Band 
Propaedeutik der Mineralogie
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189
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XXX. Das Bereisen der Gebirge.

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2. Beobachtungs-Objekte nach der Ver-schiedenheit der Erdoberfläche undder Gebirgsarten.

A. N a c h der Verschiedenheit derErdoberfläche,

a. Bei dem Bereisen der Gebirge.aa. Im Alpen - ' und hohen Ketten - Gebirge.

1) Der Bau des Gebirges im Ganzen ist das erste,was eine Beachtung verdient. Dabei ist zu sehen : auf die Erstrek-kung des Gebirges in Länge und Breite; auf den Zusammenhang derGebirgsarme unter sich; auf die Theilung der Gebirgszüge durch Län-genthäler ; auf die Verflachung der einzelnen Züge nach beiden Seiten;auf die Punkte, wo die Gebirgszüge durch Querthäler durchschnittenwerden und auf die Gebirgspässe, die Thalpässe oder Scheitelpässe sind.

2) Höh en-Bestimmungen. Wo keine trigonometri-sche Vermessungen vorhanden sind, kann man nur mit- dem Baro-meter die Gebirgshöhen bestimmen. Man iixirt :

a. die höchsten Punkte im ganzen Gebirge;

b. die höchsten Punkte jedes einzelnen Gebirgszugs;

c. durch die Beobachtung mehrerer Höhen auf einem und demsel-ben Zuge, die allgemeine Höhe dessalben im Durchschnitte gegendie der daneben liegenden Züge;

d. die Höhe eines Punktes gegen dun andern, wenn dies nöthig

ist, um ein geognostisches Verhältreifs zwischen beiden Punkteilauszumitteln; u

e. die Höhe, in welche die BougiSf,A sche untere Schneegrenze fälleund diese hängt zusammen:

3) mit dar Bestimmung der ganzen Schnee- -ebene eines Gebirges und ihrer verschiedenen Krümmungen.

4) Hat man die Verhältnisse der Vegetation zu beobachten und zwar:

a. in welcher Höhe Bäume, Sträucher und andere Pflanzen aufhören

Blumen zu tragen ; '

b. wo die Alpenpflanzen anfangen;

c. wo die Nadelhölzer anfangen, als Knieholz, und die Birken, alsZwergbirken ( Betula nana) zu erscheinen ;

d. wo, die Vegetation ganz aufkört oder höchstens noch Laub-und Lebermoose gedeihen.

5) Genaue Beobachtung des Wachsens undder Abnahme der Gletscher, vorzüglichdurch die Moränen (d. h. die durch die Gletscher an deren Randangehäuften Steinhaufen).

6) B e o b a c h t u ,ng der Gebirgsarten undFormationen, aus denen jeder einzelne Gebirgszug zu-sammen gesezt, ist... Man hat dabei zu, bestimmen:

a. die herrschende Gebirgsart jedes Zuges; |-

b. solche untergeordnete Lager, welche sie charakterisiren unddie überall erscheinen ;

c. das Verhältnifs der Formationen gegen einander in den verschie-

, denen Zügen;

d. ob sich eine Gebirgsart mehrmals im Gebirge wiederholt, odernur einmal erscheint;

e. welches die charakteristischen Formationen für das ganze Ge-birge sind; ^

f. ob eine Formation unter besondern abnormen Verhältnissen er-scheint ;

g. ob im Gebirge zwischen zwei Gebirgs-Formationen ein ganzes sonstgewöhnliches Mittelglied fehlt, oder ob eiu anderes an seine Stellegetreten ist.

7) Verdienen in Alpen die sogenannten Hörner und Kämme noch einebesondere Aufmerksamkeit, nicht allein wegen der äufsern Gestalt,sondern auch wegen der eigenthiimlichen Gebirgsarten, woraus siezum Theile bestehen und wegen dien zerstörenden Wirkungen der At-mosphärilien, die man an ihnen am deutlichsten sehen kann.

bb. Im mittleren und niedrigen Gebirge.

l) Wenn sie als Ketten-Gebirge erscheinen.

Dann hat man zu untersuchen :

a. Richtung der Gebirgskette und ihre Erstreckung in Länge undBreite ;

b. wie, und wo sie an andere Gebirge anschliefsen;

c. den Lauf des hohen Gebirgsrückens;

d. den Lauf der Gebirgsjoche und ihre Verbindung mit dem hohei\Gebirgsrücken ;

e. die Verflachung des ganzen Gebirges und der Hauptjoche.

(In Rücksicht der Ilöhenbestimmungen gilt dasselbe, was hei denAlpen schon bemerkt worden ist )

f. Ob auf dem Abfalle des Gebirges wieder besondere Gebirgshöhen(Gebirgsbuckel) oder wannenförmige Vertiefungen (Ge-birgswaniien) oder kleine Ebenen (Gebirgsplatea u s)Vorkommen, und wenn dies der Fall ist, ihre Lage, Höhe undTiefe, Verfluchung zu beiden Seiten; ferner mit welchen Forma-tionen die Gabirgswanneu ausgefüllt sind, welche Gebirgsartendie Gebirgsbuckel formiren, oder unter welchen eigenen Mo.

' difikationen die übrigens allgemeinen Formationen auf diesen er-scheinen. Endlich ist:

. g. in jedem Ketten-Gebirge wieder dasselbe zu bestimmen, was obenunter Nro. 6. erinnert worden i-st.

(Wegen der Gebirgspiateanssehe man weiter unten bei den Hegelnzum Bereisen der Ebenen).

2) W e n n s i e als Massen- Gebirge erscheinen.

Dies betrifft hauptsächlich die Flöztrapp - Gebirge. Hier hat man zubestimmen :

a. die Begrenzung des Gebirges;

b. seine äußere Form im Ganzen und Einzelnen ; t

c. den gruppenförmigen Zusammenhang der einzelnen Gebirgspar-thieen unter sich;

d. die höchsten , das ganze Gebirge beherrschenden Punkte ;

e. den Zusammenhang mit benachbarten Gebirgen oder Ebenen ;

f. ob das Gebirge blofs aus eiuer, oder aus zwei und mehrerenFormationen zusammengesezt ist und im leztern lalle die Auf-lagerungsfläche dieser auf ihr Grundgebirge und die äuLernOberflächen-Unterschiede zwischen beiden.

b. Bei d(Jm Bereisen des bergigen und liügeliclren

Landes. '

1) Untersuche man, ob ein Berg einzeln stellt, oder gruppen - und rei-henförmig mit,andern Zusammenhänge.

2) .Bestimme man die Form und Gröfsen - Verhältnisse der wichtigerenBerge und Hügel.

3) Erforsche man den Zusammenhang der Hügelreihen nicht hlos äufser-lich, sondern auch durch die Identität der Gebirgsarten.

4) Sehe man auf die Unterbrechungen zwischen den Bergen und Hü-geln durch aufgeschwemmtes Land.

5) Suche man zu ergründen, wodurch und. von welcher Seite her dieehemaligen Bergreihen zerstört werden, von denen jezt die zerstreu-ten Berge die einzigen Ueberreste sind.

6) Habe man Acht auf die Erdfälle am Fufse der Berge, auf die Bedek-kung der Gesteinsaiten durch aufgeschwemmtes Land und darauf, obdie niedrigen Gegenden zwischen den Beigen und Hügeln mit jungemFlözschichten ausgefüllt sind.

c. Bei clero Bereisen -der Ebenen, Sand wüsten und

G e bi r g s e b e n e n (Gebirgsplatea.us).

I

l) Die N iederung eV des festen Landes. Hierher gehören:

a. Moor - Gegenden und Sümpfe;

b. fruchtbare Ebenen (mit untermengtem Thoil - und Sandlande) ;

c. sandige Ebenen, die in gröfserer Ausbreitung Sandw.u.sten heifsen ;

d. die flachen Meeresküsten;

e. kleine ebene Unterbrechungen zwischen den Gebirgen. s

Bei diesen allen hat man zu bestimmen:

aa. Gröfse, Grenzen, Neigung der Ebenen, Höhe über dem

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Meere, Verhältnifs gegen die begrenzenden Gebirge, bergi-gen Gegenden und Meeresküsten.

(Man besteige deshalb ileifsig die nächsten Berge.)bb. Die Mächtigkeit und Natur der Dammerde;cc. die Unterlage der Dammerde;

dd. die Gröfse und Beschaffenheit der oben vorkommendenSandschollen; ob sich Flugsand und Triebsand findet;e«. in* den Sandwüsten die Quellen und Brunnen; die Punkteder VegetatioV (Inseln der Wüste) ;ff. ob die Ebenen mit grofsen Gestein - Blöcken und Geschiebenbedeckt sind; . -

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