formirt sind, grup -pirte Kennzeichen , im Gegensaz der einfachen Kennzeichen welche stets ein-zeln erscheinen, keine Reihen zusammensezzen und in ihren Abänderungensich wenig oder gar nicht in einander verlaufen. ,

1, Die Farben.

Unter der Reihe der absoluten Merkmale ist der Farbe der erste Rangangewiesen. Denn nicht alle äufseren Kennzeichen kommen bei einer jedender unveränderten Fossilien - Abänderungen zugleich vor , aber jeder ist eineFarbe eigen,und es ist sogar klar, dafs, um ein Fossil als einen vollständigbestimmten Gegenstand der Wahrnehmung zu danken, man demselben irgendeine Farbe beilegen müsse. Die richtige' Bestimmung derselben ist indessen,zumal wegen der Mannichfaltigkeit ihrer Nnanzen, mit Schwierigkeitenverknüpft, und hierin mag wohl theilweise der Grund liegen, dafs vieleNaturforscher ihren Werth nicht zur Genüge zu würdigen gewußt haben.

.Weiuner war der erste, welcher die Farbe als äußeres Kennzei-chen der Fossilien beachtete und sie in der Gesammtheit ihres Umfangesals Unterscheidungs - Merkmal der Gattungen gebrauchte. Er hat dasSchwankende'verbannt, welches in der Bestimmuug und BeJenuungder Farben, im gemeinen Leben, wie in der Naturgeschichte, ob-waltete und zu häufigen Irrthiimern und Widersprüchen Anlafs gab.So hat dieser Theil der Kennzeichen - Lehre einen hohen Grad , vonGenauigkeit gewonnen. Andere Mineralogen, namentlich die derneueren Französischen Schule, vergönnen den Farben nicht denGrad des Vertrauen?, welche sie verdienen. Haut will die Farben"unter zweien, nach der verschiedenen Natur der Körper, welchesie besizzen, verschiedenen Gesichtspunkten, betrachtet wissen. Inmanchen dieser Körper, namentlich bei den erdigen und säurehal-tigen Substanzen, kommen nach ihm die Farben von den Massen-tlieilchen eines fremdartigen Stoffes her, welcher oft Eisen, zuwei-len auch Cliröm -oder Braunstein und dgl. ist. Diese färbendenTJieilchen sind zwischen den eigentlichen Massentlieilchen des ge-färbten Körpers' zerstreut. Daher erscheint ein und dasselbe Mine-ral z. B. Flufsspath, in manchen Stücken wasserhell, in andernhingegen abwechselnd roth, gelb, grün, violblau u. s. w. gefärbt. Insolchen Fällen sieht Haut die Farbe nur als ein zufälliges undvorübergehendes Kennzeichen an, welches ausschliefslich bei derUnterscheidung der Abänderungen eine Anwendung gestartet. Beiden metallischen Substanzen hingegen, bei den Inllammabiiien undeinigen Salzen, wird .die Zuriickwerfung' der Strahlen, welche die

Theile des farbigen

eigentlichen

Farben hervorbringen, durch dieKörpers selbst bewirkt und hängt von den Textur - Verhältnissendesselben, sotrie von dem Grade der Feinheit seiner Massentheil-clien ab. Nur in diesen Fällen will der grofse Krystallotom derFarbe eine Stelle unter den spezifischen Kennzeichen einräumen.Wir sind nicht geneigt zu widersprechen, dafs die Farbe für die'Unterscheidung der metallischen und brennlichen Fossilien am wich-tigsten seie, aber auch für eine grofse Zahl erdiger Fossiliengibt sie ein sehr bezeichnendes Merkmal ab und wenn wir gleich,wie Haut sehr treffend bemerkt, oft mehrere Arten und Nnanzenvon Farben bei einer Fossilien - Gattung finden, so tritt doch faststets der Fall ein, dafs jene Arten mul Nuanzen bei einer jedenGattung wiederum andere Suiten bilden und dadurch die Eigen-tbüinlichkeit ihres Charakters darthun.

Haüt gibt zu, dafs es nicht ohne Nuzzen seyn würde, an derSpizze einer Gattung das Kennzeichen aufzuführen, welches vondieser Modifikation, wovon die Rede ist, sich lierleiteu läfst,wenn der gröfste Theil der Varietäten dieselbe, oder eine beinaheähnliche Farbe zeigte, so dafs die, bei andern Varietäten statt fin-denden , Abweichungen, sich als Ausnahmen betrachten ließen.Da man aber häufig mehrere verschiedene Farben auf einmal auf-füliren müsse, welche., bei den mannichfaltjgeu Intliyiduen derGattung Vorkommen, so scheint es ihm, als würde dam}, derHauptzweck, die zu beschreibende Gattung auf den ersten Blickkenntlich zu milchen, verfehlt, indem gleich der Anfang der Cha-rakteristik mit einer Unbestimmtheit gemacht würde.

Aus dem Gesagten geht hervor, dafs man nicht ausschliefslichan die - verschiedenen Hauptfarben, von welchen späterhin die Redeseyn wird, bei der Bestimmung von Naturköüpern sich halten,sondern auch alle Unter-Verschiedenheiten derselben sorgsam be-achten müsse. Bei den Fossiliert, deren Farben für den erstenAnblick wenig Differenz zeigen, finden wir fast ohne Ausnahmeprogressive Reihen, so dafs diejenigen, welche min vorzugsweise

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