9o
seyn, ob das Bild aus Altoviti Rsphael selbstdarstelle, und setzt dann hinzu: „Warum beruftman sich diesfalls nur auf vafari's zweydeutigenAusdruck, und sagt nicht lieber, es habe unläug-bare Ähnlichkeit mit den unstreitigen BildnissenRaphsels in der Schule von Athen und im Par-naße; aber eben da möchte die Vergleichung nichtgünstig ausfallen. Morghens Kupferstich dannscheint mir im physiognomischen Ausdrucke von demUrbild abzuweichen, und mehr als dasselbe vonGanzio's eigentlichen Zügen zu haben; ob absicht-lich oder zufällig, ist ebenfalls schwer zu entscheiden.Ueberhaupt möcht' ich, in Betreff dieses Bildnisses,keinerley neue Meinung geltend machen, sondernbegnüge mich, solches als eine der vorzüglichen Ar-beiten des Künstlers zu schätzen und zu ehren."Uns übrigens schien das Bild aus Altoviti (wennwir uns anders recht erinnern) besonders viel Ähn-lichkeit mit dem in der Gallerte zu haben, welchesdoch wohl eben so unstreitig, als die Köpfe in derSchule von Athen und im Parnaße, den Unsrigendarstellt. Wie es wohl kommen mag, daß dieseletztem noch von keinem geschickten Stecher beson-ders geliefert worden?
S. 22. Lsndon (Vse et Oeuvres äe A.) Willwissen, daß in 1527. die Spanischen Soldaten inden Logen ihre Feuer angezündet hatten, und diesewunderschönen Kunstwerke schon dadurch merklichenSchaden genommen hätten.
S. 23. Anmerk. ii2. In unfern neuern Ta-gen gab die Raphselischen Logen, mit einem er-klärenden Texte, wieder in 52. Quartblattern (wo-von die dritte Lieferung in i8°8. erschienen war)David, Mitglied der Akademie der Malerei undSkulptur zu Berlin , Associrter derjenigen der Wis-senschaften und schönen Künste zu Rouen , gemein-schaftlich mit einer Dcmoiselle Sibire, seiner Schü-lerin; eine uns unbekannte Arbeit, wahrscheinlichaber eine Copie von irgend einer der schon im Textegenannten Sammlungen.
Ebendas. Das Breve, womit Leo X . Raphae!zum Oberaufseher (eigentlich der Baute von St.Peter) mit 300. Scndi d'Oro Gehalt ernannte,ist vvm 1. Aug. 1515., und findet sich in den Epi-steln des Kard. Bembo, der solches verfaßte, undübersetzt in den I.ett. pitt. VI. p. 14—15. »Wirermähnen Euch" (heißt es am Schlüsse) „daß Ihrdieses Amt aus eine Weise besorgt, welche zeigt,wie sehr Ihr Euch selbst und Euern guten Namenzu schätzen wißt, wozu es sicher nöthig ist, einenguten Grund von Jugend an zu legen" (Rsphaelhatte denn damals doch schon seine 32. Jahre aussich), „und dadurch der Hoffnung zu entsprechen,die Wir von Euch hegen, und eben so der Würdeund dem Ruf eines Tsmpels, den die ganze Weltstets für den größten und heiligsten hielt, so wieder Ehrfurcht, welche Ihr für den Fürsten derApostel trägt."
S. 24. „In dem Bilde der Madonna zu Dres-den " (sagt nunmehr die Frau von Sraelgüo) ebenso geheimniß- als geistreich) „herrscht eine Hoheitund eine Reinheit, die das Ideal der Religionund der innern Kraft der Seele ist. Die Vollkom-menheit der Umrisse ist in demselben nur ein Sym-bol (?). Das lange Gewand, als Ausdruck ihrerSchamhaftigkeit, leitet vollends unser Interesse aufihr Antlitz hin, und die Sprache ihrer Gesichtszüge,noch bewundernswürdiger, als die Contoure dersel-ben, möchte man eine höchste Schönheit nennen,welche sich mitten durch die indische offenbart. DerChristusknabe, den seine Mutter in ihren Armenhalt, hat höchstens zwey Jahre; aber der Künst-ler wußte, in einem kaum gebildeten Gesichte, dieMächtigkeit des göttlichen Wesens wunderbar aus-zudrücken. Der Ausblick der beyden Engelchen un-ten im Vorgrunde ist reitzend schön; nur die Un-
schuld eines solchen Alters kann zur Seite himmli-scher Unbefangenheit noch Reitze haben. Ihr Er-staunen beym Anschau'n der strahlenden Jungfrauist mit demjenigen, welches Menschen empfindenkönnten, nicht zu vergleichen; sie beten die Gött-liche zutrauensvoll an, weil sie in ihr die Bewoh-nerin des Himmels erkennen, den auch sie so ebenverlassen haben."
S. 26. „Es scheint mir" (bemerkt uns so ebenein Freund) „nicht richtig, was dort, nach einerAnmerkung in der Sienenser-Ausgabe des vssaribehauptet wird: Man erkenne in der Madonnadella Sedia Rsphsels Beckerin. Allerdings kömmtdiejenige Person, welche unter dem Namen Forna-rina in Barberini hängt, in mehrern seiner Bildervor; aber es ist eine weit derbere vollere Gestalt,mit minder zarten und anmuthigen Gesichtszügen,als diejenige Person, die in jener Madonna, inmehrern Figuren der Rsphaelisthen Musen imParnaß u. a. w. abgebildet seyn mag, und welchemehr dem, ebenfalls Fornarina genannten, Bilde inder Tribuna zu Florenz gleichen. Uebrigens bemer-ken wir noch, daß freylich in Welschland eben Alleslornarina (so wie I.utero oder Calvins) heißenmuß."
S. 27. Anmerk. 137. Irgendwo fanden wirvor etwas Zeit angezeigt: „Kupserstichsamnilungnach Driginal-Gemäldcn von Rsphael, welche imPalais von Farnesina (sie!) zu Rom aufbewahrtwurden, und jetzt nach Paris (?) geführt wordensind; in VII. Blättern, ordin. Bogengröße Schrp.ä 3. Rthlr. — Echweitzervel. ä 3. Rthlr. 12. Gr.Bey Laste in Quedlinb." Schon diese Anzeigeberechtigt wohl nicht zu großen Erwartungen.
S. 30. Anmerk. 152. „Dort" (schreibt unsH. Meyer aus Weimar ) „wird von einem Exem-plare der Arazzi nach Rsphael, in Manrua, ge-sprochen. Ich habe in 1795. im dortigen Schlossenoch 8—10. solcher Arazzi gesehen, nebst 2—5. an-dern in gleicher Größe mit Leimfarbe auf Leinwand(aber eben von keinem sonderlich geschickten Künstler)dazu gemalten, womit man wahrscheinlich eben soviele abhanden gekommene Stücke ersetzen wollte."
Ebendas. Anmerk. 157. Bstrari fand selbst indes übrigens trefflichen Dorigny's Stiche der Car-tons den Ausdruck der Köpfe nicht gnt; weit besserin dem, was (nebst Marc Antonio) Baoaloechi,Lansranco (in den Loggien) und C. Maratti (imHellvdor) nach Rsphael geliefert haben.
S. 37. Anmerk. i 89 - Noch einen vierten Car-ton des untern Theils der Verklarung, in Schwar-zer Kreide, sah Richarden noch in einem Zimmerdes Vatikans. III. 477.
Ebendas. in derselben Anmerk. am Schlüsse l.Auch in dem Praunischen Cabinette zu Nürnberg befand sich einst (wo jetzt?) ein vorzügliches Ra-haelisches Studium für die Verklärung, welchesrestcl braun in Zeichnungs-Manier geliefert hat.S. 40. Ob sich in der Ambrosianischen Bibliothekzu Mailand je ein Carton von Constantins Schlachtbefunden habe, dürste sehr zu bezweifeln seyn.
Ebendas. In einem Briefe von Seb. Rests anBellori heißt es: Von dem Raphaelischen Bildein der zweyten Sakristey von St. Celso zu Mai-land befinde sich eine schöne Copie im Französischen Pallaste zu Rom . Er, Rests, selbst dann besitzeeine alte, aber schlechte. Cexx. pkt. III. 327.
Ebendas. Auch Morgenstern (1809.) sprichtvon dem im Text erwähnten Bilde in der neu an-gelegten Gemäldesammlung all« Brera (oder, wiees in unserm Texte heißt, agli Studi), und be-schreibt es, wie folgt: „Ein Gemälde mittlererGröße, aus R. früherer Zeit: Die Vermahlung derMaria mit Joseph; zwölf Figuren; im Hintergrundder Tempel, und noch einige kleine Figuren. Da-bey des Künstlers Namen: Kapb. Orbinss 1504.
460) äs l'LUemagne. 1. m. x. »>7—IS.