VII. Veränderungen der Planetenrinde.
149
Sie; erregte in diesen Verdampfung, Verminderung des Auflösungsmittelsund, als unmittelbare Folge dieser Verminderung, neue Niederschläge. Folg-lich ist die Entstehung der ersten Gcbirgsschicht zugleich als Ursache derEntstehung der folgenden zu betrachten. Es bedarf keiner neuen Hypothese,nicht der Annäherung eines Kometen, um die grofse Wasser - Verminde-rung za erklären. Erhärtung einer Gebirgsmasse und Verdampfung sind
unzertrennliche Begriffe. Je gröfser die erhärtete, oder die niedergeschla-gene Masse war, desto schneller mufste derselben ein neuer Niederschlagfolgen. Je mehr Niederschläge vorhergegangen waren, desto erwärmtermufste im Ganzen, der Rest des Menstruums seyn. Denn es ist sehr wahr-scheinlich, dafs in einzelnen Fällen, selbst bei einer erhöhten Temperatur,die chemischen Anziehungskräfte der sich bildenden neuen Gebirgsschichtenso balanzirt wurden, dafs ihre Bildung oder Absonderung nur sehr langsamerfolgte und dafs während dieser Zeitfrist die Auflösung sich von neuemerkältete. Mannichfache geognostische Erscheinungen deuten auf diese Zwi-schenepoche hin. In den primitiven Gebirgsarten, welche , als die zuerstniedergeschlagenen, in einem kühleren Medium entstanden, erkennt maneinen ruhigem krystallinischen Anschufs. Die späteren Flöz - Gebirge hinge-gen , bei deren Bildung das Medium bereits eine hohe Temperatur gewon-nen hafte, tragen ein mehr erdiges Ansehen, als Folge mechanischer An-schwemmung. Zü der Zeit, als die lezteren erhärteten, war das Menstruumzu sehr erhizt. Eine zu grofse Menge von Anziehungskräften wirkten zugleicher Zeit, als dafs die gleichartigen Elemente sich hätten ruhig abson-dern können. Demungeaclitet erscheinen , obgleich nur als Ausnahmen , mit-ten in der Reihe neuer Gesteiiisarten, Schichten von krystallinischem An-schüsse, so im dichten Jura-Kalksteine körnig - blätteriger Kalkstein, Gyps ,Stinkstein. Der Bildung dieser dürfte jene Ruhe, jene Abkühlung vorher-gegangen seyn, deren oben gedacht worden. Wird in der Entbindung desWännestoffes ein Grund von der verschiedenen Mischung der Ur- und Flöz-Gebngsarten bemerkt, so Tnufs dieselbe bei der ursprünglichen Porosität derFossilien noch um vieles wirksamer gedacht werden. Mit dieser ursprüng-lichen Porosität mufs man die sekundäre nicht verwechseln. Leztere, siesei eine Folge der. Auswitterung eingewachsener Mineralkörper, oder derEinwirkung des Feuers,'ist unendlich später, als die Formations - Epocheselbst. Die erstere ist dieser Epoche gleichzeitig. Sie' verdankt ihr Daseynden chemischen und mechanischen Kräften selbst, welche bei der Erhärtungsich thätig zeigten. Nimmt man Wärme - erzeugende Niederschläge aus einemallgemeinen chaotischen Menstruum an, so mufs, zumal wenn die Tempe-ratur schon mächtig erhöht ist, eine grofse Menge elastischer Dämpfe' er-zeugt werden. Das Menstruum selbst geräth in ein Aufwallen, dessen Spu-ren sich eben so sehr an der Form und Richtung der Gesteinschichten, alsan ihrer Dichte erkennen lassen. Beim Niederschlage von Erdmassen su-chen Dampfe zu entweichen; die noch weiche Masse bläht sicli auf; esbilden sich theils Zellen und kleinere Öffnungen, tlieils weite Durchbrüche,Höhlen. Viele Quadratmeilen in Deutschland sind mit Sandstein- und Kalk-steinflözzen bedeckt, welche schlackenartig, wie Laven, durchlöchert sind.Bei den genannten Gebirgsarten -— bei jenen nämlich nur da, wo ein kalk-artiges Bindemittel vorhanden ist, —- mag die durch Wärme entweichendeKohlensäure mitwirksam gewesen seyn; doch ist diese Wirkung nur örtlich.Gerade die poröse Formation, welche am meisten für die entwickelte Hypo-these zeugt, welche am allgemeinsten über den ganzen Erdkörper verbreitetistp die neueste Trapp - Formation, findet man fast völlig leer von kohleu-sauren Fossilien. Die blasige , zellige und dabei gar nicht verglaste, sondernerdige Grundmasse so vieler Basalte und Mandelsteine scheint aus einemeihizten aufschäumenden Medium entstanden zu seyn.
Bei diesen hypothetischen Betrachtungen über die Entbindung des Wärme-stoffes wird nicht die Existenz eines tropfbaren Mediums vorans^esezt; die
CI
Entbindung mufste vor sich gehen, wenn auch dieses Medium anfänglich ineinem gasförmig elastischen Zustande war. In jedem Falle hat die Erhär-tung der Gebirgsrnassen einen wichtigen Einflufs auf die Bildung des Dunst-kreises gehabt. Die in den Flöz - Gebirgen vergrabenen organischen Stoffezeugen von der Existenz eines tropfbaren Fluidums, des Wassers, in wel-chem die Niederschläge statt fanden, und die Analogie zwischen Flöz- unduranfänglichen Gesteinschichten macht ein Gleiches auch fiir die lezterenwahrscheinlich. Ein Theil des Mediums wurde zersezt, während dafs dieTemperatur desselben sich allmählig erhöhte und während dafs die aufge-lösten, sich .abscheidenden Grundstoffe ihre Anziehungskräfte gegenseitigund gegen das Medium übten. Mit den aufsteigenden Dämpfen gingen luft-förmige Stoffe Uber, und der Dunstkreis gewann eine neue Mischungund neue Schichten. Diese allmälilige Zunahme, welche' nicht gleicli-mäfsig über den ganzen Erdkörper statt hatte, modifizirte wiederum dieLeichtigkeit der Verdampfungen,. Wenn das Medium von höheren und
dichteren Schichten gedrückt war, so nahm dasselbe eine höhere Temperaturan. Die Veränderung des Anflösungsmittels geschah langsamer, die Nieder-schläge bildeten sich allmähliger und so liegt in diesen Verhältnissen derAtmosphäre -ein neuer Grund, warum die Formation der Gesteinschichtennicht immer mit zunehmender Geschwindigkeit vor sich ging, warum rei-nere und unreinere Anschüsse krystallinische und erdige Massen mit einan-der abwechseln. (Humboldt,)
VII. Veränderungen der Planetenrinde.
Die physische Geschichte unserer Erdkugel lehrt uns gewisse Zeiträumekennen, oder mindestens ahnden, in welchen der ruhige Zustand derselben,durch einen gewaltsamen Konflikt feindlicher Kräfte, für eine Epoche vonkürzerer oder längerer Dauer schauderhaft unterbrochen ward und auf welcheirgend eine wesentliche Veränderung in einem Tlieile des grofsen Ganzen er-folgte. Diese Veränderung deutet sich durch Zerstörung und Umbildung an.Wasser, Luft, Feuer und Schwere sind diewichtigsten, Agentien der, mechanisch oder chemisch , durch Zerstörung,Bildung und Umformung auf die Erdrinde wirkenden Ursachen.
1. Wirkungen des Wassers.
Von dem Momente an, wo bei der Bildung unserer Erdkugel die At-mosphäre sich absondevte, begannen auch sofort die in lezterar enthaltenen*Flüssigkeiten auf die Oberfläche des Planeten zu wirken und diese Wirkun-gen haben bis jezt eine nicht unterbrochene Dauer gehabt
Unverkennbar ist die chemische Affinität, welche manche Sub-stanzen des Erdballs gegen gewisse Bestandteile der Atmosphäreäufsern.
Das Wasser findet sich unter gedoppelter Gestalt:
t r op f b a r - fl ii s s i g, in den Meeren, Strömen, Bächen u. s. W. MitWärmestoff verbunden erhebt es sich aus diesen Behältern in diehöheren Regionen des Luftkreises und erscheint sodann hier, durchdie elektrische Einwirkung der Atmosphärilien,gasförmig, als expansibles Fluidum , das , nach einer kürzerenoder längeren Zeit, durch besondere Veranlassungen von den Gebir-gen angezogeu und seiner elektrischen Spannung, sowie seines Wär-mestoffes beraubt, in tropfbar-flüssigem Zustande auf die Erde zu-rückfällt , theils unmittelbar in die Meere, Ströme u, s. w., theilsauf das feste Land, wo es, durch die obern Schichten des Erdkör-pers eingesogen, als Quelle von Bächen und Flüssen zu Tagekommt und so den gröfsern Wasser - Behältern zugeführt wird.
Diesen steten Kreislauf unterhält der Wechsel der Affinitäten des Wär-mestoffes und des elektrischen Flüssigen und beide müssen als Ursachen derverschiedenen Veränderungen in der , Atmosphäre gelten, sowie der damitverbundenen Modifikationen der Temperatur.
Man unterscheidet die Wirkungen des Wassers auf die Planetenrindenach dem zerstörenden oder bildenden Einflüsse, welchen sie be-haupten.
A. Zerstörende Wirkungen,a. Auf mechanischem Wege.
Sie finden statt:
1) An und für sich, oder unmittelbar, durch Stofs und Fort-schwemmung. Der Einflufs des Stofses ist um so gewaltiger, je gröfser beieiner Flutli die fortströmende Wassermasse ist, je mehr Tiefe ihr Fall hat.
Hierher gehören:
Regenf-Iuthcu; anhaltende Regengüsse erweichen Felsenwändeund schroffe Gebiige Stärkere Finthen — Gewitterregen,W o 1 k e n b r ii ch e entblöfsen ganze Gegenden bis auf das festeGestein von ihrer Dammerde und führen diese mit sich fott. Siereissen mächtige leisen - Parthieen los, bilden Schluchten, Wasser-risse u. s, w.
In Gebirgs - Gegenden , wo die Wassermenge mehr zusammenge-drängt ist und einen stärkeren Fall hat, sind jene Wirkungen hefti-ger , zr.mal wenn durch verwitterte und lockere Gesteine das Ein-dringen der Fluthen begünstigt wird.
Die Wasser schwemmen die losgerissenen Massen mit sich hin-weg und legen sie, den Gesezzen der Schwere gemitfs , allmähligwieder nieder.
Geschiebe, Kiesel, Grufs,, Sand, Schlamm.
Nehmen Flüsse , besonders reissende, solche Flutlien oftnialsauf, so entstehen immer neue Einschnitte und nach und nach er-folgt , durch die stets gröfser werdenden Auswaschungen, einevollkommene Veränderung des Flufsbettes.
In hohen pralligen Gebirgen sieht man nicht selten ganze StückeGebirge sich lostrennen und einstUrzen.