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Propaedeutik der Mineralogie
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XVIII. Allgemeine Lagerstätten.

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Theile der zerstörten Ganzen der Urgebirge aufgenommen haben, die sichunter chemischem Niederschlage zugleich mechanisch absezten.

Hier treffen wir Versteinerungen eigener Art, nämlich ron sol-chen Geschöpfen, welche auf einer niederen Stufe der Organisationstanden, Zoopliyten, Krustazeen u. s. w. deren Urbilder zumTheile gar nicht mehr nachgewiesen werden können und die deut-lich« Zeugnisse von einer nntergegangenen organischen Welt geben.

Nach vollendeter Hauptbiidung der Übergangs - Gebirge und dem all-rnälilig erfolgten Zurückzuge des Gewässers, welches wir aus der gleichför-migen Lagerung der Glieder dieser Periode erkennen, mufs ein nochmaligesAnsteigen des Wassers stattgefunden haben. Eine Reihe jüngerer Über-gangs-Gebirge erscheint in abweichender und übergreifender Lagerung überden älteren. Ein Glied der ersteren ist aus zusammengebackenen Trümmc-rnder lezteren gebildet, bei den übrigen findet man eine so rein chemischeAusscheidung, als die Urgebirgsarten kaum bemerken lassen, mithin mufsbeim Stande und beim Abzüge der Gewässer Ruhe obgewaltet haben. Diesejüngeren Übergangs - Gebirge umschliefsen keine Versteinerungen.

Noch eine dritte Unter-Periode des Übergangs - Gebildes läfst sich fixiren.Man sieht die Glieder derselben auf den älteren Übergangs - Gebirgen, ohnebewährte Stufenfolge, abweichend und muldenförmig gelagert. Sie wechselnhäufig mit einander ab und sind im Ganzen von geringer Verbreitung, auch dieMächtigkeit ihrer Schichten ist . nicht bedeutend. Theils zeigen sie von denälteren ganz verschiedenartige Gemengtheile, theils haben sie mit jenen vielAnaloges. Sie nehmen versteinerte Seethiere in sich auf, Bewohner des Ge-wässers, welches in den hohen, durch hervorragende Gipfel begrenzten, Ver-tiefungen nach der Bildung der älteren' Uebergangs - Gebirge stehen geblie-ben war.

Auch das Hervortreten des Kohlenstoffes ist für die Uebergangs - Periodesehr bezeichnend.

Andere Naturforscher , reich an Scharfsinn und von bewährtenKenntnissen , wollen , nach neueren Beobachtungen, die Uebergangs-Gebirgsarten nirgends in abweichender, oder in abweichender undlibergreifender Lagerung auf den Urgebirgsarten , sondern vielmehrüberall, wo sich das gegenseitige Verhiiltnifs beider beobachten liefs ,in gleichförmiger Lagerung auf diesen gefunden haben. Hiernachwürde die Trennung des Uebergangs-Gebirges vom Urgebirge, unddie Annahme zweier besonderer Epochen ihrer Bildung wegfallen.Denn wollte man annehmen : die sogenannten Uebergangs - Gebirgsar-ten seien die lezten in jener Reihe gleichförmig auf einander folgenderBildungen, und ständen durch ihre unkryställinische Natur von denvorangehenden kristallinischen Urgebirgsarten hinlänglich gesondert;so würde dieses einmal der Theorie der Lagerungs - Verhältnisse auf-fallend widersprechen, und dann durch die Beobachtung widerlegtwerden, daß Glimmerschiefer und Gneifs gefunden worden sind,welche in gleichförmiger Lagerung auf das, durch ausgezeichneteGrauwacke charakterisirte, Uebergangs - Gebirge folgen. ^ '

3. Flöz-Gebirge.

Die Flöz-Gebirge verdanken ihr Daseyn einer allgemeinen, über dieganze Erde sich erstreckenden, Revolution. Wir finden in diesem Zeiträumekeine durch innere Kräfte neu hervorgebvaclite Stoffe. Alles was hier .sichabsezte, war friiherhin bereits bildende Masse eines Tlieilganzen der Planeten-rinde. Die Absezzimg der Gebirgsarten folgte nicht mehr den Kräften derAnziehung, es senkten sich vielmehr die, in der Auflösung schwimmenden,Massen nach ihrer Gröfse und nach dem Verhältnisse ihrer Anziehungs-Sum-men gegen das grofse Ganze des Erdkörpers. Der Zustand, in welchem diefeste Erde sich während dieser Periode befand , hatte mit dem gegenwärtigenWeit mehr Analoges , als mit jenem der Urzeit.

Die Entstehung der Flöz - Gebirge nacli der ersten Vegetation istunverkennbar. Es treten Versteinerungen hervor, deren Urbilderwir noch darzuthun vermögen. Es werden Überreste des Pflanzen-reiches in gewaltigen Massen getroffen. Der Kohlenstoff erscheintin gröfseren Lagen. Ferner bestimmt auch das Kalkartige vorzugs-weise den Charakter der Flözzeit, man findet es in grofser Verbrei-tung um die ganze Erde.

Die Flöz - Gebirge sind , was ihre Zusammensezzung betrifft, bei weitemgröber und mechanischer, als die Gebilde der Ur - und der Übergangs - Pe-rioden. Es ist ihnen eine deutlich - erkennbare Schichtung, von homogenerRegelmäfsigkeit in der Stufenfolge, aber von geringer Mächtigkeit eigen. Ihräufseres Ansehen ist sanft; auch findet man sie nicht von tiefen Thälerndurchschnitten.

Sie erscheinen in den Thälern und am Fufse der Urgebirge unmittelbarauf den Gliedern dieser Zeit, oder auch auf denen der Übergangs - Gebirge,da, wo jene von diesen überlagert werden. Ihre Lagerung gegen die älterenGebilde ist fast stets abweichend, die gleichförmige gilt nur als zufälligeAusnahme. Unter sich zeigen sie hingegen immer eine gleichförmige Lagerungmit abfallendem Niveau des Ausgehenden.

Das Flöztrapp-Gebirge allein macht hiervon eine Ausnahme, in-dem es, theilweise mit sehr hohem Niveau, über die höchsten Geb rgspunkteWeggelagert erscheint und uns berechtigt eine Zurückziehung der ersten Was-

ser-Bedeckung und ein nochmaliges Ansteigen der Fluthen bis zu höherenPunkten der älteren Gebirge aiizunekmen, wobei uothwendig eine Zerstö-rung mancher, noch nicht vollkommen erhärteter, Massen erfolgen muhte.Die ältesten und tiefsten Flözze jener zweiten Wasser - Bedeckung zeigen vielMechanisches. Sie umschliefsen noch häufige Ueberreste aus dem Gebiete derorganischen Welt., zumal Pflanzen. Die jüngsten und obersten Glieder der-selben hingegen sind unverkennbar reiner chemisch ausgebildet als jene, je-doch in einem niederen Grade, als die Erzeugnisse der Urzeit.

Im Grofsen erscheinen die Flöz - Gebirge sehr zusammengesezt, denn ineinem und demselben Gebirge finden sich meist verschiedene Gesteine in La-gern oder Flözzen abwechselnd, aber das Eine dieser Gesteine ist dennoch stetsdas bezeichnende und wesentliche; nach ihm erhält die Gattung den Namen,die übrigen müssen als untergeordnet angesehen werden.

Im Kleinen findet das Gegenthe.il statt. Hier stellen sich die Ge-birgsarten weit einfacher dar als jene' der Urzeit, und wenn eineZusammensezzung eintritt, wie dies namentlich hei der Trappforma-tion zu bemerken ist, so dauert sie dennoch in der Regel nichtlange.

Die Floz-Gebirge zeigen ferner nicht das bestimmte Uebereinanderliegen,welches den Erzeugnissen der Urzeit eigen ist. Man sieht sie zwar in derRegel auf diese abgesezt, und sie dienen wiederum den aufgeschwenlmtenGebirgen zur Unterlage, aber zuweilen erscheinen einzelne Parthieen vonFlöz - Gebirgen über aufgeschwemmtem Lande, und mitten im Urgebietetrifft man, theils auf sehr erhabenen Punkten, isolirte Flöz - Gebirge.

Die Flöstrapp-Fornntion ist ein vorzüglich merkwürdigesGlied der Flöz - Gebirge. Sie findet sich über alle älteren Gebilde,bis zu einer gewissen Höhe, meist kuppenförmig gelagert. Seltenin fortdauernder, fast stets in unterbrochener, abgebrochener, ab-weichender und übergreifender Lagerung. Obgleich meist auf ein-zelne, oft weit von einander entfernte, Punkte versammelt, erstrecktsie sielt dennoch um die ganze Erde herum., zumal ist sie um dieTropenländer angehäuft. Dieses deutet zwar eine Kontinuität derBildung an, aber sie wurde, in Gefolg der ihr vorzugsweise ei-genen leichten Verwitterbarkeit, stets wieder zerrissen,. Dieses Ge-bilde zeigt liberal] dieselben Verhältnisse und charakterisirt sichdadurch als eigene zusammenhängende Formation. \

In ihrer Lagerung und in ihrer Zusammensezzung verhält siesich auf gleiche Weise. Es besteht nämlich die Formation selbst 1aus Gesteinen sehr verschiedener Art, aber die Verbindung allerdieser Massen ist durfchaus dieselbe und für die Formation bezeich-nend. Alles deutet bei ihr darauf hin, dafs sie auf eine von denübrigen Gebirgen ganz verschiedene Weise mufs entstanden seyn. ,Einer außergewöhnlichen Expansion dürften mächtige Zerstörungenzum Grunde liegen und aus diesen scheinen sich nachher die Gebirgegebildet zu haben. Aus jenen Ursachen nahmen die mechanischenNiederschläge hier die tiefsten Punkte ein, sodann erst folgten diechemischen, welche wir alle auf die jüngsten Flözschichten gelagertfinden und die demungeachtet über die höchsten Stellen hinweggehen'-Für ihre unbezweifelte Entstehung|auf nassem Wege sprechen dieThon- und Talktheilchen , we che die Trapp - Formation häufig ein-gesprengt enthält, und die durchaus keine Feuer - Produkte seynkönnen, die Lager von Braunkohlen und von bituminösem Holze, welcheunter und in ihr liegen, die Sand- und Thon- Lager, worauf sieruhen u. s. w-

4. Vulkanisches Gebirge.

Die vulkanischen Gebirge sind Erzeugnisse des Feuers. Ihre Bildungsezt mithin das Daseyn eines Brennstoffes voraus und da wir diesen erst inden Flöz-Gebirgen deutlich hervortreten sehen, so ergibt sich daraus, dafs dievulkanischen Gebilde denen der Flözzeit im Alter nachstehen.

Unverkennbare Merkmale einer trockenen Entstehung, einer hö-heren oder geringeren Einwirkung des Feuers, tragen alle Produktedieser Klasse.

- Das Zackige und Zerklüftete ihrer Gestalten , ihr trockenes , blasi-

ges , schlackenähnliches Ansehn , der hohe Grad ihrer Sprödigkeit undLeichtigkeit sind bezeichnend für sie, so wie der Umstand, dafs sie,im Feuer behandelt, an ihrer Schwere nichts verlieren.

Die äufseren Kennzeichen sowohl als die inneren Bestandtheile derLaven erleiden Modifikationen nach der Verschiedenheit des Gradesder Einwirkung des vulkanischen Feuers und nach der Mannichfaltig-keit der Materialien, welche sich ihm zur Bearbeitung darboten.

a. Pseudo-vulkani.se he Gebirge. Die Bildung durch das Feuergeht mit Ruhe vor sich. Die von den Pseudo -Vulkanen bearbeiteten Gebirgs-arten sind ursprünglich alle auf nassem Wege' entstanden und waren schonvorher an derselben Stelle vorhanden, wo wir sie jezt finden- Es hatteblofs c-iiie pyrotypische Umänderung statt.

Diese Gebirge verdanken ihren Ursprung ohne Ausnahme entzün-deten Steinkohlenflözzen. Mit den ruhigen Vulkanen haben sie vielAnaloges. Sie bilden höchstens hügeliches Land, nur hin und wie-der sezzen sie Felsehparthieeiv von geringer Bedeutung zusammen.

Am häufigsten finden wir sie in niedrigen Gegenden, in Kesseln undVertiefungen.

Ihre Lagerung ist stets etwas verworren, man erkennt aber demungeach-tet meist noch das ursprüngliche Seyn der Fossilien, welche das Feuer bear-beitet und zu Erzeugnissen der Pseudo-Vulkane umgeschaffen hat.