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XXIII Die Vulkane.
3 „Ist der konische Berg eines Vulkans ganz von Materien gebil-
det, welche durch .wiederholte Ausbrüche geschmolzen und aufge-häuft wurden, oder enthält er in seinem Mittelpunkte einen Kernvon Urfelsen, welche mit Lava bedeckt, sind, die .selbst wieder dasnämliche, durch Feuer veränderte, Urgebirge sind? Welche Bandeknüpfen die Produkte der neuen Vulkane an die Basalte, an diePhonoliche und an jene Porphyre mit einer Grundlage von Feldspath ohne Quarz, von denen die Kordilleren Perus und Mexiko's , sowie die kleinen Gruppen des Mont d'or f des Kantais und des Me-tten in Frankreich bedeckt erscheinen ? Wurde der Zentralkern derVulkane an seiner Stelle erhizt, und während eines Zustandes vonEr neichung durch die elastischen Dünste erhoben, ehe diese Flüs-sigkeiten durch eineu Krater mit der äufsern Luft in Verbindungstanden ? Welches ist die Substanz , die seit Tausenden von Jah-ren diesen, bald so langsamen, bald so tliätigen, Brand unterhielt?Wirkt jene unbekannte Ursache in einer uuermefsiiehen Tiefe, oderfindet der chemische Prozefs in den sekundären, dem Granite aufge-lagerten , Felsen statt ? “ ( Humboldt. )
B. Die. Bedingung der Entzün-
dung.
Als äufseie Ursache ein Blizstrahl, als innere die S el b s t - E n t z ü n-d u n g kies - oder alaunhaltiger Braunkohlen, durch das Hinzudringen des.Wassers begünstigt.
C. Die Schmelzung der Fossi-lien , w e 1 c h e den entzündungs-fähigen Substanzen als Decke
’’ 1 dienen.
Hierher zumal die, den Stein - und Braunkohlen so häufig übergelager-ten, Basalte und Wacken , bei welchen eine eigene Leichtflüssigkeit zustatten kommt.
D. Der Z u,.t ritt des W assers zumvulkanischen Heerde.
Zutritt der Gewisser aiis dem Meere, — 1 (es ist Charaktervieler Feuerberge, und besonders der der alten Welt, dafs .sie isolirt an den
Küsten und auf Insein sich finden,)-von aufgethautem Schnee
Und Eise, — (wir, wissen, dafs die Thätigkeits - Periode der Vulkane Is-lands meist in der-Jieifsen Jahreszeit eintritt,)-- von Flüssen und Seen,durch Ansammlung von Wasser in den Höhlungen des Vul-kans, — (den Ausbrüchen der Italienischen Feuerberge geht sehr oft nasseWitterung voraus, ) —- u. s. w.
Man hat zwar in neuerer Zeit angefangen sehr gegründete Zwei-fel über die direkte und konstante Verbindung zwi-schen dem Meereswasser und den Ileerden des vul-kanischen Feuers zu erheben, allein die . Thatsaclie darf dochnicht als blofs. zufällig angesehen werden , dafs man bis jezt inder alten Welt keinen einzigen wirksamen Feuerb^rg aufzuweisen ver-mag, der . mehr als 10 Meilen von den Küsten entfernt gewesenwäre. Anders verhält es sieh mit den Vulkanen der neuen Welt.Hier finden sich die Feuerberge meist in beträchtlicher Entfernungvom Meere.
Der Jornllo liegt 16 Meilen von den Küsten ab und mehr als 42von irgend einem noch th'ätigen Vulkane*
Nicht in diesem Umstande allein, sondern in dem Allgemeinenihrer Phänomene, Wirkungen und Erzeugnisse sind die Vulkaneder neuen Welt von denen unterschieden , die wir in Europa ken-nen. Auf Manches i st bereits im Voz*h ersehen den hingedeutet Wor-ts D
den und Vieles wird im Verfolge noch entwickelt werden. *
Was die Lage der Feuer berge betrifft — isolirt, od^rauf Inseln von kleinern Umfange <—. so sieht man aller-dings in Europa und in Asien , soweit man das Innere dieses leztenKontinents kennen gelernt hat , keinen brennenden Vulkan in einerKette von Bergen . Alle sind mehr oder weniger davon entfernt,
i Der Aetna, der Pik der Azoren , die drei Salazes derInsel Bojurbon und der ganze Archipel von Vulkanen, welche dasIndische Meer und der grofs© Ozean ein schließen.
In der neuen Welt aber machen die, durch ihre Masse so impo-nivenden, Feuerberge einen Theil der Kordilleren selbst aus. Au£diese grofse Höhe der I^age und auf die ataächtige Schneedeckeist hauptsächlich die Verschiedenheit der Amerikanischen und derEuropäischen Vulkane begründet.
Der gebirgige Theil des Königreichs Quito » ein Plateau'vonsehr beträchtlicher Ausdehnung und einer Höhe von 8 — 9000 Fijfs,lafst sich als ein einziger Feuerberg ansehen, dessen einzelne freie Spit-zen man durch besondere Namen kenntlich gemacht 1 hat- Was maiimit dem Ausdrucke der Vulkane von Tungurahua, von Koto-paxi , von Pichincha bezeichnet, »sind sehr wahrscheinlich nurdie'Spizzen des nämlichen Feuerschlundes' Daher die .Erschütterungen,jnit einem gräfslichen unterirdischen Donner begleitet, welche man anallen Punkten wahrnimmt; daher die Erdspalten , weiche sich, fernvon den einzelnen Kegelbergen Öffnen, und dieselben Erzeugnisse aus-werfen, die aus ihren Vulkanen selbst hervorbrechen.
Die Glimmerschiefer - und Gneifsborge von Peru und von New*Granada berühren itn mittelbar die vulkanischen Porphyre der Pro-vinzen Quito und P a s t o. Südlich und nördlich von diesen Gegen-v den , in C h i 1 i und im Königreiche .Guatimala , sind die thlitigen* Vulkane reihenweise gestellt. Sic sezzen gleichsam di« Kette der Ür-
gebirge fort, und wenn das vulkanische Feuer in .einer von den Kor-
7 diileren entfernten Ebene durehgebrochen hat, wie bei zwei Feuer-
bergen der Provinzen Quixos und Mechoakan, dem San gayund dem Jorullo» so mufs diese Erscheinung als eine Ausnahmevon dem Geserze betrachtet werden , welches siph die Natur in die-sen Gegenden aufgelegt zu haben scheint. (Humboldt.)
Eben so merkwürdig ist es, dafs man verlöschte ^Feuerbergefindet, die vom Meere umringt liegen. ^
Die Inseln Ischia , Prozida und Ponza.
Manche Vulkane haben in ihrem Innern gr.ofse Höhlungenwelche mit atmosphärischem, von blofser Infiltration herrühren-dem , Wasser angefüllt sind.
Die Feuerberge der Anden, des Eirundes Euzon und wahr-scheinlich auch der Pik auf Teneriffa gehören hierher.
E. Veranlassung des Au fst ei-gens und Ausströmens der ge-schmolzenen Stoffe aus derMündung des Kraters.
Verwandlung des Wassers in Dämpfe; Menge der e x-pandirten gasförmigen Massen, welche die Laven von sich weg-stof-icri, sie bis zum offenen Schlunde erheben und über den Rand des Kra-ters hinunter, treiben. ,
Ohne erhobene Lava ist keine Eruption in ihrer Vollständigkeitmöglich. Die Dämpfe gehen, wenn sie fehlt, frei zum grofsen 1Krater hinaus. Es findet keine Verdichtung, keine Versammlungderselben statt, daher keine Ursache zu Explosionen, Das Hydro-gen steigt vielleicht in kurzer Zeit nach seiner Ei»oi t g U ng alsleuchtende Feuersäule aufwärts.
Aus diesem Grunde bann die Intensität des vulkanischen Feuersnicht immer gleich grofs seyn , und Feuerherge, deren Wirkung niebedeutend war, können in ihrem Innern ein« n ungeheueren Zer-störungsstoif verbergen.
2. Siz des vulkanischen Heerdes.
Was den Vulkan unterhält, ist nicht immer zugleich die Ursache derAusbrüche. Der Siz seines Heerdes kann wohl schwerlich im Feuerbeigeseyn. Im Kegel nicht, weil man bei manchen Vulkanen schon die ganzeinnere Höhlung desselben gesehen hat, und ebenso wenig in der unterenHälfte des Beiges, weil dann eine Verbindung der nahen Gewässer mit demFeueiiieerde des Vulkans nicht denkbar wäre. Auch ist der ganze Konusselbst nur aus dem Innern ausgeworfen, daher mufs das vulkanische Feuer,die Hebungsursaclie, noch ungleich tiefer liegen, wahrscheinlich in weiterTiefe unter dem. Fufse des Berges, und was im Heerde vorgeht, ist viel-leicht sehr verschieden von dem, was unter dem Boden des Kraters wirkt.Je tiefer indessen der Feuerheerd des Vulkans in der Erde liegt, um solebhafter mufs der Windofen vermöge des Luftzugs wirken. *
Die Ausbrüche sind Folgen einiger neuen, zu den Wirkungen desFeuerquells tretenden Bedingungen. Vielleicht findet bei diesen Wirkungen,selbst bei den heftigsten Ausbrüchen, durchaus keine Veränderung statt unddarum ist die Eruption von der unmittelbaren Wirkung der vulkanischenUrsache wohl zu unterscheiden.
Jene, welche die Berge erhebt und sich als Lava oder AscheUber die Umgegend verbreitet, könnte -man den äufsern, diese,welche in der Tiefe verborgen liegt, den inneren Vulkan neunen.
3. Zeiträume der Eruptiöns-Phänomene.
Alls vulkanischen Wirkungen theilen sich in Explosionen des einzelnGeschmolzenen und in zusammenhängenden Ergufs des in grofser Mengeflüssig Gewordenen. Dieses sind die Hauptmorriente. Jeder Ausbruch istvon Erscheinungen begleitet, welche ihm ausschliefslich eigen und oft denschon vorher beobachteten ganz unähnlich sind. Allein die Gesammeltenjener Phänomene — welche, wie uns die noch gegenwärtig tliätigen Feuer-bergebelehren, gleichzeitig eintreten, auf einander folgen, mit einander abwech-sel n, einander gegenseitig aufheben und zerstören, sonach ein Entstehen undVerschwinden der verwickeitesten Resultate herbeizuführen geeignet sind —gestattet demungeachtet ein Ordnen in gewisse Zeiträume, die man in jedemAusbruche wieder erkennt, von denen stets die eine als nothwendig be-dingte Folge der anderen erscheint und die mithin gleichsam den Charaktervon Eruptions - Gesezzen gewinnen.
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