XXX. Das Bereisen der Gebirge.
e. H ülfsmittel zur Bestimmung der Gebirgsarten 3wenn man solche nicht unmittelbar und an-stehend beobachten kann.
Nicht selten fehlt es, besonders in platten Gegenden zuweilen auch inden Gebirgen, an tauglichen Beobachtung« «■ Punkten und . gleichwohl liegtdem Geognosten viel daran , die Gebirgsart mehrerer Stellen zu bestimmen.Dann kann man blos mittelbar beobachten und es dienen als Illilfsmittel;die Farbe der Dammerde, ausgeackerte Bruchstücke, die Gestalt der Berge,der Gems , die Pflanzen.
Es lassen sich keine allgemeine Regeln geben, sondern blofsBeispiele, und es kommt sehr auf den individuellen praktischen Blickdes Geognosten an , ob er diese Hülfsmittel gehörig benuzzen kannoder nicht.
Wenn man z. B. in einer Gegend geognosirr, wo man es mit Granit,Porphyr und Thonschiefer zu thun hat, so kann man oft schon vonweitem die Grenzen zwischen ihnen bestimmen, weil der Granit inder Regel rotlie, der Thonschiefer graue und der Porphyr mehr leh-mige gelbliche Dammerde über .sich hat* weil der Granit einen san-digen, grandigen, der Porphyr einen scharfkantigen , aus gröfsernBruchstücken bestehenden, und der Thonschiefer einen fettigthonigen,silberartig-glänzenden , axvs scheibenförmigen Bruchstücken bestehen-den Gems (aufgelöstes Tage-GesteinJ bildet.
Wenn man in einer Gegend, wo z. B. Basa’t und Sandstein Vor-kommen, auf einem Felde lauter ausgeackerte Bäsaltstücke findet, sokann man mit Recht schÜefsen, dafs unter der Dammerde auch Basaleanstehe.
Endlich mufs, man die Pflanzen berücksichtigen , doch fehlt nochviel, ehe man ihre Bedeutung in einer Physiognomik derGebirge recht ergründen wird. ,
Wo auf Wiesen iiriophorum polystachion steht, kann mansicher auf Torf schliefsen. Tussilago FarJfcara wachst nur auf■thonigem und kalkigem Boden. Diese Pflanze iäfst sich häufig herr-lich benuzzen, um Kalklager über bebaute Gegenden zu verfolgen. WoPorphyr und Thonschiefer.Vorkommen, findet sich das C h e 1 i d o n i u rana jui nur auf Porphyr wachsend u, d"gl. inehr.
3. Beobachtungs - Weise nach der Ver-schiedenheit des Zweckes der Un-tersuchung.
Der Zweck geognostischer Untersuchungen kann von dreifacher ArsSeyn. Sie dienen entweder :
A. zum Selbststudium und zur Uebung für Anfänger in der Wis-senschaft, weil man nie durch biofse Anhörung von Vorlesungen,oder vermittelst des Studiums geognostischer Werke, ein gründlicherGeognost werden kann. Es ist leichter, in der Stube über ein geo-gnostisches Verhältnis zu sprechen , als es in der Natur selbst nach-zuweisen; —■ oder die Untersuchungen werden angestelit: \
JJ, um schwierige geognostische Verhältnisse aufzuklären , oder neue zuentdecken und um mineralogische Geographien zur Belehrung Andererdurch schon geübte Geologen zu entwerfen; oder endlich :
C. in merjantilischer Hinsicht zur Beförderung des Bergbaus zu Auf-suchung mineralischer Brennmateriale oder solcher Mineralien, wel-che im Handel, in der Oekonomie, in Fabriken und in der Architek-tur gebraucht werden.
I. Regeln für den ersten Zweck.
l) Welche Gegenden mufs man zu dergleichen Unter-suchungen wählen? Wenn ein Anfänger zuerst das- Geogno--siren praktisch treiben will , so mufs er :
a, sich in schneller und gewisser Bestimmung der Gebirgsartenüben. Sobald er daher schon zu Hause, durch Ansicht geogno-stischer Sammlungen, die Gebirgsarten oberflächlich kennen ge-lernt hat, besuche er solche Gegenden, in welchen vielerlei Ge-birgsarten zusammen Vorkommen, blofs in der Absicht, um sichin deren Bestimmung zu üben, nehme aber dabei noch auf keine
andere Verhältnisse Rücksicht, Solche Gegenden, wo Ur-, Uc-bergangs- und Flöz - Gebirge zusammenstofsen , würden für der-gleichen Uebungen am besten seyn.
b. Sodahn fange man an, sich in Bestimmung der ‘Schichtung* -upd Zerkliiftungs - Verhältnisse zu üben. Man wähle deshalb,wenn man es haben kann, eine Gegend , wo einige geschichteteUrgebirge z. B. Gneifs, Glimmerschiefer und Thonschiefer neben-einander Vorkommen; übe sich dabei wahre 'Schichtungsklüfteund andere Klüfte zu unterscheiden uni bestimme, so oft alses geschehen kann, die Neigung der Schichten gegen den Hori-zont nach dem Augenmafse von 10 zu 10°, sodann die Weltge-gend, nach 1 welcher sie sich verflachen, nach dem Stande derSonne, endlich das Streichen und Fallen der Schichten genauernach dem bergmännischen Handkompasse. Die Zerklüftungen undAbsonderungen der Gebirgsmassen wird man am besten undam deutlichsen kennen lernen, wenn man Gelegenheit hat einPorphyr- und Basalt-Gebirge zu beobachten. Ist man in Be-stimmung solcher allgemeinen Verhältnisse geübt , so fange manan kleine Gebirgsthäler zu begehen. Man beobachte dabei dieAuflagerung einer Gebirgsart auf der andern, »bestimme bei jederihre Struktur im Kleineu und Grofsen , ihre Schichtung, Mäch-tigkeit , Zerklüftung und Auflösung am Tage. Hat man dies ei-nige Zeic getrieben , so begehe man ;
c. in Gesellschaft eines schon geübten Geognosten eine Gebirgs-
Gegend, deren Verhältnisse im Allgemeinen schon bekannt undnicht in zu hohem Grade verwickelt sind. Hier kann mannun anfangen die Zusammensezzung der Formationen , ihre La-gerungs-Verhältnisse, ihre relative Altersfolge und Verbreitungzu erforschen. So- mufs man immer vom Einfachen zum Schwie-rigen fortgehen. Man hüte sich nur vorzüglich anfangs inGegenden zu reisen, zu deren Orientirung langes Studium
gehört, weil in solchen der Neuling nie ein deutliches Bildder durchreisten Gegend sich machen kann, was durchaus nö.thig ist, wenn man einen praktischen Blick sich aneignen
Will.
Die Übergangs-, Ur trapp- , Flöztrapp- und Porphyr - Gebirge sindfür den Anfänger die schwierigsten , daher ihre Untersuchungerst nach einigermafsen verlangter Uebung anzurathen ist,
2) Wie mufs man eine aufgefundene Gebirgsart in ihrerForts ezzung verfolgen? Ist dieselbe eine geschichtete, so istes leicht, sie aufzusuchen. Man bestimme nämlich an dem ersten
Fundorte ihr Streichen und die 90° davon verschiedene Falllinie.
Die leztere bezeichnet die Direktion, nach welcher man die Mäch-tigkeit der Gebirgsart über Tag zu verfolgen hat. Geht man aber inder Streichungslinie fort, so verfolgt man die Gebirgsart nath’ devDimension der Länge; bleibt sich das Streichen gleich, so bleibt sichauch die Richtung gleich, in welcher die Gebirgsart über Tag er-scheint, ändert sich aber jenes, so mufs'man darnach auch die Di-rektion seines Weges ändern. Hat man, es mit urigeschichteten Ge-birgsarten zu thun, so liegt in ihnen selbst kein festes Anhalten zurBestimmung ihrer VerbVeituug. Sind sie abgebrochen gelagert, somufs man die einzelnen Lagerungs-Ganze auch einzeln aufsuchen undbestimmten ; sind sie zusammenhängend gelagert, so kann man ihreVerbreitung oder vielmehr ihre Erstreckung in die Länge aufzweierlei Art bestimmen s ■
■*. wenn das Grundgebirge derselben ein geschichtetes ist. Sei z. B,aC Figur 9, Tafel IV. das mit A bemerkte Gestein ein StückThonschiefer - Gebirge mit der angegebenen Schichtung und manträfe im Punkt a c zuerst Porphyr - Gebirge B an^und wolltedessen Erstreckung verfolgen, so bestimme man vor Allem dieRichtung der äufsern Ausstreichungsliuie des Thouschiefers a a a.Daraus ergibt sich, dafs die innere Grenzlinie des Porphyrs die-selbe seyn mufs, weil der Tlionschiefer sein Grundgebirge ist.Die Erstreckung in die Länge ist also bei beiden Gebirgsartengleich oder ähnlich. Um nun die Mächtigkeit oder Erstreckungdes Porphyrs in die Breite kennen zu lernen, mache man einigeDurchschnitts - Touren in den Richtungen a cy a b und a d,*o wird man in c, b und d auf ein mit F K bezeicbnetes
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